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Dachverband der Sozialversicherungsträger und ÖÄK weisen Verunsicherung zu Wartezeiten durch privaten Versicherungsvermittler zurück

Wien (OTS) – Peter McDonald, Vorsitzender des Dachverbands der
Sozialversicherungsträger (DVSV) und Edgar Wutscher, dritter
Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) weisen die heute
von krankenversichern.at verbreitete Darstellung zu angeblich
dramatisch steigenden Wartezeiten auf Kassenarzttermine zurück.
Niemand muss sich in Österreich davor fürchten, im medizinischen
Akutfall nicht versorgt zu werden. Die von krankenversichern.at
selbst beschriebene Erhebung untersucht ausdrücklich keine Akutfälle,
sondern planbare Routine- und Vorsorgeanliegen – trotzdem wird mit
ihren Ergebnissen der Eindruck erzeugt, die medizinische Versorgung
in Österreich sei generell nicht ausreichend gesichert. Das ist keine
seriöse Interpretation der eigenen Daten.

Studie lässt wesentliche Faktoren außer Acht

Die Erhebung basiert auf verdeckten Testanfragen bei einzelnen
Kassenordinationen zwischen Mai und September 2026. Dabei wurden
unter anderem, die für die Sommermonate nicht untypischen,
urlaubsbedingten Ordinationsschließungen nicht berücksichtigt.
Gleichzeitig werden die erhobenen Wartezeiten als Beleg für eine
generelle Verschlechterung der Versorgungslage dargestellt. Der
Dachverband hält fest: Wartezeiten bei planbaren Untersuchungen und
Behandlungen sind ein relevantes Thema, das anhand belastbarer
Versorgungsdaten laufend beobachtet und bearbeitet wird. Sie sind
aber klar von der Versorgung bei akutem medizinischem Bedarf zu
unterscheiden.

Andere Erhebungen zeigen ein deutlich differenzierteres Bild

Versorgungsdaten der Sozialversicherung zeigen ein anderes Bild:
Eine von der ÖGK beauftragte Wartezeitenerhebung weist österreichweit
eine mediane Wartezeit von 15 Tagen auf einen Facharzttermin aus. Bei
akuten Anliegen erhielten Patientinnen und Patienten bereits
innerhalb einer Woche einen Termin; bei Routineuntersuchungen lag die
mediane Wartezeit bei 28 Tagen. Unterschiede zu den nun
veröffentlichten Zahlen ergeben sich insbesondere aus der
unterschiedlichen Methodik, der Auswahl der Fachrichtungen und den
regionalen Gegebenheiten. Beide Erhebungen zeigen zugleich, dass es
regionale Unterschiede bei der Terminverfügbarkeit gibt.

Die Erhebung von krankenversichern.at kann zwar Hinweise auf die
Verfügbarkeit planbarer Termine liefern, sie untersucht aber
ausdrücklich keine Akutfälle und kann daher auch keine Aussage
darüber treffen, ob Menschen im medizinischen Notfall versorgt
werden. Genau diesen Eindruck erweckt die öffentliche Kommunikation
jedoch. Die Schlussfolgerung geht damit deutlich über das hinaus, was
die erhobenen Daten tatsächlich aussagen können. Besonders kritisch
sehen Sozialversicherung und Ärztekammer die Vermischung eines
wissenschaftlichen Anspruchs mit einem, dem Anschein nach, klaren
Geschäftsinteresse.

„Wer in Österreich akut krank wird, erhält die entsprechende
Versorgung, unabhängig davon, ob er oder sie eine private
Zusatzversicherung abgeschlossen hat. Das ist die Stärke unseres
öffentlichen Gesundheitssystems. Wartezeiten auf einen planbaren
Facharzttermin mit der Notfallversorgung gleichzusetzen, ist sachlich
nicht haltbar. Damit verunsichert man unsere Versicherten, statt die
Versorgung dort zu verbessern, wo tatsächlich Handlungsbedarf
besteht. Bedarfserhebungen und Studien sind aus wissenschaftlicher
Sicht wertvoll, sie müssen aber auf seriösen Daten und einer
fundierten Methodik und nicht auf selektiv aufbereiteten Zahlen
basieren“, so Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der
Sozialversicherungsträger.

„Die österreichische Ärztekammer arbeitet gemeinsam mit der
Sozialversicherung am Versorgungsaubau im Kassenbereich. Unsere
Kassenärzte leisten täglich großartige Arbeit, die kolportierten
Zahlen von krankenversichern.at entsprechen nicht der medizinischen
Realität. Wartezeiten im niedergelassenen Bereich sind ein Thema, dem
wir uns bewusst sind und annehmen: Gemeinsam mit der
Sozialversicherung arbeiten wir an einem einheitlichen Gesamtvertrag,
der in diesem Bereich weiter Verbesserungen bringen soll. Panikmache,
wie von krankenversichern.at betrieben, ist unseriös und
populistische Rhetorik“, ergänzt auch Edgar Wutscher, dritter
Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer und Obmann der
Bundeskurie niedergelassene Ärzte.

Versorgung verbessern, statt Verunsicherung zu schüren

Die österreichische Sozialversicherung setzt sich gemeinsam mit
der Österreichischen Ärztekammer kontinuierlich für den Ausbau des
Kassenstellenangebots und die Verkürzung von Wartezeiten bei
planbaren Facharztterminen ein. Die Regionalen Strukturpläne
Gesundheit (RSG) 2030 sehen dafür einen deutlichen Ausbau der
ambulanten Versorgung vor. Ein zentraler Baustein sind die
Primärversorgungseinheiten (PVE), deren Zahl österreichweit bis 2030
auf 257 Standorte steigen soll. Sie bieten längere Öffnungszeiten und
multiprofessionelle Versorgung und können damit auch zur Entlastung
der fachärztlichen Versorgung beitragen.