Schmerzfrei durch Bewegung: So wird Ihr Rücken fit!

By Redaktion

Rückenschmerzen: Ein unterschätztes Massenphänomen

Am 15. März wird der jährliche Tag der Rückengesundheit begangen, ein Datum, das die Österreichische Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) nutzt, um auf die immense Bedeutung der Prävention und frühzeitigen Behandlung von Rückenschmerzen hinzuweisen. Diese weit verbreitete Volkskrankheit betrifft rund 1,9 Millionen Menschen in Österreich. Besonders beunruhigend ist, dass mit zunehmendem Alter die Häufigkeit dieser Beschwerden deutlich ansteigt.

Die unterschätzte Gefahr der Chronifizierung

Rückenschmerzen werden oft als harmlos abgetan, doch die Realität sieht anders aus. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, Präsident der ÖGPMR, betont: ‚Rückenbeschwerden sind in den meisten Fällen nicht gefährlich. Entscheidend ist jedoch, frühzeitig die richtigen Maßnahmen zu setzen, um eine Chronifizierung zu verhindern.‘ Diese Chronifizierung, also das Übergehen von akuten zu chronischen Schmerzen, hat nicht nur erhebliche persönliche, sondern auch volkswirtschaftliche Folgen.

Volkswirtschaftliche Herausforderungen durch Rückenschmerzen

Die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch chronische Rückenschmerzen entstehen, sind enorm. Diese beinhalten sowohl direkte Kosten für medizinische Behandlungen als auch indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle und Frühpensionierungen. Eine flächendeckende, leitliniengerechte Diagnostik und Therapie könnte jedoch nicht nur Schmerzen reduzieren, sondern auch erhebliche Kosten einsparen, indem Chronifizierungen vermieden werden.

Bewegung statt Schonung: Ein Paradigmenwechsel

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Schonung bei Rückenschmerzen hilft. Doch das Gegenteil ist der Fall. Laut einer großen Umbrella-Review aus dem Jahr 2025, die 88 systematische Reviews umfasst, ist Bewegungstherapie eine sichere und wirksame Standardbehandlung. Diese Therapieform reduziert nicht nur Schmerzen, sondern verbessert auch die Funktionalität des Rückens.

Prof. Crevenna erklärt: ‚Patientinnen und Patienten sollten wissen: Bewegung verschlechtert Rückenschmerzen nicht – im Gegenteil. Aktivität ist ein wesentlicher Teil der Therapie.‘ Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen medikamentöse Schmerztherapie bei Bedarf sowie physikalisch-medizinische Anwendungen wie Bewegungs- und Trainingstherapie, gezielte Übungen und Wärmeanwendungen.

Die Rolle der Physikalischen Medizin

Die Physikalische Medizin verfolgt das Ziel, Beweglichkeit, Belastbarkeit und Schmerzfreiheit wiederherzustellen. Unterschiedliche physikalische Modalitäten ermöglichen individuell angepasste Therapieformen – auch bei erhöhter Schmerzempfindlichkeit oder komplexen Beschwerden. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen spielt die interdisziplinäre Schmerzmedizin eine zentrale Rolle. Diese berücksichtigt neben körperlichen auch psychische und soziale Faktoren.

Interdisziplinäre Ansätze für nachhaltige Ergebnisse

Die Therapieziele der physikalischen Medizin umfassen unter anderem eine Verbesserung von Fitness, Koordination, Körperwahrnehmung und Belastungskontrolle sowie den Abbau von Angst vor Bewegung. Psychologische Interventionen können zusätzlich helfen, Schonverhalten zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Zahlen, Fakten und Evidenz

Etwa 80 Prozent aller Rückenschmerzen sind unspezifisch, das heißt ohne gefährliche Ursache. Dennoch sind in Österreich rund 1,9 Millionen Menschen betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit dieser Beschwerden deutlich an. Die Evidenz zeigt, dass Bewegungsprogramme und physikalische Therapie nicht nur wirksam, sondern auch kosteneffektiv sind.

Frühe Behandlung als Schlüssel zur Prävention

Leitlinien empfehlen, aktiv zu bleiben, unnötige Bildgebung zu vermeiden und konservative Therapieansätze zu verfolgen. Biopsychosoziale Faktoren sollten berücksichtigt werden, um eine Chronifizierung zu verhindern und Kosten zu reduzieren. Frühzeitige, leitliniengerechte Therapie kann erheblich dazu beitragen, die Chronifizierung von Rückenschmerzen zu verhindern.

Ein Blick in die Zukunft der Rückengesundheit

Die Zukunft der Rückengesundheit liegt in der Kombination aus Prävention, frühzeitiger Therapie und einer flächendeckenden Umsetzung evidenzbasierter Behandlungsmethoden. Die ÖGPMR betont, dass Rückengesundheit kein einmaliges Thema ist, sondern tägliche Aufmerksamkeit verdient. Regelmäßige Bewegung, Training der Muskulatur, ergonomisches Verhalten im Alltag und frühzeitige Behandlung bei Beschwerden sind entscheidende Faktoren für einen gesunden Rücken über die gesamte Lebensspanne.

Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna fasst zusammen: ‚Unser Rücken ist für Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität zentral. Wer ihn aktiv stärkt und Beschwerden frühzeitig behandelt, kann viel dazu beitragen, Schmerzen gar nicht erst chronisch werden zu lassen.‘