Hamburg (OTS) – Der Bundespräsident a.D., Christian Wulff, hat
eindringlich vor KI,
Fake News und sozialen Medien gewarnt. „Massen und Menschen sind
wieder manipulierbar“, sagte er gegenüber der BIG BANG UNTERNEHMER-
Redaktion und warnte mit Blick auf die deutsche NS-Geschichte vor
einer „dramatischen Melange“.
Noch 2012 habe er in der Wannsee-Villa gesagt, je länger die NS-
Zeit zurückliege, desto schwieriger sei es, sich vorzustellen, wie es
dazu kommen konnte. Aber er könne es sich „heute wieder mehr
vorstellen, wie manipulierbar Massen und Menschen sind, bestimmten
Dingen nachzulaufen und sich für bestimmte Dinge begeistern zu
lassen.“
Besonders gefährlich sei das Zusammenspiel verschiedener
Entwicklungen. Wulff sprach von einer „dramatischen Melange“ aus
sozialen Medien und Fake News, KI-generierten Bildern und Videos
sowie autoritären politischen Kräften, die demokratische
Institutionen und den Rechtsstaat unter Druck setzten. KI ermögliche
es, Bilder und Videos zu erzeugen, „die mit der Wirklichkeit nichts
zu tun haben“. Damit wachse auch die Gefahr gezielter Täuschung und
gesellschaftlicher Spaltung.
Wulff appellierte ausdrücklich an die Verantwortung jedes
Einzelnen. Jeder müsse sich entscheiden, „ob er die Manipulation
zulässt oder sie bekämpft, ob er das Recht, Pluralität, Gleichheit,
Freiheit unserer Art zu leben verteidigt oder allein lässt“.
In diesem Zusammenhang widersprach der frühere Bundespräsident
auch Elon Musk. Wulff griff dessen Aussage auf, Empathie sei eine
fundamentale Schwäche des Westens. „Wenn Elon Musk, der sicher ein
großer Pionier und Ingenieur ist, vor einem Jahr gesagt hat, die
größte Schwäche des Westens ist Empathie, dann kann ich Ihnen nur
sagen, dass wir seit 81 Jahren in Frieden und Freiheit im Inneren wie
nach Außen leben.“
Das, so Wulff, habe wesentlich damit zu tun, dass die
europäischen Staaten gelernt hätten, nicht nur ihre eigenen
Interessen, sondern auch die ihrer Nachbarn zu berücksichtigen.
Empathie und Menschlichkeit seien deshalb keine Schwäche, sondern
eine Voraussetzung für den Zusammenhalt demokratischer
Gesellschaften.
Trotz seiner Warnungen sprach sich Wulff ausdrücklich gegen einen
pessimistischen Blick auf Künstliche Intelligenz aus. „Die größten
Lästerer und Moserer“ kämen aus dem Ausland zurück, „spätestens wenn
sie ein Krankenhaus brauchen. Weil sie dann eben doch wissen,
Deutschland ist besser, als sie ständig rumlästern. Das ist die
Wahrheit. die man in der Welt sieht.“
Wulff weiter: „Wir reden wahrscheinlich auch zu Recht über
Probleme, über Herausforderungen. Eines der großen Probleme ist, dass
wir dann meistens vergessen, dass wir auch ganz große Potenziale,
ganz große Attraktivität als Europa haben, für die klügsten Köpfe der
Welt ganz große Möglichkeiten bieten und dass wir diese Chancen auch
ergreifen.“ Wulff wolle „keine Weltuntergangsstimmung“, sehe „keinen
Untergang des Abendlandes“. Europa brauche eine positive Vision und
müsse die Chancen der Technologie konsequenter nutzen.
Deutschland und Europa verfügten über starke
Forschungsorganisationen, innovative Start-ups, eine leistungsfähige
Industrie und rund 1.600 Hidden Champions. KI könne nach Ansicht
Wulffs dazu beitragen, Krankheiten besser zu behandeln, Produktivität
zu steigern und die Folgen des demografischen Wandels abzufedern.
Dafür müsse Europa schneller werden – beim Ausbau von
Rechenzentren, bei der Anwendung von KI in Unternehmen und bei der
Qualifizierung von Beschäftigten. Wulffs zentrale Botschaft: Ob
Künstliche Intelligenz eine Demokratie und Gesellschaft stärkt oder
schwächt, sei nicht vorbestimmt. „Das liegt am Ende wesentlich in
unseren Händen. Und deshalb bin ich optimistisch.“
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