Jerewan (OTS) – Am 31. Oktober 2026 ging in den Morgenstunden der
armenischen
Hauptstadt Jerewan die 17. Konferenz der Vertragsparteien zur
Konvention über die biologische Vielfalt (COP 17) mit einer Einigung
zu Ende. Für Österreich nahm Bundesminister Norbert Totschnig an der
Konferenz teil. Seit dem Beschluss der globalen Biodiversitätsziele
2022 fand erstmal eine Überprüfung der Fortschritte statt. Totschnig
und das österreichische Verhandlungsteam unterstützten auf Ersuchen
der irischen EU- Ratspräsidentschaft gemeinsam mit Finnland und
Belgien die Verhandlungen im Namen der EU rund um das Thema „Digitale
Sequenzinformationen“ (DSI). Dabei handelt es sich um den Umgang mit
genetischen „Bauplänen“ von Lebewesen in digitaler Form, die in
Datenbanken gespeichert sind. Forschende und Unternehmen müssen heute
oft keine Pflanze, kein Tier und keine Mikrobe mehr physisch aus
einem Land holen. Es reicht, die Sequenz aus einer öffentlichen
Online-Datenbank herunterzuladen.
Landwirtschafts- und Umweltminister Totschnig begrüßt den
erfolgreichen Abschluss der Konferenz: „Die Einigung ist ein
erfreulicher Erfolg für den Schutz der weltweiten, vielfältigen Tier-
und Pflanzenwelt. Biodiversität ist die Grundlage für zentrale Lebens
– und Wirtschaftsbereiche wie etwa für die landwirtschaftliche
Produktion, Forstwirtschaft, die Pharmazie und viele andere Branchen.
Ich freue mich, dass wir als Österreich in den Verhandlungen einen
Beitrag zur Einigung leisten konnten.“
Jerewan Pfad beschlossen
Die Konferenz ging mit dem einstimmigen Beschluss des sogenannten
„Jerewan-Pfads“ zu Ende. Darin erkennen die Vertragsparteien die
Fortschritte zur Umsetzung der globalen Biodiversitätsziele an und
zeigen konkrete Handlungsfelder auf, um die Artenvielfalt auf Basis
der Halbzeitbilanz bis zum Jahr 2030 weiter zu stärken. Es gibt ein
klares Bekenntnis, dass die Umsetzung der Maßnahmen verstärkt werden
muss. Damit sollen jene Ziele erreicht werden, auf die sich die
Vertragsparteien im Jahr 2022 geeinigt haben,eispielsweise die
Verpflichtung, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und
Meeresgebiete als Schutzgebiete auszuweisen.
Außerdem wird angeregt, dass neben den entwickelten Ländern, auch
andere Vertragsparteien, die dazu in der Lage sind, ihre finanzielle
Unterstützung zur Umsetzung der globalen Ziele erhöhen.
Die Datenerhebung (Monitoring) und Wissensverwaltung sollen
ausgebaut werden, um die Datendefizite zu schließen und
wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Das soll
auch dazu beitragen die Indikatoren praktisch nutzbar zu machen. Zur
verstärkten Umsetzung ist auch die Involvierung aller Sektoren und
aller Akteure notwendig. Der „Jerewan-Pfad“ fordert einen
gesamtstaatlichen Ansatz und eine gemeinsame Kraftanstrengung zur
Erreichung der 2030 Ziele.
Totschnig gratuliert dem armenischen Vorsitz, geleitet von
Umweltminister Hambardzum Matevosyan, zum erfolgreichen Ergebnis:
„Die ausgezeichnete Vorsitzführung, diplomatisches Geschick des
gesamten armenischen Teams und die große Gastfreundschaft haben zu
diesem wichtigen Erfolg des globalen Umweltschutzes und
Multilateralismus beigetragen.“
Erfolg für das österreichische Verhandlungsteam
Bei dem von Österreich mitverhandelten Themenbereich DSI haben
sich die Mitgliedstaaten darauf geeinigt, den Mechanismus rund um die
Nutzung und Vergütung digitaler Sequenzinformationen im Rahmen einer
zeitlich befristeten Testphase operativ umzusetzen. Konkret sollen
Rechtssicherheit und attraktive Anreize dazu führen, dass Unternehmen
in den 2022 eingerichteten Cali-Fonds, einen internationalen
Biodiversitätsfonds, einzahlen. In der Einigung ist festgehalten
worden, dass Beitragszahlungen in den Fonds ausschließlich freiwillig
erfolgen. Außerdem konnte man sich auf eine Formel einigen, nach der
die Mittel zur Stärkung der Biodiversität ausgeschüttet werden
sollen. So soll u.a. die Hälfte der Mittel an Staaten und die anderen
50 % direkt an Indigene ausgeschüttet werden.
Darüber hinaus wurde vereinbart, dass Forscherinnen und Forscher
bzw. Forschungsinstitute weiterhin kostenlosen Zugang zu jenen
Datenbanken haben, in denen die genetischen Informationen gespeichert
sind. Damit ist es gelungen, zwei zentrale Anliegen der Europäischen
Union in der Vereinbarung zu verankern.
Österreich kann viele Erfolge im heimischen Biodiversitätsschutz
vorweisen: 29,6 % und damit fast 30 % sind geschützte Flächen,
250.000 ha sind Naturschutz- und Biodiversitätsflächen in der
Landwirtschaft und mit 27 % Anteil Bio-Landwirtschaft ist Österreich
EU-weit führend. Zudem hat Österreich mit dem Biodiversitätsfonds ein
Finanzierungsinstrument eingerichtet, mit dem die österreichische
Biodiversitätsstrategie umgesetzt wird. Zu den Rot-weiß-roten
Erfolgen zählen darüber hinaus zahlreiche Artenschutzprojekte, wie
zum Beispiel für Großtrappe, Seeadler, Bartgeier, Smaragdeidechse und
Wildkatze.
„Biodiversität ist ein Schatz der Natur und gleichzeitig eine
Quelle für Wertschöpfung. Wie wollen Artenvielfalt schützen und
nachhaltig nutzen. Der Erhalt unserer vielfältigen Tier- und
Pflanzenwelt ist eine zentrale Aufgabe für alle Länder. Wir sind es
den kommenden Generationen schuldig, uns anzustrengen, Erfolgswege
fortzusetzen und dort, wo es notwendig ist, noch besser zu werden“ ,
so Totschnig.