Schönheit

SOS-Kinderdorf: Kinderschutz braucht österreichweit verbindliche Standards

Wien (OTS) – SOS-Kinderdorf plädiert beim Runden Tisch im
Bundeskanzleramt für
gemeinsame Qualitätsstandards, gesicherte Finanzierung und bessere
Datengrundlagen

Guter Kinderschutz darf nicht davon abhängen, in welchem
Bundesland ein Kind lebt. Beim heutigen Runden Tisch zur
„Harmonisierung von Standards in der Kinder- und Jugendhilfe“ im
Bundeskanzleramt bringt SOS-Kinderdorf gemeinsam mit Vertreter:innen
der Bundesländer, Kinder- und Jugendanwaltschaften sowie
Fachorganisationen die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe
auf die Agenda. Im Zentrum steht die Frage, wie österreichweit
vergleichbare, verbindliche und an Kinderrechten ausgerichtete
Qualitätsstandards geschaffen und finanziert werden können.

„ Wenn wir über Standards, Betreuungsschlüssel oder Finanzierung
sprechen, klingt das zunächst technisch. Tatsächlich sprechen wir
darüber, welche Bedingungen Kinder vorfinden, wie gut sie geschützt
werden und welche Unterstützung sie für ihre Entwicklung bekommen.
Jedes Kind muss darauf vertrauen können, bestmöglich unterstützt zu
werden – unabhängig davon, wo es in Österreich lebt “, betont Katrin
Grabner, Leitung Qualitätsmanagement von SOS Kinderdorf.

Unterschiedliche Standards haben konkrete Folgen für Kinder

Derzeit unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der Kinder- und
Jugendhilfe zwischen den Bundesländern. Harmonisierungsbedarf besteht
unter anderem bei Präventions- und Elternarbeit, Ausbildungsvorgaben,
dem Umgang mit Gefährdungsmeldungen, Gruppengrößen und
Personalschlüsseln in stationären Einrichtungen, der Unterstützung
von Care Leavern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sowie
bei den Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen.

Diese Heterogenität erschwert eine österreichweit vergleichbare,
qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit. Für bundesweit tätige
Träger wie SOS-Kinderdorf bedeutet sie zudem, dass eigene
Qualitätsansprüche mit unterschiedlichen Vorgaben und
Finanzierungsbedingungen der Länder in Einklang gebracht werden
müssen.

Der Bericht der unabhängigen Reformkommission, die von SOS-
Kinderdorf eingesetzt wurde, kommt ebenfalls zu einem klaren Schluss:
Es braucht eine bundesweit einheitliche und an den Kinderrechten
ausgerichtete Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe, die wohnort-
und herkunftsabhängige Ungleichbehandlung ausschließt. Dazu gehören
verbindliche und ausreichend finanzierte Qualitätsstandards.

Qualität muss auch öffentlich finanziert werden

Für SOS-Kinderdorf müssen gemeinsame Qualitätsstandards deshalb
untrennbar mit der Frage ihrer Finanzierung verbunden werden. Wer
hohe Standards für Betreuung, Beteiligung und Schutz von Kindern und
Jugendlichen festlegt, muss auch die Voraussetzungen schaffen, damit
diese umgesetzt werden können.

„ Qualität in der Kinder- und Jugendhilfe ist eine öffentliche
Verantwortung. Notwendige Qualitätsstandards dürfen nicht davon
abhängen, ob private Spenden Finanzierungslücken schließen können.
Wenn wir uns darauf verständigen, was Kinder für ihren Schutz und
ihre bestmögliche Entwicklung brauchen, müssen dafür auch die
notwendigen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden “, so Grabner.

Ohne gute Daten keine fundierte Weiterentwicklung

Handlungsbedarf sieht SOS-Kinderdorf auch bei der
wissenschaftlichen Begleitung und der Datengrundlage zur Kinder- und
Jugendhilfe. Unterschiedliche Systeme und Begrifflichkeiten
erschweren derzeit bundesweite Vergleiche. Die bestehende Bundes-
Kinder- und Jugendhilfestatistik liefert aus Sicht von SOS-Kinderdorf
keine ausreichende Grundlage, um Qualität und Wirkung der Kinder- und
Jugendhilfe umfassend analysieren und daraus Weiterentwicklungen
ableiten zu können.

SOS-Kinderdorf spricht sich deshalb für eine Weiterentwicklung
der Statistik aus, die neben quantitativen Daten auch qualitative
Analysen und fundierte Empfehlungen ermöglicht. Auch ein
unabhängiges, österreichweites Kinderrechte-Monitoring könnte eine
wichtige Grundlage schaffen, um Entwicklungen sichtbar zu machen und
Verbesserungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

SOS-Kinderdorf bringt langjährige Erfahrung und Erkenntnisse aus
der eigenen Weiterentwicklung ein

Als einer der größten Träger der Kinder- und Jugendhilfe in
Österreich bringt SOS-Kinderdorf seine langjährige praktische
Erfahrung ebenso in diesen Prozess ein wie die Erkenntnisse aus der
umfassenden Aufarbeitung und Weiterentwicklung der eigenen Strukturen
und Standards. Auch Empfehlungen der Reformkommission fließen dabei
ein.

Diese Erfahrungen sollen auch für das Gesamtsystem nutzbar
gemacht werden. Gleichzeitig ist klar: Kein Träger kann die
strukturellen Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe allein
lösen.

„ Wir sind bereit, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse offen zu
teilen und Verantwortung für Weiterentwicklung zu übernehmen. Aber
einheitliche Qualität kann nur gemeinsam entstehen. Dafür brauchen
wir alle Entscheidungsträgerinnen und Akteurinnen an einem Tisch –
Bund, Länder, Behörden, Kinder- und Jugendanwaltschaften,
Fachorganisationen und Träger “, so Grabner abschließend.

Runder Tisch zur Harmonisierung von Standards in der Kinder- und
Jugendhilfe

Bundesministerin Claudia Bauer hat – gemäß des aktuellen
Regierungsprogramms – heute Vertreter:innen der Bundesländer, sowie
Expert:innen der Zivilgesellschaft zu einem Runden Tisch ins
Bundeskanzleramt geladen. Dabei wurde SOS-Kinderdorf im Vorfeld
ersucht, seine inhaltliche und sozialpädagogische Expertise
einzubringen. SOS-Kinderdorf wurde beim Runden Tisch von den
Aufsichtsratsmitgliedern Univ.-Prof. Dr.in Brigitte Lueger-Schuster
und Maria Wienerroither, MBA sowie von MMag.a Katrin Grabner, Leitung
Qualitätsmanagement, vertreten.