Schönheit

Erstes jüdisches Kulturzentrum Österreichs in Graz eröffnet: Rosen fordert Debatte statt Dämonisierung

Graz/Salzburg/Wien (OTS) – In der steirischen Landeshauptstadt wurde
heute im Rahmen eines
Festaktes in Anwesenheit von Landeshauptmann Mario Kunasek und der
Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr das nach dem Musiker und Dirigenten
Milton Franklin Weber benannte Kulturzentrum der jüdischen Gemeinde
Graz eröffnet. Die Landeshauptstadt erhält damit den ersten
dauerhaften Ort für jüdische Kultur und gesellschaftspolitische
Auseinandersetzung in Österreich. Im Lichte der Zielsetzungen der
Einrichtung forderte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde
für die Bundesländer Salzburg, Steiermark und Kärnten, Elie Rosen,
eine Rückkehr zum offenen politischen Diskurs.

Rosen kritisierte die Dämonisierung politischer Gegner in
Österreich und Deutschland sowie demokratische
Alleinvertretungsansprüche von Teilen der politischen Linken. Maßstab
müsse die Verfassung sein, nicht die Parteizugehörigkeit.
Brandmauern, die das Denken ersetzen, würden nicht die Demokratie
bewahren, sondern diese vielmehr gefährden.

Rosen betonte zudem, wer von politischen Gegnern Distanzierungen
verlange, müsse dieselbe Strenge gegenüber den eigenen Reihen
anwenden. Er erwarte sich, dass der Anspruch auf Humanität nicht dort
ende, wo die eigenen Bündnisse beginnen. Medien müssten
antisemitische Vorfälle unabhängig von ihrer politischen Herkunft
behandeln: „Nicht weniger Genauigkeit. Nicht weniger Kritik. Sondern
weniger politische Selektivität und selektive Empörung.“

Die Verteidigung staatlichen Rechts und individueller
Selbstbestimmung dürfe ebenso wenig als extremistisch abgetan werden
wie die Forderung nach dem Vollzug rechtskräftiger Entscheidungen, so
Rosen. Toleranz verlange keine kulturelle Selbstaufgabe. Und
Offenheit sei nicht dasselbe wie Selbstverleugnung.

Zwtl.: Lange vorbereitetes Vorhaben verwirklicht

Die Idee zu einem jüdischen Kulturzentrum in Graz entstand 2021
im Schatten der Anschläge auf die Grazer Synagoge, unter anderem auf
Initiative von Altbürgermeister Siegfried Nagl. Ermöglicht wurde das
Vorhaben durch das Land Steiermark, die Stadt Graz und die Jüdische
Kultusstiftung. Rosen dankte Altlandeshauptmann Christopher Drexler
für seine Unterstützung im Vorfeld sowie Landeshauptmann Mario
Kunasek, Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom sowie
Bürgermeisterin Elke Kahr für ihre entscheidenden Beiträge zur
Realisierung des Projektes.

Zwtl.: Ein Name als Verpflichtung

Der Namensgeber des Zentrums, Milton Franklin Weber, war ein aus
Graz stammender Musiker, der zum Judentum konvertierte,
nationalsozialistische Verfolgung erlitt und in den USA einen
Neuanfang fand. Sein Name stehe für Treue, Standhaftigkeit und die
Freiheit einer eigenen Überzeugung. Das Zentrum solle Musik,
Literatur, Geschichte und gesellschaftspolitische Debatten verbinden.
Man wolle nicht vorgeben, was gedacht werden muss, sondern dazu
beitragen, dass selbstständig gedacht werden kann, so der Präsident.

Eröffnungsausstellung
Den Auftakt des Programmes des Kulturzentrums bilden unter anderem
zwei Ausstellungen des französischen Photographen Ouriel
Morgensztern. „Eine Reise um die Welt“ zeigt anhand von 2015 und 2025
entstandenen Fotos den Zustand des Lebens jüdischer Gemeinden in
Städten, in denen jüdische Gemeinden wiederaufgebaut wurden, bis hin
zu solchen, in denen die jüdische Präsenz fast vollständig
verschwunden ist. „Israel at home“ dokumentiert die Vielfalt des
Lebens in Israel sowie sein kulturelles und religiöses Erbe. Sie
präsentiert die Architektur der Städte Tel Aviv und Jerusalem.

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