Coface hebt globale Insolvenzprognose mit 6 Prozent deutlich an

Wien (OTS) – Das konjunkturelle Umfeld hat sich in den vergangenen
Monaten spürbar
abgeschwächt, da sich die Folgen der jüngsten geopolitischen
Spannungen immer stärker in der realen Wirtschaft bemerkbar machen.
Die Zahl der Firmenpleiten weltweit ist im 1. Quartal gegenüber dem
Vorjahr um 12 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund hat der
internationale Kreditversicherer Coface seine Insolvenzprognose für
2026 deutlich nach oben korrigiert: Für das Gesamtjahr 2026 wird nun
ein Anstieg der globalen Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent
erwartet – mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn
prognostiziert. „Der Anstieg der weltweiten Insolvenzen um 12 Prozent
zu Beginn des Jahres, darunter ein Plus von 22 Prozent in
Nordamerika, verdeutlicht das Ausmaß des aktuellen Schocks“ , sagt
Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface. Dagmar Koch,
Country Managerin Coface Österreich ergänzt: „Steigende
Beschaffungskosten, volatile Energiepreise und wachsende Unsicherheit
setzen Unternehmen spürbar unter Druck und dämpfen
Investitionsentscheidungen.“

Kräftige Zuwächse werden in den USA (+8 Prozent), Frankreich (+8
Prozent) und Japan (+7 Prozent) erwartet. In den Niederlanden dürfte
die Zahl der Insolvenzen ebenfalls um rund 5 Prozent steigen.
Moderater fällt der Anstieg in Spanien, Italien und dem Vereinigten
Königreich aus, wo Zuwächse zwischen 2 und 3 Prozent erwartet werden.

Hohe Zinsen verschärfen ohnehin angespannte Lage

Die Finanzierungsbedingungen bleiben ein zentraler
Belastungsfaktor. Zwar hatte sich das globale Zinsniveau zuletzt
schrittweise verringert, bleibt nach den deutlichen Anstiegen in den
Jahren 2022 und 2023 jedoch weiterhin hoch – und Kredite entsprechend
teuer. Die aktuelle Situation trifft Unternehmen in einer Phase, in
der viele mit historisch hoher Verschuldung konfrontiert sind.
Entsprechend sensibel reagieren sie auf zusätzliche Belastungen wie
die jüngste Zinserhöhung der EZB – die erste seit fast drei Jahren.

In diesem Umfeld bleiben die unternehmerischen Spielräume zur
Refinanzierung begrenzt – und damit auch die Fähigkeit, zusätzliche
wirtschaftliche Schocks abzufedern.

Der Druck bleibt vor allem in konjunktursensiblen und stark
finanzierungsabhängigen Branchen hoch. Besonders betroffen sind
weiterhin Bau, Chemie und Textil, die aufgrund ihrer hohen
Abhängigkeit von Produktionskosten und Nachfrage besonders anfällig
sind. In mehreren großen Volkswirtschaften zeigen sich diese
Belastungen bereits deutlich: In den USA leiden Industrie und Bau
unter steigenden Finanzierungskosten und schwächerer Nachfrage. In
Deutschland stehen insbesondere die Chemie- und Bauindustrie aufgrund
hoher Energiekosten und anhaltend schwacher Aktivität unter Druck. In
Frankreich belasten hohe Zinsen den Bausektor, während die Industrie
mit erhöhten Energiekosten kämpft und der Einzelhandel unter der
schwachen Kaufkraft leidet. In Japan geraten vor allem hoch
verschuldete Sektoren durch dauerhaft restriktivere
Finanzierungsbedingungen unter Druck.

Staatliche Hilfen dürften Insolvenzen kaum abfedern

Das vergleichsweise niedrige Insolvenzniveau zwischen 2020 und
2023 war vor allem auf umfangreiche staatliche
Unterstützungsmaßnahmen im Zuge der Covid-19-Pandemie und der Folgen
des Ukraine-Kriegs zurückzuführen. Zwar werden in einigen Ländern
erneut Hilfsprogramme aufgelegt, ihr Umfang ist jedoch deutlich
geringer.

In großen europäischen Volkswirtschaften wie Frankreich,
Deutschland, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich lag die
staatliche Unterstützung in den Jahren 2022 und 2023 noch bei rund 2
bis 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Aktuelle Maßnahmen fallen
dagegen erheblich kleiner aus – das umfangreichste Programm findet
sich derzeit in Spanien mit rund 0,3 Prozent des BIP. Zudem sind die
jüngsten Programme stärker zielgerichtet. Sie entlasten zwar
besonders betroffene Unternehmen und Branchen, eine breite
stabilisierende Wirkung wie in früheren Krisen ist jedoch nicht zu
erwarten. Entsprechend bleibt der Spielraum der Wirtschaftspolitik
begrenzt, einen weiteren Anstieg der Insolvenzen wirksam abzufedern.

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