Wien (OTS) – – Weltweit: Unternehmensinsolvenzen steigen 2026 um 5
Prozent und
2027 um weitere 1 Prozent – leichter Rückgang erst 2028 erwartet
– Österreich: Rund 5.100 Firmenpleiten in den ersten neun Monaten
2026 – Stagnation im Gesamtjahr, Rückgang um 3 Prozent für 2027
prognostiziert
– Wirtschaftlicher Druck: Hohe Finanzierungskosten, schwache
Nachfrage und Deutschlands Konjunkturschwäche belasten
österreichische Unternehmen
– Arbeitsplätze: Weltweit rund 2,7 Millionen Jobs durch
Unternehmensinsolvenzen gefährdet
Die weltweite Insolvenzwelle hält länger an als erwartet. Laut der
aktuellen Insolvenzstudie von ACREDIA und Allianz Trade steigt die
Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2026 um fünf Prozent und 2027 um ein
weiteres Prozent. Damit setzt sich der Anstieg im fünften Jahr in
Folge fort. Erst 2028 wird ein leichter Rückgang um ein Prozent
erwartet. Hauptursachen sind schwaches Wirtschaftswachstum, hohe
Finanzierungskosten und anhaltender Kostendruck.
Zwtl.: Österreich: Stabilisierung auf hohem Niveau
In Österreich zeichnet sich nach mehreren Jahren steigender
Firmenpleiten eine erste Stabilisierung ab. In den ersten drei
Quartalen 2026 wurden rund 5.100 Unternehmensinsolvenzen registriert
– knapp ein Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Für das
Gesamtjahr erwarten ACREDIA und Allianz Trade eine Stagnation, für
2027 einen Rückgang um drei Prozent.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die wirtschaftliche
Schwäche Deutschlands, des wichtigsten Handelspartners Österreichs.
Sie erhöht den Wettbewerbsdruck auf die heimische Industrie und
belastet insbesondere das verarbeitende Gewerbe. Hinzu kommen
schwacher Konsum, hohe Personal- und Energiekosten sowie schwierige
Finanzierungsbedingungen. Besonders betroffen sind Bauwirtschaft,
Handel sowie Gastronomie und Beherbergung, auf die zusammen rund 40
bis 45 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen entfallen.
„Die Insolvenzzahlen in Österreich zeigen erste Anzeichen einer
Stabilisierung. Von einer Entwarnung sind wir aber noch weit
entfernt. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und die anhaltende
Konjunkturschwäche wichtiger Exportmärkte belasten viele Unternehmen.
Entscheidend wird sein, ob sich die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen nachhaltig verbessern“, sagt Gudrun Meierschitz,
Vorständin der ACREDIA Group.
Auffällig ist zudem eine Verschiebung bei den Insolvenzverfahren:
Während die Zahl der eröffneten Verfahren zurückgeht, steigen die
mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesenen Anträge deutlich.
Zwtl.: Insolvenzquote sinkt – Strukturwandel setzt sich fort
Trotz hoher Fallzahlen ist das relative Insolvenzrisiko zuletzt
leicht zurückgegangen. Die Insolvenzquote sank von 1,18 Prozent im
Jahr 2025 auf annualisiert 1,08 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig
stieg der Unternehmensbestand in Österreich von rund 225.500 im Jahr
2019 auf etwa 291.000 Anfang 2026. Hohe absolute Insolvenzzahlen
gehen damit nicht zwangsläufig mit einem entsprechend höheren
Insolvenzrisiko einher.
Auch die Struktur der Insolvenzen verändert sich. Die Phase
großer Immobilienpleiten scheint ihren Höhepunkt überschritten zu
haben. Die Gesamtverbindlichkeiten insolventer Unternehmen liegen
2026 deutlich unter den Rekordwerten der Vorjahre. Gleichzeitig
belasten die Folgen der Immobilienkrise weiterhin zahlreiche
Unternehmen und Zulieferer. Kreditgeber agieren restriktiver, während
Lieferanten verstärkt auf Bonität und Zahlungsziele achten. Besonders
gefährdet bleiben Unternehmen mit hoher Fremdfinanzierung und
geringer Eigenkapitalausstattung.
