St. Pölten (OTS) – Ob hohes Fieber beim Kind am Samstagabend oder
akute Beschwerden
mitten in der Nacht: Viele Menschen in Niederösterreich stehen
außerhalb der regulären Ordinationszeiten vor geschlossenen Türen.
Während das Land und die Spitäler appellieren, die Ambulanzen zu
entlasten, fehlt es oft an Orientierung und verlässlichen
Alternativen im niedergelassenen Bereich. Die Grünen Niederösterreich
präsentierten heute im Rahmen einer Pressekonferenz ihre Initiative
zur lückenlosen und zeitgemäßen Gesundheitsversorgung: das Konzept
der App „NOEDOC“ .
Helga Krismer: „Gute Angebote nützen nichts, wenn sie niemand
kennt“
„Bei meiner Gesundheitstour durch Niederösterreich habe ich
unzählige Gespräche geführt. Das Thema brennt den Menschen unter den
Nägeln: Was mache ich am Wochenende, wenn die Ordination zu hat? Das
Gesundheitssystem kostet Milliarden, aber die Menschen fühlen sich im
Akutfall oft allein gelassen“, erklärt die Klubobfrau der Grünen im
NÖ Landtag, Helga Krismer. Zwar existieren mit der telefonischen
Gesundheitsberatung 1450 und dem hausärztlichen Notdienst 141
wichtige Säulen, die Realität zeige jedoch ein massives Informations-
und Versorgungsdefizit. „Nichts ist schlechter als tolle Angebote,
die die Bevölkerung nicht kennt. Wir müssen bestehende Strukturen
zeitgemäß verpacken, digital bündeln und für alle zugänglich machen“,
so Helga Krismer.
Drei-Punkte-Plan und die App „NOEDOC“
Die Grünen schlagen daher ein konkretes Maßnahmenpaket vor:
1. Vorhandene Angebote bekannt machen: Offensive
Informationskampagnen zu 1450 und 141.
2. Versorgungslücken schließen: Verlässliche Wochenend- und
Journaldienste in jedem Bezirk durch faire Verträge zwischen Land,
ÖGK und Ärztekammer – nach Vorbildern wie dem Notarztmodell in Raabs
an der Thaya oder dem Hausärztlichen Notdienst (HÄND) in
Oberösterreich.
3. Digitale Bündelung via „NOEDOC“: Eine zentrale Smartphone-
Applikation, die alle Notwendigkeiten auf Knopfdruck vereint.
„Wir schlagen der Landesregierung ganz konkret die App „NOEDOC“
vor – quasi die Ärztin oder der Arzt fürs Handy rund um die Uhr“,
erläutert Helga Krismer. Nutzer:innen sollen per Standortabfrage
sofort sehen, welche Ordinationen, Bereitschaftsdienste oder
Apotheken in der Umgebung geöffnet haben. Darüber hinaus soll die App
funktionale Barrieren abbauen: „Wer nicht telefonieren kann oder in
einer Stresssituation ist, kann per Chat-Bot vorab Symptome
schildern, Wartezeiten vermeiden und einen direkten Rückruf
anfordern. Langfristig muss „ NOEDOC “ auch telemedizinische Rezepte
in der Nacht und die direkte Navigation zur nächsten diensthabenden
Nachtapotheke ermöglichen. Das ist Barrierefreiheit und zeitgemäße
Patientenlenkung in einem.“
Schluss mit dem regionalen Fleckerlteppich
Ein Blick in aktuelle Wochenenddienstpläne zeige eklatante
Ungleichheiten zwischen den Regionen Niederösterreichs: Während
mancherorts Bereitschaften besetzt sind, herrscht in anderen Bezirken
gähnende Leere. „Es darf in unserem Bundesland kein Glücksspiel sein,
ob man an einem Wochenende medizinische Hilfe bekommt oder gezwungen
ist, kilometerweit in eine Spitalsambulanz zu fahren. Die
Landesregierung muss die Verträge mit der Ärztekammer und der ÖGK so
gestalten, dass der niedergelassene Bereitschaftsdienst attraktiv
ist. Wir haben funktionierende Bausteine, aber sie sind schlecht
vermarktet und das Angebot ist lückenhaft. Packen wir es an und
stellen wir die Versorgung der Menschen in den Mittelpunkt – digital,
einfach und verlässlich“, so Helga Krismer abschließend.