St. Pölten (OTS) – Zum Gedenken an die Opfer der
nationalsozialistischen
Medizinverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling, dem
heutigen Landesklinikum Mauer, wurde ein Gedenkort für eine
würdevolle Gedenk- und Erinnerungskultur geschaffen. Am
Freitagnachmittag fand die offizielle Eröffnung statt,
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hielt dabei die Gedenkrede.
„2.848 – so viele Patientinnen und Patienten von Mauer-Öhling
gelten heute als Opfer der nationalsozialistischen Medizinverbrechen.
Es waren 2.848 Menschen mit einer Heimat, mit einer Familie, mit
einer ganz persönlichen Lebensgeschichte. Mit diesem Gedenkort geben
wir all diesen Menschen einen sichtbaren Platz des Erinnerns, der
deutlich macht: Sie sind nicht vergessen“, sagte die Landeshauptfrau
in ihrer Rede.
Mit dem Gedenkort nehme man auch „unsere Aufgabe wahr, die
Erinnerung an die schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus
wach zu halten“, denn hier sei ein Ort entstanden, „der uns erinnert,
und der uns vor allem auch berührt und bewegt“, zeigte sie sich
überzeugt.
Mit den Landesausstellungen setze man in Niederösterreich immer
auch „bleibende Impulse“, so Mikl-Leitner, die in diesem Zusammenhang
darauf verwies, dass man sich auch „ganz bewusst mit der Geschichte
dieses Ortes auseinandergesetzt“ habe. Mit dem Gedenkort sei „ein
bleibender Ort der Erinnerung und der Verantwortung“ geschaffen
worden, und damit werde Mauer auch „zu einem zentralen Teil der
Erinnerungskultur im ganzen Land“, nahm sie hier etwa auch auf die
ehemalige Synagoge oder das Haus der Geschichte in St. Pölten sowie
die Sanierung der jüdischen Friedhöfe in Niederösterreich Bezug. „All
diese Initiativen haben unterschiedliche Geschichten, aber sie
verbindet ein gemeinsamer Auftrag: Erinnern, nicht vergessen“, so die
Landeshauptfrau. Der heutige Tag setze ein weiteres deutliches
Zeichen, betonte sie: „Ein deutliches Zeichen für das ,Niemals
vergessen‘ und das ,Nie wieder‘“.
Der Historiker Stephan Roth sprach Worte von Seiten der
Angehörigen und betonte, dass die NÖ Landesausstellung einen
wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-
Euthanasie leiste. Hier in Mauer sei „ein offener Ort des Dialogs und
des respektvollen Miteinanders“ entstanden: „Die Angehörigen haben
nun einen konkreten Ort, an dem sie trauern können.“
Der Medizinhistoriker Herwig Czech, Professor für Geschichte der
Medizin an der MedUni Wien, gab einen historischen Abriss über die
Geschichte und wissenschaftliche Aufarbeitung der Euthanasie im
Nationalsozialismus. Auch er hob die Bedeutung des Gedenkortes und
auch des Lernortes, die im Zuge der Landesausstellung geschaffen
wurden, hervor.
Weiters zu Wort kamen der Ärztliche Direktor des Landesklinikums
Mauer, Christian Korbel, der Vorstand der Landesgesundheitsagentur
Bernhard Kadlec sowie Mathias Vogl, Leiter der Sektion Recht im
Bundesministerium für Inneres. Korbel freute sich, dass Lern- und
Gedenkort auch nach der Landesausstellung auf Dauer bestehen bleiben
werden, Kadlec meinte, es sei vor allem auch wichtig, das Wissen an
die nächsten Generationen weiterzugeben. Gedenken und Erinnern sei
ein wesentlicher Teil unserer Verantwortung, betonte Vogl. Durch die
Veranstaltung führte Regina Bauer, Kaufmännische Direktorin im
Landesklinikum Mauer, die musikalische Begleitung erfolgte durch die
Cellistin Sophie Abraham.
Der Gedenkort wurde von der Künstlerin und
Architekturhistorikerin Azra Aksamija konzipiert und erinnert an die
nach heutigem Forschungsstand bekannten 2.848 Patientinnen und
Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling, die zu Opfern der
NS-Medizinverbrechen wurden. Gleichzeitig kennzeichnet er einen
belasteten Ort aus der Zeit des Nationalsozialismus: jenen
Friedhofsbereich, der aufgrund der NS-Medizinverbrechen und der
Überbelegung des regulären Anstaltsfriedhofs 1944 errichtet wurde.
Die Gestaltung macht den Ort zu einer würdevollen Ruhestätte für die
hier begrabenen Opfer aus Mauer-Öhling. Die an der Mauer angebrachten
2.848 Metallplättchen tragen ihre Namen und Lebensdaten und tragen
somit zu einem würdevollen Gedenken bei.
Darüber hinaus wurde im Zuge der diesjährigen NÖ
Landesausstellung 2026 im Haus 18 des Landesklinikums Mauer ein
dauerhafter Lernort zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen
errichtet, der die neuesten Forschungsergebnisse zur Heil- und
Pflegeanstalt während der NS-Zeit vermittelt und den Besucherinnen
und Besuchern bei freiem Eintritt zur Verfügung steht.