„Das eigentliche Risiko liegt in der Kombination aus schwacher
Nachfrage, hohen Fixkosten und teurer Finanzierung. Wenn Margen
schrumpfen und Zahlungen später eingehen, kann rasch ein
Liquiditätsengpass entstehen. Umso wichtiger ist es, Geschäftspartner
laufend zu bewerten und Forderungsrisiken frühzeitig abzusichern“,
betont Meierschitz.
Zwtl.: Hohe Finanzierungskosten bremsen weltweite Erholung
Auch international bleibt das wirtschaftliche Umfeld angespannt.
Die Weltwirtschaft dürfte 2026 um 2,6 Prozent und 2027 um 2,8 Prozent
wachsen. Hohe Zinsen und Energiekosten belasten die Rentabilität
vieler Unternehmen. Ein Anstieg der Bankkreditzinsen um 100
Basispunkte würde in Westeuropa zusätzliche Zinsaufwendungen von
sechs bis zehn Milliarden Euro verursachen.
Hinzu kommt die gestiegene Zahl aktiver Unternehmen: Zwischen 2021
und 2025 erhöhte sich ihr Bestand um rund zehn Prozent. Viele junge
Unternehmen verfügen über geringe finanzielle Reserven. In Europa
überlebt weniger als die Hälfte der Neugründungen länger als fünf
Jahre.
Zwtl.: Weltweit 2,7 Millionen Arbeitsplätze gefährdet
Die steigenden Insolvenzen wirken sich zunehmend auf den
Arbeitsmarkt aus. Nach Berechnungen von ACREDIA und Allianz Trade
sind 2026 und 2027 weltweit rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze direkt
gefährdet – 180.000 mehr als 2025.
Besonders betroffen ist Europa mit rund 1,6 Millionen gefährdeten
Arbeitsplätzen, gefolgt von Nordamerika mit 650.000. Für beide
Regionen könnte damit der höchste Stand seit 13 Jahren erreicht
werden. Die größten Risiken bestehen in Bauwirtschaft, Einzelhandel
und Dienstleistungen.
Zwtl.: Künstliche Intelligenz verändert den Wettbewerbsdruck
Neben konjunkturellen Faktoren könnte auch der technologische
Wandel die Insolvenzentwicklung beeinflussen. Eine Analyse von
ACREDIA und Allianz Trade in acht europäischen Volkswirtschaften
zeigt, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz bislang nicht
generell mit steigenden Insolvenzzahlen zusammenhängt. In kleineren
und weniger diversifizierten Märkten könnte KI jedoch die
Unterschiede zwischen technologischen Vorreitern und Nachzüglern
verstärken.
„Künstliche Intelligenz führt nicht automatisch zu mehr
Insolvenzen, kann aber bestehende Wettbewerbsunterschiede
verschärfen. Unternehmen, die neue Technologien erfolgreich
einsetzen, stärken ihre Marktposition. Wer notwendige Anpassungen
aufschiebt, gerät zunehmend unter Druck“, so Meierschitz.
Zwtl.: Ausblick: Entspannung braucht Zeit
Während sich die Insolvenzzahlen in Österreich 2026 stabilisieren
und 2027 leicht zurückgehen dürften, bleibt das internationale Umfeld
angespannt. Hohe Finanzierungskosten, schwaches Wachstum und
geopolitische Unsicherheiten werden die Unternehmenslandschaft
weiterhin prägen. Eine spürbare weltweite Entspannung wird erst für
2028 erwartet.
Die vollständige Insolvenzstudie von ACREDIA und Allianz Trade
finden Sie angefügt!