Wien (OTS) – Im Rahmen einer klinischen Studie wurden an der
Universitätsklinik
für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie von AKH
Wien und MedUni Wien bereits fünf der neuen Cochlea-Implantate
erfolgreich eingesetzt. Nach der Zulassung für die klinische
Anwendung wurde am 29. September 2026 der nächste Schritt gesetzt:
Erstmals wurde zwei Patient:innen in Wien und St. Pölten außerhalb
einer Studie das innovative Implantat eingesetzt.
Cochlea-Implantate ermöglichen Menschen mit hochgradigem
Hörverlust wieder zu hören. Bislang gehören externe Komponenten für
Betroffene zum Alltag: Ein Audioprozessor wird hinter dem Ohr
getragen und muss bei bestimmten Aktivitäten wie zum Schlafen oder
beim Schwimmen abgenommen werden. Beim dem weltweit ersten
vollständig implantierbaren Cochlea-Implantat befinden sich alle
Bestandteile einschließlich des Mikrofons unter der Haut. An der
Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten von AKH
Wien und MedUni Wien wurde die neue Technologie TICI UNICO in
Zusammenarbeit mit einem österreichischen Hersteller bereits intensiv
klinisch erprobt. Als einzige Klinik in Österreich wurden im Rahmen
einer klinischen Studie bereits fünf der neuen Implantate eingesetzt.
Die dabei gewonnenen Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für
die nun beginnende Versorgung außerhalb des Studienrahmens.
„Für unsere Patient:innen bedeutet diese Technologie vor allem
mehr Freiheit im Alltag. Sie müssen kein externes Gerät mehr tragen,
abnehmen oder daran denken. Das Implantat ist von außen nicht
sichtbar und ermöglicht – entsprechend der individuellen Hörsituation
– Hören rund um die Uhr. Das ist gerade bei alltäglichen Situationen
wie Schlafen, Sport oder Schwimmen ein wesentlicher Unterschied“,
sagt Christoph Arnoldner, Leiter der Leiter Universitätsklinik für
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie von AKH Wien und
MedUni Wien.
Zwtl.: Hören, ohne an das Implantat denken zu müssen
Bei einem klassischen Cochlea-Implantat wird der Schall über
einen außen getragenen Audioprozessor aufgenommen und verarbeitet.
Dieser überträgt die Signale an das unter der Haut liegende Implantat
und weiter an die Elektrode in der Hörschnecke. Bei der TICI UNICO-
Technologie ist auch das Mikrofon implantiert. Es nimmt Schall durch
die Haut auf. Die akustischen Signale werden anschließend in
elektrische Signale umgewandelt und an die Elektrode in der Cochlea
weitergeleitet. Dort wird der Hörnerv stimuliert und die Information
vom Gehirn als Klang wahrgenommen.
Für Patient:innen eröffnet das eine neue Form der Unabhängigkeit:
Es gibt keinen externen Audioprozessor, der morgens angelegt und
abends abgenommen werden muss. Die Hörversorgung muss nicht mehr
ständig bewusst gehandhabt werden. Die neue Technologie ist für
Menschen mit schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit
vorgesehen, die grundsätzlich für eine Cochlea-Implantation geeignet
sind. Die Hörleistung ist mit jener von klassischen Cochlea-Implantat
-Systemen vergleichbar. Ob das TICI UNICO-Implantat für eine
Patientin oder einen Patienten geeignet ist, wird individuell nach
einer umfassenden Untersuchung entschieden.
Zwtl.: Ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Cochlea-Implantat-
Versorgung
An der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten
von MedUni Wien und AKH Wien werden laufend neue Technologien in der
Hörimplantologie klinisch erprobt und weiterentwickelt. Bereits 2021
wurde beispielsweise eine der ersten Operationen weltweit mit einer
neuen Roboter-Technologie für Cochlea-Implantationen durchgeführt.
Mit den ersten fünf TICI-UNICO-Implantationen im Rahmen einer
klinischen Studie und der nun beginnenden Versorgung außerhalb einer
Studie folgt der nächste Schritt.
„Der 29. September ist für uns ein besonderer Tag, weil eine
Technologie, die wir bisher im Rahmen einer Studie begleitet haben,
nun in die reguläre klinische Anwendung übergeht. Im Mittelpunkt
steht dabei nicht die Technik an sich, sondern die Frage, was sie
unseren Patient:innen ermöglicht: hören zu können, ohne dass ein
sichtbares Gerät Teil ihres Alltags sein muss,“ hält Klinikleiter
Christoph Arnoldner fest.