Wien (PK) – Mit dem heute Abend im Parlament verliehenen Camillo
Award würdigen
das österreichische Parlament und der Bundesverband Rettungsdienst (
BVRD.at) herausragende Leistungen und Projekte von Sanitäterinnen und
Sanitätern. Der heuer bereits zum siebten Mal verliehene Preis macht
besondere Verantwortung im Einsatz, außergewöhnliches Engagement für
die Qualität der rettungsdienstlichen Versorgung, innovative Projekte
und nachhaltige Entwicklungen im Rettungsdienst sichtbar. Die von
einer 18-köpfigen Jury in insgesamt acht Kategorien verliehene
Auszeichnung soll ein öffentlich sichtbares Zeichen der Wertschätzung
für die Leistungen und Verdienste aller Sanitäterinnen und Sanitäter
in Österreich setzen – unabhängig von der Organisation und ob die
Ausgezeichneten haupt- oder ehrenamtlich tätig sind.
Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Camillo
Awards würden zeigen, wie breit der Rettungsdienst aufgestellt sei,
betonte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz in seinen
Eröffnungsworten. Es gehe darum, Sanitäterinnen und Sanitäter vor den
Vorhang zu holen, die Verantwortung für Menschen in einer
Notsituation übernehmen. Zur Reform des Sanitätergesetzes hielt der
Nationalratspräsident fest, dass konkrete Vorschläge für neue
Ausbildungskonzepte bereits vorliegen würden. Die Debatte darüber
müsse mit jenen geführt werden, die sich in Theorie und Praxis
auskennen.
Für Clemens Kaltenberger, Präsident des Bundesverbands
Rettungsdienst und Initiator des Awards, ist der Camillo Award ein
Zeichen für die hohe Innovationskraft und den Ideenreichtum innerhalb
des Rettungswesens. Ganz oben für die Weiterentwicklung des
Rettungsdienstes stehe ein neues Sanitätergesetz. Der Bundesverband
habe dabei seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt sei die Politik am Zug,
man warte auf eine möglichst baldige Entscheidung, so Kaltenberger im
Hohen Haus.
Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer der Björn Steiger
Stiftung, referierte in seiner Keynote über die Rahmenbedingungen für
einen zukunftsfähigen Rettungsdienst. Laut Chwojka braucht es dazu
vor allem eine bessere Ausbildung und mehr Rechtssicherheit für
Sanitäterinnen und Sanitäter. Im Gegensatz zu der aktuellen Dauer von
6,5 Wochen benötige die präklinische Notfallmedizin eine gute,
mehrjährige Ausbildung. Zudem gehe es darum, Notärztinnen und-ärzte
zu den richtigen Einsätzen zu schicken, Patientinnen und Patienten
besser zu steuern sowie um Maßnahmen gegen die hohe Fluktuation des
Rettungspersonals, so das Resümee von Chwojka.
Einen Einblick in die Arbeit der Jury gab Andreas Fromm. Dieser
zeigte sich von der jährlich neuen „geballten Menge an tollen
Projekten und engagierten Gesichtern“ beeindruckt.
Herausragende Leistungen für die qualitative Weiterentwicklung
des Rettungswesens
In der Kategorie „Herausragende Leistungen“ wurden heuer Nico
Gattringer vom Arbeiter Samariterbund Kärnten für die Förderung neuer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Mathias Gatterbauer von der
Berufsrettung Wien für innovative Projekte zur Qualitätssicherung im
Rettungswesen ausgezeichnet.
Kategorie „Ausbildungskonzept“
Maximilian Schmidt-Tesch vom Roten Kreuz Tirol erhielt den
Camillo Award in der Kategorie „Ausbildungskonzept“. Er vertritt das
Coaching Team Kitzbühel, das mit dem innovativen CRM-Coaching die
Qualität im Rettungsdienst nachhaltig verbessert. Speziell geschulte
Coaches begleiten Einsatzteams im regulären Dienst und fördern durch
strukturiertes Feedback Kommunikation, Teamarbeit und
Entscheidungsfindung direkt im Einsatz.
