Brüssel (OTS) – Eine neue Studie der Agora Digitale Transformation
zeigt erstmals
systematisch, wie stark Abgeordnete in der EU von KI-generierter
sexualisierter Gewalt betroffen sind. 147 Abgeordnete wurden auf
entsprechenden Deepfake-Webseiten identifiziert, darunter 138 Frauen.
Auch die Grüne EU-Abgeordnete Lena Schilling ist betroffen.
Terry Reintke, Grünen/EFA-Vorsitzende im Europäischen Parlament,
kommentiert:
„Die Ergebnisse der Studie sind erschütternd und ein weiteres
Alarmzeichen, dass wir dringend wirksame Schutzmaßnahmen vor
digitaler Gewalt brauchen. Wir werden nicht hinnehmen, dass Frauen
eingeschüchtert und herabgewürdigt werden, weder analog noch digital.
Wir brauchen mehr Schutz vor digitaler Gewalt und rufen alle
Abgeordneten der demokratischen Fraktionen auf, sich unseren
Forderungen an Rat und Kommission anzuschließen.
Die Mitgliedstaaten müssen das EU-weite Verbot von sogenannten
Entkleidungs-Apps ab Ende des Jahres konsequent umsetzen, das muss
auch die EU-Kommission sicherstellen. Digitale Gewalt darf kein
Geschäftsmodell sein, Tech-Unternehmen müssen Nacktbilder und Videos
sehr viel einfacher und schneller von ihren Plattformen nehmen. Die
Verantwortung für ein Ende digitaler Gewalt kann nicht bei den
Betroffenen liegen, es braucht ausreichend ausgestattete Behörden.”
Lena Schilling, Grünen/EFA-Mitglied und Betroffene, kommentiert:
„Ich bin eine von 138 betroffenen weiblichen Abgeordneten. Frauen
in der Politik sind 33-mal häufiger betroffen, als Männer. Man hat
uns gegen unseren Willen ausgezogen. KI verstärkt Gewalt gegen
Frauen, und deshalb braucht es politische Entscheidungen, die uns
schützen. Das kann nicht die neue Normalität werden.
Wenn Frauen damit rechnen müssen, dass von ihnen KI-generierte
Nacktbilder auftauchen, sobald sie in die Politik gehen und
öffentlich sichtbar werden, dann haben wir ein demokratisches
Problem. Meine eigene Betroffenheit macht mich wütend. Für mich, aber
auch für jede junge Frau, die sich fragt, ob sie überhaupt in die
Politik gehen will.”
Hintergrund:
Die Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parament fordert eine konsequente
Durchsetzung des Nudifier-Verbots ab 2. Dezember 2026 sowie weitere
Maßnahmen gegen die Erstellung und Verbreitung nicht-einvernehmlicher
sexualisierter KI-Inhalte. Dazu zählen klare Zuständigkeiten und
ausreichend ausgestattete Behörden, eine konsequente Anwendung des
Digital Services Act, verbindliche Schutzmaßnahmen in KI-Unternehmen
sowie eine rasche Umsetzung der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von
Gewalt gegen Frauen.
Sexualisierte KI-Deepfakes sind vor allem ein Problem für Frauen:
Eine neue Studie zeigt, dass 138 weibliche Abgeordnete in Europa
betroffen sind, darunter auch die grüne EU-Abgeordnete Lena
Schilling. Frauen sind damit 33-mal häufiger betroffen als ihre
männlichen Kollegen.