Schönheit

Steinmeier: Wir müssen unsere Art zu leben und zu wirtschaften hinterfragen

Osnabrück/Aachen (OTS) – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft
dazu auf, die Art zu
leben und zu wirtschaften zu überdenken, „um unseren Kindern und
Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen“. Das sei jedoch
nicht von einem einzelnen Land oder einzelnen Menschen zu bewältigen,
sondern eine gemeinsame Aufgabe, „als Weltgemeinschaft, als ganze
Gesellschaft“. Beim Festakt zur Verleihung des Deutschen
Umweltpreises durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) im
Eurogress Aachen appellierte das Staatsoberhaupt heute (Sonntag)
zugleich daran, jede Chance zu nutzen, um sich „nach Kräften gegen
die Folgen der Erderwärmung“ zu wappnen.

Bonde: Natürliche Lebensgrundlagen im ureigenen Interesse
erhalten und stärken

Der Deutsche Umweltpreis der DBU in Höhe von insgesamt 500.000
Euro zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas und
geht dieses Jahr zu gleichen Teilen an Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul
sowie an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen . Vossenkaul
wird für seine innovativen Weiterentwicklungen bei der
Membranfiltertechnologie für die Abwasserreinigung in Kläranlagen
ausgezeichnet, Verheyen wegen der Durchsetzung rechtlicher Vorgaben
für mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit. In seiner Rede zum Festakt
sagte Steinmeier, angesichts der Sorgen um Stabilität und Sicherheit
seien „aktuell bei vielen Menschen die Gedanken an Umwelt- und
Klimaschutz etwas in den Hintergrund getreten“. Gleichwohl, auch wenn
das paradox klinge, „spüren wir den Ernst der Lage ganz wortwörtlich,
auch wir Europäer. Die Fieberkurve unseres Planeten zeigt deutlich
nach oben“. Gerade Europa treffe der Klimawandel „besonders stark –
unser Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie alle
anderen“. Darauf, so der Bundespräsident, könne es unabhängig von
tagespolitischen Geschehnissen nur die Antwort geben, sich mit aller
Kraft gegen die Überhitzung des Planeten zu stemmen, „indem wir
Treibhausgase reduzieren und vor allem die natürlichen Ressourcen
schützen, die helfen, unser Klima zu stabilisieren: Böden und Wälder,
Moore und Meere“. Dazu DBU-Generalsekretär Alexander Bonde : „Wir
müssen diese natürlichen Lebensgrundlagen im ureigenen Interesse
erhalten und stärken. Deshalb fördern die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt und deren Tochter, das DBU Naturerbe , ebensolche Projekte.
Und mit dem Meeresnaturschutzfonds steht der DBU ein starkes
Instrument zum besseren Schutz von Nord- und Ostsee zur Verfügung.“
Steinmeier bekräftigte, es gebe Chancen, sich gegen die Folgen des
Klimawandels zu wappnen. „Und das ist genau, was den Deutschen
Umweltpreis so wertvoll macht: dass er uns eine gehörige Portion
Tatkraft und Hoffnung einimpft. Wir sind all dem nicht machtlos
ausgeliefert.“

Technologischer Fortschritt und Fortentwicklung des Rechts

Der Bundespräsident sagte mit Blick auf Verheyen und Vossenkaul,
er freue sich, „dass wir heute zwei Menschen auszeichnen, die zum
einen für den technologischen Fortschritt, zum anderen für die
Fortentwicklung des Rechts Herausragendes geleistet haben“. Verheyen
habe als Juristin „vielen Menschen Möglichkeiten aufgezeigt, für ihre
Interessen zu streiten, wenn es um den menschengemachten Klimawandel
und seine Folgen geht“. Steinmeier an die Adresse Verheyens: „Sie
haben ihnen zur Seite gestanden und ihnen Gehör verschafft im Streit
mit Konzernen und Regierungen, um unser aller ,Recht auf Zukunft‘,
wie Sie es sagen, zu sichern.“ Der Bundespräsident erinnerte an
Verheyens „entscheidenden Anteil daran, dass das
Bundesverfassungsgericht sein Diktum zur Klimaneutralität bis 2045
gefällt hat“. Laut Steinmeier erweiterte der Beschluss „die heute zu
schützenden Grundrechte und Freiheiten um diejenigen der kommenden
Generationen“.

EU-Kommunalabwasser-Richtlinie muss bis Juli 2027 in nationales
Recht umgesetzt sein

Membranfilteringenieur Vossenkaul wiederum sei ein „Technologie-
Pionier in herausragender Art und Weise“, so Steinmeier. Mit einer
Prise Humor fügte er hinzu: In Aachen eine Laudatio ohne Erwähnung
von Karl zu halten, sei fast unmöglich. In diesem Fall gehe es aber
nicht um Karl den Großen, sondern um die Kommunalabwasser-Richtlinie
der Europäischen Union (EU), kurz ebenfalls KARL. Sie solle durch
zusätzliche Verfahren sicherstellen, dass gesundheitsschädliches
Mikroplastik, gefährliche Keime und Krankheitserreger, aber auch
Rückstände von Arzneimitteln aus dem Abwasser herausgefiltert werden.
Bis Juli 2027 haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit, die Richtlinie in
nationales Recht umzusetzen. Eine Grundlage dafür seien technische
Innovationen. Vossenkauls weiterentwickelte Membrantechnologie leiste
dazu einen Beitrag. Diese sei der KARL-Ära weit voraus, weil die
Membranfilter aus Hohlfasern bei der Nach- und Umrüstung von
Kläranlagen helfen, „und das platz-, energie- und somit
kostensparend“, so Steinmeier.

Bundespräsident: Deutscher Umweltpreis ist mir von Jahr zu Jahr
weiter ans Herz gewachsen

Steinmeier nutzte die Rede zu einem persönlichen Resümee. Seit
2017 habe er jedes Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU überreicht,
auch wenn er 2020 wegen der damaligen Corona-Pandemie sich lediglich
per Videobotschaft habe zuschalten können. „Dieser Preis ist mir von
Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen“, so der Bundespräsident. Er
habe stets „mit Neugier und Spannung auf die Preisverleihung
geschaut“ und sich gefreut, „Menschen mit Engagement und innovativen
Ideen kennenzulernen“. Deshalb erfülle es ihn „ein wenig mit Wehmut,
dass ich ihn heute zum letzten Mal überreichen darf“. Steinmeiers
Amtszeit endet im nächsten Jahr.

– Daten, Zahlen, Fakten auch im DBU-Umweltpreis-Blog:

Umweltpreis Blog

Hintergrund:

Der 2026 zum 34. Mal verliehene Deutsche Umweltpreis der DBU
zeichnet Leistungen von Menschen aus, die vorbildlich zum Schutz und
Erhalt der Umwelt beitragen. Für Vorschläge an die DBU sind etwa
Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und
Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen,
Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und
Wirtschaftsverbände berechtigt. Selbstvorschläge sind nicht möglich.
Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Fachleute aus
Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen
empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für das
jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung.
Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten:
https://www.dbu.de/umweltpreis .

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at