Abbau von Hemmschwellen bei der Reanimation von Frauen
In der Kategorie „Innovation“ wurde Olivia Wörndl vom Roten Kreuz
Innsbruck . Sie steht hinter der Initiative „#herzsicher – weil jedes
Frauenherz zählt“, die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die
Aus- und Fortbildung im Rettungswesen überträgt. Mit innovativen
Reanimations-BHs und gezielter Aufklärungsarbeit baut das Projekt
Hemmschwellen bei der Reanimation von Frauen ab und fördert
Chancengleichheit in der Notfallversorgung.
Mitarbeiterkultur neu gedacht
Das Führungsteam des Roten Kreuzes Innsbruck, vertreten durch
Rupert Stöckl, war in der Kategorie „Leadership“ erfolgreich. Dieses
trägt durch eine offene und mitarbeiterorientierte Führungskultur zu
einer nachhaltigen Stärkung der Qualität im Rettungsdienst bei. So
fördert das Team Eigenverantwortung, fachliche Weiterentwicklung und
eine Kultur des kritischen Mitdenkens und Lernens. Durch den
konsequenten Rückhalt für Mitarbeitende – auch in öffentlich
diskutierten Situationen – schafft es Vertrauen, Motivation und
höchste Professionalität in der Patientenversorgung.
Einsatz für psychische Gesundheit von Rettungskräften
Das Team des Vereins Second Victim rund um Eva Potura setzt sich
für die psychische Gesundheit von Rettungskräften nach belastenden
Einsätzen ein und macht ein lang tabuisiertes Thema sichtbar. Mit
einer wissenschaftlichen Studie mit über 1.000 Teilnehmenden,
intensiver Aufklärungsarbeit und dem innovativen Second-Victim-
Botschafterinnen und Botschafter-Projekt schafft es nachhaltige
Unterstützungsstrukturen direkt im Rettungsdienst. Die Jury ehrte
Potura in der Kategorie „Support“.
Polizeisanitäterinnen und -sanitäter
In der Kategorie „Polizei“ ging die Auszeichnung einerseits an
zwei Beamte der Wiener WEGA, die mit dem Projekt WEGA Medic eine
hochspezialisierte Sanitätskomponente innerhalb der Polizei-
Sondereinheit aufgebaut haben. Speziell ausgebildete
Polizeisanitäterinnen und Polizeisanitäter versorgen Verletzte
bereits in der sogenannten „heißen Zone“ und verbessern damit die
Überlebenschancen bei lebensbedrohlichen Einsätzen.
Andererseits wurde Martin Schlagenhaufen vom Innenministerium
ausgezeichnet. Er hat die taktische Erste Hilfe im österreichischen
Polizeidienst maßgeblich geprägt und nachhaltig weiterentwickelt. So
etablierte Schlagenhaufen bundesweit Polizeisanitäterinnen und
Polizeisanitäter, trieb die Ausstattung von Funkwägen mit
Defibrillatoren voran und setzte das Taktische Erste Hilfe-Konzept
erfolgreich in der Polizeiausbildung um.
Weiterentwicklung der militärischen Sanitätsversorgung
Für die Weiterentwicklung der taktischen Sanität und der
militärischen Sanitätsversorgung im Österreichischen Bundesheer
erhielt Stefan Strobl den Camillo-Award in der Kategorie
„Bundesheer“. Durch wissenschaftlich fundierte Vorträge, die Planung
großer Sanitätsübungen und die Verbindung von Forschung, Ausbildung
und Praxis wird so die Einsatzbereitschaft und Versorgungsqualität
nachhaltig gestärkt. Strobls Arbeit bringt aktuelle Erkenntnisse aus
bewaffneten Konflikten direkt in die Ausbildung von Sanitätspersonal
und Offizieren ein.
Notfallmedizin-Übungsgruppe zur Stärkung der interdisziplinären
Zusammenarbeit
Der Camillo-Award in der Kategorie „Sonderpreis“ ging an Jonas
Häusle und Rene Gappmeier vom Team Notfallmedizin Vorarlberg. Mit
ihrer Notfallmedizin-Übungsgruppe fördern die beiden die
interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, Ärztinnen
und Ärzten und Krankenhaus. Durch regelmäßige, praxisnahe Trainings
und Workshops werden so medizinische Kompetenzen, Kommunikation und
Teamarbeit über Organisationsgrenzen hinweg gestärkt. (Schluss) med
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .