13-mal so viele 61-jährige Frauen arbeitslos: AK Oberösterreich fordert aktive Arbeitsmarktpolitik für ältere Frauen

Linz (OTS) – Die Arbeitslosigkeit bei Frauen zwischen 60 und 64
Jahren ist in
Oberösterreich im Juni 2026 um 31,9 Prozent gestiegen. Besonders hoch
ist der Anstieg bei den 61-Jährigen. Hier hat sich die Zahl der
arbeitslosen Frauen auf das 13-Fache erhöht. „ Die schrittweise
Anhebung des Frauenpensionsalters führt nicht zur Gänze dazu, dass
Frauen länger im Erwerbsleben stehen und einen Arbeitsplatz haben “,
so AK-Präsident Andreas Stangl.

Die Arbeitslosenzahlen für Juni 2026 zeigen einen drastischen Anstieg
bei älteren Frauen. Insgesamt sind in der Altersgruppe 60 bis 64
Jahre in Oberösterreich um 31,9 Prozent mehr Frauen und um 5,9
Prozent mehr Männer als im Vorjahr arbeitslos. Der starke Anstieg
geht vor allem auf die extreme Steigerung bei den 61-Jährigen zurück:
Im Juni 2026 waren 13-mal so viele 61-jährige Frauen arbeitslos wie
noch im Vorjahr. Das ist ein Anstieg von 1.238,2 Prozent, von 34 auf
455 Personen. Bei Männern im gleichen Alter beträgt der Anstieg 3,8
Prozent, von 607 auf 630 Personen. Bundesweit ist der Unterschied
zwischen Frauen und Männern mit plus 1.252,4 Prozent zu plus 0,8
Prozent noch deutlicher.

Dass die Arbeitslosigkeit bei Frauen mit 61 Jahren im Juni 2026 so
stark gestiegen ist, ist kein Zufall, sondern eine direkte Folge der
schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters. Frauen, die
zwischen Jänner und Juni 1965 geboren wurden, konnten noch nicht mit
61 Jahren in Pension gehen, weil für sie schon ein Pensionsalter von
61 Jahren und sechs Monaten gilt. Diese Gruppe kann also frühestens
ab 1.7.2026 ihre Pension antreten. Sind sie arbeitslos, scheinen sie
mit 61 weiterhin in der Statistik auf, während frühere Jahrgänge in
diesem Alter schon in Pension gehen konnten.

Langzeitarbeitslosigkeit steigt massiv
Neben dem allgemeinen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit steigt
auch die Anzahl jener Personen, die länger als ein Jahr ohne
Beschäftigung sind, besorgniserregend an. In der Altersgruppe 60 bis
64 Jahre sind in Oberösterreich seit dem Vorjahr um 44,3 Prozent mehr
Frauen und um 17,9 Prozent mehr Männer länger als ein Jahr arbeitslos
gemeldet.

Aufgrund häufig unterbrochener Erwerbsbiografien, Teilzeitphasen und
Betreuungszeiten, sind die Pensionsansprüche von Frauen ohnehin
wesentlich niedriger. Wenn sie dann vor der Pension arbeitslos
werden, verschlechtert das ihre finanzielle Lage zusätzlich. Die
stark steigende Arbeitslosigkeit zeigt die Schwachstelle der Reform:
Frauen müssen zwar länger bis zur Pension arbeiten, finden aber im
höheren Alter kaum noch Arbeit.

AK-Präsident Andreas Stangl sieht hier sowohl Politik als auch
Betriebe in der Pflicht: „ Die schrittweise Anhebung des
Pensionsalters von Frauen wird am Arbeitsmarkt nicht abgefangen. Wer
längeres Arbeiten verlangt, muss auch Beschäftigung ermöglichen. Es
braucht gezielte Maßnahmen, um Frauen über 60 in Beschäftigung zu
bringen und bis zur Pension zu halten. “

Die AK Oberösterreich fordert:

– Verbindliche betriebliche Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung

– Schaffung von mehr altersgerechten Arbeitsplätzen und
gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen

– Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für ältere
Arbeitnehmer:innen

– Gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit

– Rasche und bestmögliche Umsetzung der EU-
Entgelttransparenzrichtlinie

– Recht auf Vollzeitbeschäftigung bzw. auf Stundenaufstockung, wenn
dies im Betrieb möglich ist

– Flächendeckender Ausbau von Kinderbildungs- und –
betreuungsangeboten