St. Pölten (OTS) – Sturm, Schnee- und Eisbruch oder starker
Borkenkäferbefall können
innerhalb kurzer Zeit große Holzmengen verursachen und den Holzmarkt
unter Druck setzen. Um für solche Ereignisse künftig besser gerüstet
zu sein, hat der NÖ Waldverband in Thumling bei Martinsberg ein
Nasslager errichtet. Bis zu 15.000 Festmeter Rundholz können dort
über Monate qualitätserhaltend gelagert und zeitlich gestaffelt
vermarktet werden. Am 16. Oktober wurde das Nasslager im Beisein von
LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landwirtschaftskammer NÖ-
Vizepräsidentin Andrea Wagner und NÖ Waldverband-Obmann Franz Fischer
offiziell eröffnet.
„Mit diesem Nasslager haben wir ein strategisch bedeutendes
Infrastrukturprojekt für unsere Mitglieder verwirklicht. Gerade nach
Stürmen sowie bei Schnee- und Eisbruch oder massivem
Borkenkäferbefall fallen oft innerhalb kürzester Zeit enorme
Holzmengen an, die den Markt unter Druck setzen. Mit der neuen Anlage
können wir das Holz gezielt zwischenlagern, seine Qualität erhalten
und die Vermarktung zeitlich steuern. Damit schaffen wir mehr
Handlungsspielraum für unsere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und
leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Holzmarktes“,
betont NÖ Waldverband-Obmann Franz Fischer .
Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Das eingelagerte Holz
wird kontinuierlich beregnet und dadurch dauerhaft feucht gehalten.
Bereits bei der Planung und Ausführung wurde besonderes Augenmerk auf
einen schonenden Umgang mit der Ressource Wasser gelegt. Das
erforderliche Wasser wird im Kreislauf geführt. Als Wasserquellen
dienen zwei ergiebige Quellen sowie vorhandenes Oberflächenwasser.
Das verhindert weitgehend die Entwicklung von Borkenkäfern im
gelagerten Holz, hemmt holzzerstörende Pilze und schützt vor
Qualitätsverlusten durch Austrocknung, Rissbildung und Verfärbungen.
So bleibt der wertvolle Rohstoff Holz über viele Monate für die
weitere Verarbeitung erhalten. Entscheidend ist auch die Funktion als
Puffer für den Holzmarkt: Nach größeren Schadereignissen müssen oft
erhebliche Holzmengen rasch aus den Wäldern gebracht werden. Können
diese nicht unmittelbar von der Holzindustrie aufgenommen werden,
bietet das Nasslager eine Möglichkeit zur Zwischenlagerung. Damit
lassen sich Angebotsspitzen abfedern und die Holzmengen zeitlich
gestaffelt vermarkten.
Vorsorge schafft Sicherheit für die heimische Forstwirtschaft
„Wir müssen heute vorsorgen, damit wir morgen im Ernstfall rasch und
gezielt handeln können. Mit dem neuen Nasslager schafft der NÖ
Waldverband eine wichtige Reserve für größere Schadereignisse und
stärkt gleichzeitig den Wirtschaftsstandort Waldviertel. Unser
heimisches Holz ist ein wertvoller, nachwachsender Rohstoff, der
Arbeitsplätze sichert und regionale Wertschöpfung schafft – vom Wald
über die Sägewerke bis zur Verarbeitung. Gerade deshalb ist es
entscheidend, diesen Rohstoff bestmöglich zu nutzen und seine
Qualität auch in schwierigen Zeiten zu sichern“, unterstreicht LH-
Stellvertreter Stephan Pernkopf die Investition.
Landwirtschaftskammer NÖ-Vizepräsidentin Andrea Wagner betont die
Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung: „Unsere Waldbäuerinnen
und Waldbauern investieren laufend in den Waldumbau und arbeiten über
Generationen hinweg daran, ihre Wälder an veränderte klimatische
Bedingungen anzupassen. Wenn Sturm, Dürre oder Borkenkäfer
zuschlagen, können innerhalb kürzester Zeit die Arbeit und die
Investitionen vieler Jahrzehnte zunichtegemacht werden. Die
klimatischen Bedingungen können wir nicht steuern. Umso wichtiger ist
es, dort vorzusorgen, wo wir Handlungsmöglichkeiten haben. Mit dem
neuen Nasslager schafft der NÖ Waldverband genau diesen Spielraum. Es
ist ein wichtiger Meilenstein für mehr Sicherheit und
Widerstandsfähigkeit in unserer Forstwirtschaft.“
Angespannte Forstschutzsituation unterstreicht Bedeutung der
Vorsorge
Wie wichtig solche Vorsorgemaßnahmen sind, zeigt die aktuelle
Situation in Niederösterreichs Wäldern. Extreme Hitze, anhaltende
Trockenheit und erhebliche Niederschlagsdefizite haben die
Waldbestände in den vergangenen Monaten massiv belastet. Nahezu alle
Baumarten zeigen deutliche Trockenstresssymptome. Die geschwächten
Bäume sind zudem anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Die
Situation ist regional unterschiedlich, insgesamt jedoch äußerst
angespannt. Auch wenn für das heurige Jahr keine marktbeeinflussenden
Käferholzmengen mehr erwartet werden, bleibt das Risiko für die
kommenden Jahre bestehen. Insbesondere bei weiterhin ausbleibenden
Niederschlägen oder einem erneut schneearmen Winter könnte der
Borkenkäferbefall zunehmen. Regelmäßige Kontrollen der Waldbestände
sowie die rasche Aufarbeitung und Entfernung von befallenem Holz
bleiben daher unverzichtbar.
Strategischer Standort stärkt regionale Wertschöpfung
Der Standort in Thumling bei Martinsberg wurde mit Blick auf mögliche
künftige Schadereignisse und die regionale Holzlogistik gewählt. Das
Waldviertel gilt als potenzielles Risikogebiet für größere
Borkenkäferkalamitäten. Gleichzeitig liegt das Nasslager günstig im
Einzugsgebiet der regionalen Holzindustrie. Kurze Transportwege
erleichtern die Logistik und unterstützen eine effiziente
Weiterverarbeitung des heimischen Rohstoffs.
Nasslager Thumling – die wichtigsten Fakten
–
Bauzeit: September 2025 bis Juni 2026
–
Lagerkapazität: 15.000 Festmeter
–
Funktionsweise: Kontinuierliche Beregnung zur langfristigen
Erhaltung der Holzqualität. Als Wasserquellen dienen zwei ergiebige
Quellen sowie vorhandenes Oberflächenwasser.
–
Einsatzgebiet: Vorsorge für große Holzmengen nach Sturm, Schnee-
und Eisbruch sowie bei Borkenkäferbefall
–
Ziel: Holzqualität erhalten, Angebotsspitzen am Holzmarkt
abfedern und eine zeitlich gestaffelte Vermarktung ermöglichen