Wien, am 7.Juli (OTS) – Der Nachweis von als “Ewigkeitschemikalien”
bekannten PFAS in
privaten Hausbrunnen in Mannswörth wirft eine beunruhigende Frage
auf: Wie viele der rund 700.000 Menschen in Österreich, die ihr
Trinkwasser aus Hausbrunnen oder kleinen Versorgungsgemeinschaften
beziehen, sind mit den langlebigen Schadstoffen belastet, ohne es zu
wissen? „Seit Anfang des Jahres müssen Wasserversorger ihr
Trinkwasser auf PFAS kontrollieren. Wer sein Wasser aber aus einem
privaten Hausbrunnen bezieht, fällt durch dieses Kontrollnetz. Genau
diese Wissenslücke wollen wir schließen“, sagt Helmut Burtscher-
Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000. Die Umweltschutzorganisation
GLOBAL 2000 startet daher die erste österreichweite Suchaktion nach
PFAS in privaten Hausbrunnen.
Tausende mögliche PFAS-Hotspots in Österreich
Zu den wichtigsten Quellen lokaler PFAS-Belastungen zählen
aktuelle und ehemalige Löschübungsplätze sowie Flughäfen,
Militärstandorte und Industrieanlagen. Expert:innen rechnen damit,
dass österreichweit Tausende bislang unbekannte PFAS-Hotspots
existieren. “PFAS-Kontaminationen sind unsichtbar. Was man nicht
misst, sieht man nicht. Unser Ziel ist es, sichtbar zu machen, wo
Belastungen auftreten und wie groß das Problem tatsächlich ist“, so
Burtscher-Schaden. Teilnehmer:innen der Studie erhalten eine
Laboranalyse auf 20 PFAS der EU-Trinkwasserrichtlinie.
Gesundheitsgefährdung wahrscheinlich, Kritik an OMV
Für drei besonders gefährliche PFAS, die häufig in Löschschäumen
zum Einsatz kommen, sind die gesundheitlichen Risiken besonders gut
erforscht. Sie gelten als so hoch, dass in den USA sowie in einigen
europäischen Ländern Trinkwassergrenzwerte zwischen zwei und zehn
Nanogramm pro Liter festgelegt wurden. In Mannswörth wurden PFAS-
Belastungen von bis zu 300 Nanogramm pro Liter gemessen. Welche der
20 PFAS in welchen Konzentrationen vorliegen, gab die OMV trotz
mehrfacher Anfragen von geschädigten Anrainer:innen und GLOBAL 2000
bislang nicht bekannt. Stattdessen betont die OMV in einem aktuellen
Informationsschreiben, es bestehe keine “kurzfristig schlagend
werdende akute Gesundheitsgefahr”.
Burtscher-Schaden dazu: „Bei PFAS ist die Frage nach einer
kurzfristigen akuten Gesundheitsgefahr irreführend. Entscheidend ist
die langfristige Belastung durch den regelmäßigen Konsum belasteten
Trinkwassers. Angesichts einer Gesamtbelastung von bis zu 300
Nanogramm pro Liter ist eine Gesundheitsgefährdung durch die Nutzung
als Trinkwasser sehr wahrscheinlich. Wie groß diese ist und welche
Folgen im Vordergrund stehen, hängt entscheidend davon ab, welche
einzelnen PFAS in welchen Konzentrationen vorliegen.”
Für einige der am besten untersuchten PFAS ist eine langfristige
Belastung unter anderem mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems,
der Fruchtbarkeit und einem erhöhten Risiko für Nieren- und
Hodenkrebs verbunden. “Genau deshalb ist es unverzichtbar, dass die
OMV diese Messdaten offenlegt. Dass sie die Betroffenen und die
Öffentlichkeit darüber weiterhin im Unklaren lässt, ist
unverständlich und verantwortungslos“, so Burtscher-Schaden
Der Weg zur Analyse
Teilnehmer:innen der Studie erhalten eine Laboranalyse der 20
PFAS der EU-Trinkwasserrichtlinie zu einem um ein Drittel reduzierten
Preis von 195 Euro exklusive Umsatzsteuer. Regulär kostet eine Probe
296 Euro exklusive USt. Das Umweltanalytik-Labor Institut Dr. Wagner
unterstützt die Bürgerstudie durch diesen Preisnachlass. Alle
Informationen zur Anmeldung finden Sie unter
https://www.global2000.at/pfas-testen .