Wien (OTS) – „Wenn wir über die Sicherheit in Österreich sprechen,
denken wir
zunächst an gut ausgebildete Polizistinnen und Polizisten, an eine
funktionierende Polizei, an moderne Ausrüstung und an ausreichend
Personal. Das ist alles richtig und wichtig. Was dabei allerdings
häufig weniger Beachtung findet, ist eine Berufsgruppe, die einen
wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass die Polizei ihre Aufgaben
erfüllen kann: Polizeiärzte“, sagte Johannes Steinhart, Präsident der
Österreichischen Ärztekammer, heute im Rahmen einer Pressekonferenz.
Polizeiärzte würden eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen
Medizin und öffentlicher Sicherheit übernehmen. „Ihre Arbeit ist
anspruchsvoll, sie verlangt medizinische Kompetenz,
Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsfähigkeit und ein hohes Maß
an persönlicher Belastbarkeit“, so Steinhart. Das mache deutlich:
„Polizeiärztliche Tätigkeit ist keine medizinische Nebenaufgabe, die
man bei Bedarf irgendwie mit erledigen kann.“
Eine zentrale Herausforderung sei die Frage, wie die
polizeiärztliche Versorgung langfristig sichergestellt werden kann.
„Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in
Pension gehen, wird die Nachbesetzung von Ärztinnen und Ärzten in
vielen Bereichen des Gesundheitssystems herausfordernd“, so
Steinhart, der auf veränderte Erwartungen an die Arbeitswelt hinwies.
Planbare Arbeitszeiten, eine gute Vereinbarkeit von Beruf und
Privatleben sowie attraktive Beschäftigungsmodelle würden an
Bedeutung gewinnen. „Das betrifft selbstverständlich auch die
Polizeiärzte, wobei hier schon einige sinnvolle Maßnahmen in diese
Richtung gesetzt wurden, damit die Familie nicht zu kurz kommt“, so
der ÖÄK-Präsident.
„Um öffentliche Sicherheit und medizinische Qualität
gleichermaßen längerfristig abzusichern, müssen wir qualifizierte
Ärztinnen und Ärzte für die polizeiärztliche Tätigkeit gewinnen und
dort langfristig halten. Es bedarf der nötigen Informationen und
ausreichend Promotion, damit sich Ärztinnen und Ärzte für diese
spannende Tätigkeit entscheiden“, sagte Steinhart: „Die
Österreichische Ärztekammer ist bereit, diesen Weg gemeinsam mit den
zuständigen Stellen zu gehen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein,
die polizeiärztliche Versorgung dauerhaft abzusichern – im Interesse
der Ärztinnen und Ärzte, der Polizeibediensteten und der gesamten
Bevölkerung.“
Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen
Yasmin Frank-Dastmaltschi, seit zehn Jahren Chefärztin des
Innenministeriums, sagte: „Polizeiärzte sind besonders geschulte
Kolleginnen und Kollegen aus allen möglichen Fachrichtungen. Wer bei
uns anfängt, absolviert einen eigens konzipierten Lehrgang, um für
den Dienst fit zu sein. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem
rechtliche Vorträge, Verkehrsrecht und Verkehrsmedizin, Forensik,
Psychiatrie, Medizinrecht und Kriminalistik. Eine exekutivdienstliche
Ausbildung ist nicht erforderlich. Voraussetzung sind eine
abgeschlossene Ausbildung als Allgemeinmedizinerin oder
Allgemeinmediziner und/oder als Fachärztin oder Facharzt, die
österreichische Staatsbürgerschaft, die volle Handlungsfähigkeit,
eine polizeiamtsärztlich festgestellte gesundheitliche Eignung und
die Lenkberechtigung für die Klasse B. Vor vier Jahren haben wir die
Gehälter angepasst und auch Teilzeitstellen eingerichtet, damit sich
Beruf und Familie besser vereinbaren lassen. Wir haben zunehmend
Zulauf von Frauen. Unser Beruf ist sehr abwechslungsreich und
spannend und eine gute Alternative zum Spital.“
Patricia Fous-Zeiner, Chefärztin der Landespolizeidirektion Wien
sagte: „Es ist kein Routinejob, und genau das macht diesen Job so
außergewöhnlich. Mir persönlich gefällt besonders die
interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Der Job
verlangt einerseits Teamarbeit, bringt aber auch die Herausforderung
mit sich, selbstständig tätig zu werden und in Stresssituationen
rasch zu entscheiden. Dafür braucht es Mut zur Entscheidung, auch
unter Zeitdruck. In der LPD Wien sind derzeit 28 Ärztinnen und Ärzte
tätig. Seit einer Reform vor einigen Jahren melden sich für den
Dienst als Polizeiarzt nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch
viele Fachärzte. Ich kann es jedem empfehlen: Es ist ein ganz
spannendes Gebiet, in dem man zusätzlich gute Aufstiegschancen hat.“