Knapp 40 Grad in der Stadt – und jetzt?

Wien (OTS) – GRÜNSTATTGRAU, Verband für Bauwerksbegrünung und ÖGLA |
Österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur:

Schon seit Jahren jagt ein Hitzerekord den nächsten. Für
kommendes Wochenende werden im Osten Österreichs Temperaturen von bis
zu 39 Grad Celsius erwartet. Damit kratzen wir erstmals an der 40
Grad Marke. Solche extremen Werte sind ein Warnsignal: gerade Städte,
deren bauliche Strukturen die Auswirkungen des Klimawandels
verstärken, sind von Hitze betroffen. Asphalt, Beton und dunkle
Fassaden speichern Wärme, geben diese zeitversetzt über die
Nachtstunden wieder ab und verschärfen so die Belastung für die
Bevölkerung. Besonders für Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke
und Menschen, die im Freien arbeiten, können Extremtemperaturen
bedrohlich werden. Eine nachhaltige Anpassungsmaßnahme wäre der
umfassende Einsatz kühlender Pflanzen, doch die Stadtbegrünung muss
dringend schneller voranschreiten, um in den kommenden Jahren wirksam
zu werden.

„Diese Hitze ist kein kurzfristiges Komfortproblem,
Hitzeprävention ist eine Frage der Gesundheitsvorsorge und
Zukunftsfähigkeit unserer Städte“ , sagt Katharina Mauss, Co-
Geschäftsführerin von GRÜNSTATTGRAU, Innovationslabor und
Kompetenzstelle des österreichischen Verbands für Bauwerksbegrünung.
Unsere Baukultur braucht ein grundlegendes Umdenken. „Wir wissen
längst was wirkt: mehr Grün und weniger versiegelte Flächen“.

Zwtl.: Wer zur Klimaanlage greift, verschärft das Problem

Klimaanlagen kühlen Innenräume zwar kurzfristig, lösen aber das
Problem der überhitzten Stadt nicht. Ganz im Gegenteil, sie erzeugen
zusätzliche Wärme, die in die Umgebung abstrahlt und die Belastung im
öffentlichen Raum zusätzlich verschärft. Langfristig braucht es
nachhaltige Alternativen, die Hitze auf natürliche Weise puffern,
sogenannte naturbasierte Lösungen.

Zwtl.: Systemrelevante grüne Infrastruktur

Pflanzen kühlen Städte auf mehreren Ebenen: Sie beschatten
Oberflächen, reduzieren direkte Sonneneinstrahlung und senken damit
die Aufheizung von Fassaden, Dächern und Straßenräumen. Zugleich
kühlen sie durch Verdunstungsleistung. „Das macht Bäume, Beete,
Grünanlagen und Bauwerksbegrünungen zu natürlichen Klimaanlagen und
somit zur unverzichtbaren, systemrelevanten Infrastruktur in
klimawandelgeplagten Städten“ , sagt Stephanie Drlik,
Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für
Landschaftsarchitektur. „Die Begrünung der Städte ist nicht optional,
sondern Pflichtprogramm.“

Viele Städte und Gemeinden haben bereits Strategien zur
Klimawandelanpassung entwickelt. Die Herangehensweisen der Städte
sind sehr unterschiedlich, doch was die Vorhaben vielerorts
verbindet: ihre Umsetzung schreitet zu langsam voran. Noch immer
werden Stadträume und Gebäude nicht konsequent genug begrünt.

Zwtl.: Stadtgrün muss Pflichtprogramm werden

Der Handlungsbedarf für die „grüne Wende“ ist seit langem
bekannt, auch das Know-how und die notwendigen Technologien sind
längst vorhanden. Doch das Wissen muss schneller als bisher in
Umsetzung kommen. Als erste Anlaufstelle kann GRÜNSTATTGRAU mit dem
GREENING CHECK, einer Erstberatung für Gebäudebegrünungsvorhaben, zu
Rate gezogen werden. „Knapp 40 Grad in Städten, das ist ein
alarmierendes Warnsignal. Die Antwort darauf darf nicht bloß eine
Abkühlung der Innenräume durch Klimageräte sein. Um die
Extremtemperaturen langfristig in den Griff zu bekommen, müssen
Städte so gebaut werden, dass derartige Hitzeinseln erst gar nicht
entstehen“ , sind sich Mauss und Drlik einig. Und wie so oft bietet
hier die Natur die besten Lösungen: „Kühlende Pflanzen die Schatten
spenden, durch Verdunstung kühlen und Oberflächen die Wasser
speichern und die Pflanzen versorgen, das ist die städtische
Infrastruktur der Zukunft“ .

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