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Gefährliche Bronchiektasen: Wenn Husten zum Dauerzustand wird

Salzburg (OTS) – Chronischer Husten, zähflüssiger oder eitriger
Auswurf,
wiederkehrende, oft schwere Atemwegsinfekte: Immer mehr Menschen
leiden an Bronchiektasen, einer chronischen Lungenerkrankung, die
bisher als „Orphan Disease“, also als seltene Erkrankung, galt.

Internationale Studien zeigen: Die Zahl der diagnostizierten
Fälle steigt weltweit. Auch in Österreich wird mit einer Zunahme
gerechnet – darauf wiesen Expert*innen im Rahmen der Jahrestagung der
Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, (22. bis 24.
Oktober 2026 in Salzburg) hin.

Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, aber behandelbar.
Entscheidend ist eine frühzeitige Diagnose, um weitere
Krankheitsschübe und Lungenschäden möglichst zu verhindern. Und die
Behandlungsmöglichkeiten haben sich in jüngster Zeit erweitert: Neben
den bewährten Therapien steht nun auch ein Medikament zur Verfügung,
das gezielt in den Entzündungsprozess der Bronchien eingreift.

Zwtl.: Keine Seltenheit – aber häufig übersehen

Die Erkrankung wird weltweit immer häufiger diagnostiziert. In
Deutschland sind mehr als 100.000 Menschen betroffen, das entspricht
rund 120 von 100.000 Einwohner*innen. „Bronchiektasen kommen häufiger
vor als gedacht, sie werden jedoch zu selten erkannt. Viele
Betroffene leben jahrelang mit Husten und Auswurf, ohne dass jemand
der Ursache auf den Grund geht“, erklärt Prim. Clin. Ass. Prof. DDr.
Klaus Hackner, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am
Universitätsklinikum Krems und Medienreferent der ÖGP, anlässlich der
ÖGP-Jahrestagung.

Zwtl.: „Schleimfalle“ Bronchien

Die Ursachen für Bronchiektasen sind vielfältig. Doch unabhängig
davon, wodurch die Erkrankung ausgelöst wird, entsteht in den
Bronchien stets ein ähnlicher Ablauf.

„Bei Bronchiektasen sind einzelne Äste der Bronchien, also der
Atemwege, dauerhaft krankhaft erweitert und können auch Aussackungen
bilden. Diese Veränderungen stören die natürliche
Selbstreinigungsfunktion der Lunge und bilden sich nicht mehr zurück.
Es sammelt sich darin Schleim an, der nur schwer abgehustet werden
kann, wodurch Krankheitserreger ideale Bedingungen vorfinden“,
erläutert Lungenspezialist Hackner.

Ein Teufelskreis entsteht: Der Schleimstau begünstigt das
Entstehen von Infektionen, diese lösen Entzündungen aus, die wiederum
die Bronchialwände weiter schädigen.

Zwtl.: Jeder Krankheitsschub kann Lunge weiter schädigen

„Besonders problematisch sind akute Krankheitsschübe, sogenannte
Exazerbationen, bei denen Husten, Auswurf und Atemnot innerhalb
kurzer Zeit deutlich zunehmen. Jeder dieser Schübe kann die Lunge
weiter schädigen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen“,
betont Hackner.

Zwtl.: Alarmzeichen: Husten, Auswurf und immer wieder Infekte

Typisch für Bronchiektasen ist ein über Wochen oder Monate
anhaltender Husten, meist verbunden mit regelmäßigem, oft reichlichem
Auswurf („maulvoller Auswurf“). Dazu können Atemnot bei körperlicher
Belastung, wiederkehrende Atemwegsinfekte, die eine
Antibiotikabehandlung erfordern, sowie ausgeprägte Müdigkeit und
Abgeschlagenheit kommen. Gelegentlich findet sich auch Blut im
Auswurf.

Zwtl.: Richtige Diagnose ist entscheidend

Gerade weil diese Beschwerden auch bei anderen
Atemwegserkrankungen auftreten, wird die Diagnose häufig verzögert.
Sicher feststellen lassen sich Bronchiektasen mittels
Computertomografie der Lunge, bei der die krankhaften Erweiterungen
der Bronchien sichtbar werden.

„Entscheidend ist, dass die Erkrankung überhaupt erkannt wird.
Erst mit der richtigen Diagnose können wir gezielt behandeln, und je
früher wir damit beginnen, desto mehr Krankheitsschübe lassen sich
vermeiden und desto höher ist die Lebensqualität, die erhalten
bleibt“, betont Hackner.

Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt die ÖGP eine ärztliche
Abklärung, am besten bei Lungenfachärzt*innen oder in einem
spezialisierten Lungenzentrum.

Zwtl.: Neue Therapie greift gezielt in die Entzündung ein

Im Zentrum der Behandlung steht vor allem, den Schleim aus den
Atemwegen zu entfernen, Infektionen zu bekämpfen und weitere
Lungenschäden möglichst zu verhindern. Basis ist die tägliche
Reinigung der Atemwege mittels Atemphysiotherapie und spezieller
Techniken, um den Schleim zu lösen und abzuhusten. Dazu kommt bei
Bedarf die Gabe von Antibiotika. Und Begleiterkrankungen wie Asthma
oder COPD müssen natürlich auch behandelt werden.

Nun gibt es eine wichtige therapeutische Neuerung: Mit dem
Wirkstoff Brensocatib steht erstmals ein Medikament zur Verfügung,
das gezielt an der Entzündung in den Bronchien ansetzt. In einer
großen internationalen Studie konnte damit die Zahl akuter
Krankheitsschübe um rund ein Fünftel gesenkt werden.

„Das ist ein wichtiger Fortschritt für Menschen, die trotz
konsequenter Behandlung immer wieder Krankheitsschübe erleiden. Wir
können nun erstmals gezielt in einen wesentlichen
Entzündungsmechanismus eingreifen. Allerdings ist das Medikament
nicht für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet. Die Entscheidung
muss individuell getroffen werden“, erläutert Hackner.

Besonders erfreulich: Österreich gehörte zu den ersten
europäischen Ländern, in denen diese neue Therapie bereits abseits
von Studien verordnet werden kann. Österreichische Lungenfachärzt*
innen haben den Stellenwert der Behandlung in einem eigenen Expert*
innenstatement bewertet.

Zwtl.: Resümee: Warnsignal Husten – immer beachten!

Abschließend fasst ÖGP-Medienreferent Hackner zusammen: „Als
Faustregel gilt: Husten, der länger als acht Wochen anhält, muss
ärztlich abgeklärt werden. Und: Blut im Auswurf gehört immer sofort
untersucht. Entscheidend ist, dass die Erkrankung frühzeitig erkannt
wird und wir möglichst früh mit der Behandlung beginnen können.“

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