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Harvard: Das muss Österreich ändern, um Lebensmittelspenden nachhaltig weiter auszubauen

Wien (OTS) – Lebensmittelverschwendung ist ein enormes globales
Problem. Die
karitative Lebensmittelweitergabe ist dafür ein effizienter und
kostengünstiger Lösungsansatz. Was hemmt sie, was fördert sie? Diese
Themen haben Jurist:innen der US-Elite-Universität Harvard
hierzulande untersucht und Österreich mit vielen anderen Ländern auf
der ganzen Welt verglichen. Die Tafel Österreich kommentiert die
aktuellen Ergebnisse und Empfehlungen an die Politik.

Fast ein Jahr lang hat das Expert:innen-Team der Food Law and Policy
Clinic (Harvard Law School) Österreich unter die Lupe genommen:
Welche Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung gibt es bereits?
Welche Gesetze und Richtlinien fördern die karitative
Lebensmittelweitergabe, welche behindern sie? Und an welchen
Schrauben gilt es noch zu drehen, um in diesem Bereich voranzukommen?

Jetzt liegen die politischen Empfehlungen des „Global Food
Donation Policy Atlas“ für Österreich vor. Und sie attestieren dem
Staat zwar guten Willen und Interesse daran,
Lebensmittelverschwendung zu reduzieren – doch es mangle an einer
„nachhaltigen Dynamik“.

Zwtl.: EU-Abfallrahmenrichtlinie als Chance und Rahmen

Trevor Findley , Clinical Instructor an der Food Law and Policy
Clinic der Harvard Law School: „ Österreich hat sich bereits Ziele
gesetzt und Maßnahmen vorgeschlagen, um weniger Lebensmittel zu
verschwenden und die Weitergabe von Überschüssen zu fördern. Die
Abschaffung der Umsatzsteuer als Hindernis für Lebensmittelspenden
sowie die Verpflichtung bestimmter Einzelhändler, die Menge an
gespendeten und verschwendeten Lebensmitteln zu melden, sind gute
Schritte. Es gibt aber noch viel Luft nach oben. Die EU-
Abfallrahmenrichtlinie mit ihren verbindlichen Food-Waste-
Reduktionszielen* bietet eine klare Chance und einen Zeitplan für
konkrete und zusammenhängende Maßnahmen. Unsere Empfehlungen basieren
auf praktischen Erfahrungen aus anderen Ländern und sollen als
Orientierungshilfe dienen, welche Änderungen die größte Wirkung
erzielen können. “

In Europa werden die Analysen von FEBA (European Food Banks
Federation) begleitet. Bisher hat Harvard Irland, Polen,
Griechenland, Frankreich und Österreich untersucht, zusätzlich zu
vielen süd- und lateinamerikanischen Ländern sowie Nordamerika,
Afrika und Asien. Gesamt umfasst der Food Donation Policy Atlas
mittlerweile Publikationen zu rund 30 Ländern.

Ignazio Corrao , Senior Policy Advisor, FEBA (European Food Banks
Federation): „ Wir sind sehr stolz, gemeinsam mit der Harvard Law
School den Food Donation Policy Atlas nach Europa zu bringen. Die
Länderanalysen zeigen, wie viel ökologisches und soziales Potenzial
in der karitativen Lebensmittelweitergabe steckt und wie man diesen
Mehrwert gemeinsam mit politischen Entscheidungsträger:innen besser
abschöpfen kann. Die unterschiedlichen Modelle auf Länderebene geben
außerdem die Möglichkeit, Best-Practice-Beispiele zu identifizieren
und deren positive Auswirkungen im Real-Life-Setting zu erkunden. “

Seit 1999 steht Die Tafel Österreich für karitative
Lebensmittelumverteilung. Sie hat in 27 Jahren nicht nur viel Know-
how in allen Bereichen der Lebensmittelrettung entlang der gesamten
Wertschöpfungskette – vom Feld bis zum Teller – aufgebaut, sondern
kennt auch sämtliche Herausforderungen. Die Empfehlungen der Harvard
Law School wurden daher mit Spannung erwartet.

