Wien (OTS) – Die aktuelle Studie des Österreichischen
Integrationsfonds (ÖIF) zur
Einstellung der Bevölkerung gegenüber verschiedenen
Bevölkerungsgruppen ist für die Islamische Glaubensgemeinschaft in
Österreich (IGGÖ) ein ernstes Warnsignal: Rund die Hälfte der
Befragten gibt an, sich gestört zu fühlen, wenn Muslim:innen ihre
direkten Nachbar:innen wären.
„Diese Zahlen sagen nichts über das Verhalten oder die
Integrationsbereitschaft von Muslim:innen aus. Sie sind vielmehr ein
Befund über den Zustand unseres gesellschaftlichen Klimas. Wenn die
Hälfte der Menschen sagt, dass sie sich an muslimischen Nachbar:innen
stören würde, müssen wir uns fragen, was in unserer Gesellschaft und
in unseren politischen Debatten in den letzten Jahren dazu geführt
hat, dass eine solche Ablehnung so verbreitet scheint“, erklärt
Präsident Ümit Vural.
Politische Rhetorik, die eine ganze Religionsgemeinschaft unter
Generalverdacht stellt oder pauschal mit einem Sicherheitsproblem
verbindet, trägt zur Verfestigung dieser Vorurteile bei. Muslim:innen
sind seit Jahrzehnten ein selbstverständlicher Teil Österreichs; als
Nachbar:innen, Kolleg:innen, Freund:innen und Mitglieder unserer
Gesellschaft.
Die IGGÖ betont zugleich, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit
Extremismus und demokratiefeindlichen Ideologien notwendig ist. Diese
muss aber eindeutig zwischen konkreten extremistischen Bestrebungen
Einzelner und der muslimischen Bevölkerung insgesamt unterscheiden
und wirksame Maßnahmen statt Symbolpolitik liefern.
Die Studie sollte vor allem Anlass sein, sich mit der zunehmenden
sozialen Distanz gegenüber Muslim:innen und anderen Minderheiten
sowie dem Anteil von Politik und öffentlichem Diskurs daran
auseinanderzusetzen. Muslimfeindlichkeit darf nicht dadurch
salonfähig werden, dass sie lediglich als statistischer Wert zur
Kenntnis genommen wird. Sie muss uns politisch und gesellschaftlich
beschäftigen.
Präsident Vural mahnt: „Es braucht eine Debatte darüber, wie wir
wieder mehr miteinander statt übereinander sprechen, und eine
Politik, die diese Debatte durch konkrete Maßnahmen statt durch
Angstmache prägt.“