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ACREDIA: Europas Autoindustrie zwischen Investitionsbremse und Milliardenchancen

Wien (OTS) – Europas Automobilindustrie steht unter massivem
Veränderungsdruck.
Eine aktuelle Branchenanalyse von ACREDIA gemeinsam mit Allianz Trade
zeigt: Die Probleme reichen weit über schwache Nachfrage, chinesische
Konkurrenz und den Umstieg auf Elektromobilität hinaus. Über Jahre
floss zu viel Kapital in bestehende Verbrennerplattformen und
kurzfristige Margenziele, während Investitionen in Elektrifizierung,
Digitalisierung und neue Technologien zu spät oder zu wenig
fokussiert erfolgten.

Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf bei den
Investitionen: Die Investitionen europäischer Automobilhersteller
sind 2026 um rund 20 Prozent eingebrochen – der stärkste Rückgang
seit 2018. Gleichzeitig steigerten andere europäische Großkonzerne
ihre Investitionen um rund zehn Prozent.

„Europas Autoindustrie braucht nicht einfach mehr Kapital – sie
muss vor allem konsequenter in die richtigen Zukunftsfelder
investieren. Wer heute bei Software, Batterietechnologie, KI und
autonomer Mobilität den Anschluss verliert, wird morgen auch bei
Wertschöpfung und Marktanteilen zurückfallen“, sagt Gudrun
Meierschitz, Vorständin der ACREDIA Group.

Zwtl.: Drei Milliarden Euro Wertschöpfung stehen auf dem Spiel

Wie groß der wirtschaftliche Druck auf Europas Automobilindustrie
ist, zeigt exemplarisch die Entwicklung führender deutscher
Hersteller: Ihre Wertschöpfung je verkauftem Fahrzeug in Europa lag
im ersten Halbjahr 2026 30 bis 45 Prozent niedriger als 2021/22.
Gleichzeitig verloren sie seit 2021 rund zehn Prozentpunkte
Marktanteil in Europa und sieben Prozentpunkte in China.

Setzt sich diese Entwicklung fort und gehen bis 2030 in Europa
und China jeweils weitere drei Prozentpunkte Marktanteil verloren,
wären rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung gefährdet. Bereits ein
Rückgang um jeweils 0,5 Prozentpunkte würde die jährliche
Wertschöpfung um rund 480 Millionen Euro reduzieren.

„Europa verfügt weiterhin über enormes industrielles Know-how.
Aber dieses Know-how muss jetzt in Wettbewerbsfähigkeit übersetzt
werden. Dafür braucht es klare Investitionsentscheidungen, weniger
parallele Projekte und mehr Fokus auf jene Technologien, die Europas
Autoindustrie langfristig stärken“, so Meierschitz.

Zwtl.: China erhöht den Druck auf Europas Heimatmarkt

Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller nimmt weiter
zu. Ihr Anteil an den europäischen Neuzulassungen erreichte Mitte
2026 annähernd zehn Prozent. Erstmals verkauften chinesische Marken
mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa. Bei batterieelektrischen
Fahrzeugen liegt ihr Marktanteil bei 16 Prozent, bei Plug-in-Hybriden
bei 26 Prozent.

Auch die EU-Zölle haben diesen Vormarsch bislang kaum gebremst.
Chinesische Anbieter setzen verstärkt auf Hybride und Plug-in-Hybride
und bauen gleichzeitig ihre Vertriebs- und Servicenetze in Europa
aus.

Doch die Studie zeigt auch einen Lichtblick: Im preisgünstigsten
Segment der Limousinen und Kleinwagen unter 50.000 Euro bieten
europäische Modelle derzeit ein um drei bis fünf Prozent besseres
Preis-Reichweiten-Verhältnis als chinesische Elektroautos auf dem
europäischen Markt.

„Europäische Hersteller müssen sich im direkten Wettbewerb
keineswegs verstecken. Gerade beim Preis-Reichweiten-Verhältnis zeigt
sich, dass europäische E-Autos konkurrenzfähig sind. Diese Stärke
gilt es jetzt zu nutzen und in Marktanteile und Wachstum zu
übersetzen“, sagt Meierschitz.

Zwtl.: Software wird zum Milliardenmarkt

Die Wertschöpfung im Auto verändert sich grundlegend.
Entsprechend groß sind die Chancen durch neue digitale
Geschäftsmodelle: Der weltweite Markt für Fahrzeugsoftware dürfte von
rund 340 Milliarden US-Dollar 2025 auf 520 Milliarden US-Dollar bis
2035 wachsen.

Eine Modellrechnung zeigt das Potenzial: Verkauft ein Hersteller
zehn Jahre lang jährlich eine Million Fahrzeuge und bietet digitale
Dienste für monatlich 50 Euro an, deren Nutzung von 33 auf 50 Prozent
steigt, könnten daraus im zehnten Jahr rund drei Milliarden Euro
wiederkehrende Umsätze entstehen. Das entspräche rund acht Prozent
des durchschnittlichen Jahresumsatzes 2025 großer europäischer
Hersteller.

Zwtl.: „Made in Europe“ allein reicht nicht

Bei Batterien plädiert die Analyse für einen strategischen statt
rein protektionistischen Ansatz. „Made in Europe“-Vorgaben könnten
die Kosten eines Batteriepakets beziehungsweise den Preis eines
Elektroautos um rund 2.000 Euro oder etwa fünf Prozent des im letzten
Jahr verzeichneten Durchschnittspreises erhöhen. Gleichzeitig dürfte
die europäische Zellproduktion selbst bei einem realistischen Ausbau
bis 2035 lediglich rund die Hälfte der heimischen Nachfrage decken.

Statt vollständiger Autarkie setzen ACREDIA und Allianz Trade
daher auf strategische Partnerschaften und gezielte Investitionen in
Zukunftstechnologien – etwa Festkörperbatterien sowie Chip-, KI- und
Softwarelösungen.

Zwtl.: Autonome Lkw statt Robotaxi-Wettlauf

Auch beim autonomen Fahren liegen Chancen abseits des Robotaxi-
Marktes. Der Markt für autonome Lkw könnte bis 2035 auf rund 559
Milliarden US-Dollar wachsen und damit sogar größer sein als der
Robotaxi-Markt mit rund 415 Milliarden US-Dollar. Für europäische
Hersteller bieten insbesondere autonomer Güterverkehr, Logistik und
öffentlicher Nahverkehr Potenzial.

„Europa muss nicht in jedem Zukunftsfeld alles selbst machen.
Entscheidend ist, jene Bereiche zu identifizieren, in denen wir
unsere industrielle Kompetenz mit neuen Technologien verbinden und
daraus nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen können“, so
Meierschitz.

Zwtl.: Europa muss jetzt die richtigen Prioritäten setzen

Die Analyse zeigt: Europas Autoindustrie ist keineswegs
chancenlos, braucht aber einen strategischen Kurswechsel – weniger
parallele Plattformen, mehr Kooperation bei Forschung und
Entwicklung, gezielte Partnerschaften bei Batterien und Halbleitern
und Investitionen in jene Technologien, die künftig die Wertschöpfung
bestimmen.

„Die europäische Automobilindustrie hat weiterhin alle
Voraussetzungen, um im globalen Wettbewerb eine bedeutende Rolle zu
spielen. Entscheidend ist, Kapital nicht länger mit der Gießkanne zu
verteilen, sondern gezielt auf jene Technologien zu setzen, die die
Wertschöpfung der nächsten zehn Jahre bestimmen“, ergänzt Meierschitz
abschließend.

Die gesamte Studie zur europäischen Automobilindustrie kann hier
heruntergeladen werden: LINK