Zwtl.: Hürden, Chancen, Empfehlungen

Untersucht wurden die Themenkomplexe „Nationale Gesetze,
Richtlinien oder Strategien zu Lebensmittelverlusten und –
verschwendung“, „Lebensmittelsicherheit bei Spenden“,
„Datumsangaben“, „Haftungsschutz“, „steuerliche Hürden“ bzw.
„steuerliche Anreize“, „Maßnahmen zur Vermeidung von
Lebensmittelverschwendung“, „staatliche Zuschüsse“ und
„Berichterstattung über Abfall und Treibhausgase“ ( siehe Übersicht )
.

Die gute Nachricht zuerst: Steuerliche Hürden konnten in
Österreich nicht identifiziert werden. Und auch in puncto
Datumsangaben sieht Harvard Österreich gut aufgestellt. In den
anderen Bereichen gibt es aber eine ganze Reihe von Empfehlungen –
vor allem beim Thema Haftungsschutz sieht die renommierte
Rechtsfakultät deutlichen Verbesserungsbedarf.

Zwtl.: Zu den politischen Empfehlungen zählen u. a.:

– Die Schaffung einer Plattform zur Koordinierung aller Bemühungen
zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung – einschließlich der
Regierung, aller Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette und
karitativen Organisationen zur Lebensmittelumverteilung

– Die Veröffentlichung einheitlicher, klarer und
benutzer:innenfreundlicher Leitlinien zur Lebensmittelsicherheit

– Die Klärung von Haftungsfragen (inklusive dezidierter
Haftungsausschlüsse)

– Steuerliche Anreize für Warenspender:innen, u. a. für die
Landwirtschaft

– Die Bereitstellung von Fördermitteln zur Verbesserung der
Infrastruktur zur Lebensmittelumverteilung (insbes. Investitionen in
die Kühlketteninfrastruktur und weitere „Last Mile“-Logistiklösungen)

– Die Ausweitung der Meldepflichten für Lebensmittelabfälle mit
besonderem Fokus auf die Schnittstellen entlang der
Wertschöpfungskette

Alexandra Gruber , Geschäftsführerin der Tafel Österreich: „ Seit
fast drei Jahrzehnten setzen wir uns für bessere Rahmenbedingungen
der karitativen Lebensmittelrettung in Österreich ein. Die Ergebnisse
der Harvard-Analyse werden nicht von einem Tag auf den anderen alles
ändern, aber in vielen Punkten untermauern sie unsere langjährigen
Forderungen – Stichwort Haftung. Und sie zeigen deutlich, dass wir
die Politik für eine nachhaltige Erleichterung unserer Arbeit
brauchen, denn in der karitativen Lebensmittelweitergabe gibt es noch
sehr viel Luft nach oben. “

Hier finden Sie eine von der Tafel Österreich kommentierte
Version der Ergebnisse und Empfehlungen .

Nach der Präsentation der Ergebnisse ist vor den weiteren
Schritten in Richtung konkreter Verbesserungen der karitativen
Lebensmittelweitergabe, die sich auch die Bundesregierung in ihrem
aktuellen Regierungsprogramm vorgenommen hat. Hier wird Die Tafel
Österreich nun nach Vorliegen der Ergebnisse verstärkt den Dialog mit
allen involvierten Ministerien und Interessensvertretungen suchen.
Denn gemäß Abfallrahmenrichtlinie muss Lebensmittelverschwendung bis
2030 verbindlich reduziert werden, gleichzeitig legen auch die rund
420.000 Menschen, die in Österreich unter schwerer Ernährungsarmut
leiden, für die Politik einen dringenden Handlungsbedarf offen.

* Bis 2030 gibt die EU den Mitgliedsstaaten eine verbindliche 10-
prozentige Reduktion in Produktion sowie eine 30-prozentige Reduktion
in Handel, Gemeinschaftsverpflegung, Haushalten vor.

Übersicht: Themenbereiche des Harvard Food Donation Policy Atlas
und Barometer zum Stand der Umsetzung in Österreich

– Nationale Gesetze, Richtlinien oder Strategien zu
Lebensmittelverlusten und -verschwendung – moderate Richtlinie

– Lebensmittelsicherheit bei Spenden – moderate Richtlinie

– Datumsangaben – starke Richtlinie

– Haftungsschutz – keine Richtlinie

– Steuerliche Anreize – moderate Richtlinie

– Steuerliche Hürden – keine

– Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung – begrenzte
Richtlinie

– Staatliche Zuschüsse und Anreize – begrenzte Richtlinie

– Vorschriften zur Berichterstattung über Emissionen,
Umweltbelastungen und Lebensmittelverschwendung – moderat

Über Die Tafel Österreich
Die Tafel Österreich versorgt seit 1999 armutsbetroffene Menschen
durch soziale Einrichtungen kostenfrei mit geretteten Lebensmitteln.
So haben sie eine essenzielle Sorge weniger und können mit
professioneller Hilfe Wege aus der Not finden. Allein 2025 konnten
über 1.500 Tonnen gerettete Lebensmittel an mehr als 85.000 Menschen
in ganz Österreich weitergegeben werden. Die Non-Profit-Organisation
ist überwiegend spendenfinanziert und auf Geld-, Zeit- und
Warenspenden angewiesen. Mehr Infos unter tafel-oesterreich.at .

Über das Projekt
Der „Global Food Donation Policy Atlas“ ist ein Gemeinschaftsprojekt
der Food Law and Policy Clinic an der Harvard Law School, des Global
FoodBanking Network und – in Europa – dem europäischen Tafelverband
FEBA (European Food Banks Federation). Er untersucht die rechtlichen
Rahmenbedingungen und nationalen Strategien zur Förderung der
Lebensmittelrückgewinnung und -spende und liefert aktuelle
Erkenntnisse, die den Ländern dabei helfen sollen, Hindernisse bei
der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zu identifizieren und zu
überwinden.Bislang hat der Atlas in Europa über die Politik im
Bereich der Lebensmittelverschwendung in Irland, Polen, Griechenland,
Frankreich und Österreich berichtet, zusätzlich zu zahlreichen
Ländern in Süd- und Lateinamerika sowie in Nordamerika, Afrika und
Asien. Insgesamt umfasst der „Global Food Donation Policy Atlas“ nun
Veröffentlichungen zu rund 30 Ländern. Weitere Infos unter:
atlas.foodbanking.org

Über die „Food Law and Policy Clinic“ der Harvard Law School
Die FLPC unterstützt Partnerorganisationen und Gemeinden durch
Beratung zu aktuellen rechtlichen und politischen Fragen im Bereich
des Lebensmittelsystems und bindet gleichzeitig Jurastudierende in
die Praxis des Lebensmittelrechts und der Lebensmittelpolitik ein.
Die FLPC konzentriert sich darauf, den Zugang zu gesunden
Lebensmitteln zu verbessern, eine nachhaltige Lebensmittelproduktion
und nachhaltige Lebensmittelsysteme zu fördern sowie die
Verschwendung gesunder, vollwertiger Lebensmittel zu reduzieren.
Weitere Informationen finden Sie unter www.chlpi.org/FLPC .

Über die European Food Banks Federation
Die European Food Banks Federation (FEBA) ist eine gemeinnützige
Organisation, die mehr als 350 Lebensmittelbanken und deren
Zweigstellen mit Mitgliedern in 28 Ländern Europas vereint. Mit 40
Jahren Erfahrung im Kampf gegen Ernährungsunsicherheit und bei der
Vermeidung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung sammelt das
FEBA-Netzwerk überschüssige Lebensmittel ein und verteilt sie an
Bedürftige. Weitere Informationen finden Sie unter
www.eurofoodbank.org .

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at