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ÖGB-Schuberth zu Bonin: Beschäftigte dürfen nicht die Rechnung für die Krise zahlen

Wien (OTS) – ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth weist die
Aussagen von
IHS-Direktor Holger Bonin in der heutigen ORF-„Pressestunde“ zurück.
Die Kritik an Kollektivverträgen und Benya-Formel sowie Forderungen
nach einem höheren Pensionsantrittsalter gehen aus Sicht des ÖGB an
der Lebensrealität der Beschäftigten vorbei. Auch bei den
Spritpreisen dürfe die Verantwortung nicht einseitig bei den
Arbeitnehmer:innen abgeladen werden.

Benya-Formel sichert faire Beteiligung am Wohlstand

Bonins Kritik an angeblich zu hohen Lohnabschlüssen greift zu
kurz. In Österreich werden Kollektivverträge seit jeher nach Branchen
verhandelt. Die jeweilige wirtschaftliche Lage wird dabei
berücksichtigt. Gleichzeitig mussten die Lohnabschlüsse der
vergangenen Jahre massive Kaufkraftverluste infolge der hohen
Inflation ausgleichen.

„Wer die Benya-Formel angreift, greift direkt die Beschäftigten
an. Jeder Angriff auf die kollektivvertragliche Lohnentwicklung ist
ein Angriff auf ihre Kaufkraft, ihre Leistung und ihren gerechten
Anteil am Wohlstand. Wer den Beschäftigten faire Lohnabschlüsse
streitig macht, will, dass sie die Rechnung für andere bezahlen. Das
werden wir nicht hinnehmen“, sagt Schuberth.

Weitere Lohnzurückhaltung wäre aus Sicht des ÖGB auch
wirtschaftlich kontraproduktiv. Niedrigere Reallöhne bedeuten weniger
Kaufkraft und damit weniger privaten Konsum. Gerade in einer
schwachen Konjunktur braucht Österreich aber Nachfrage und keine
weitere Schwächung der Einkommen.

Spritpreisbremse: Nicht nur Beschäftigte in die Pflicht nehmen

Auch Bonins Kritik an der Spritpreisbremse macht es sich zu
einfach. Österreich kann die Weltmarktpreise für Öl nicht bestimmen.
Sehr wohl kann die Politik aber Maßnahmen setzen, damit
Mineralölkonzerne nicht durch überhöhte Margen zusätzlich an
steigenden Preisen verdienen.

„Wer gegen die Spritpreisbremse argumentiert, muss auch erklären,
warum die Beschäftigten die volle Last der Krise tragen sollen,
während die Gewinnmargen der Ölkonzerne unangetastet bleiben.
Entlastung und faire Preise sind kein Widerspruch“, betont Schuberth.

Höheres Pensionsantrittsalter bedeutet für viele längere
Arbeitslosigkeit

Kritisch sieht der ÖGB auch Bonins Forderungen bei den Pensionen.
Das Antrittsalter für die Korridorpension wird bereits schrittweise
von 62 auf 63 Jahre angehoben. Eine weitere Erhöhung sowie ein
höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter ignorieren die Situation
älterer Arbeitnehmer:innen am Arbeitsmarkt.

„Ein höheres Pensionsantrittsalter schafft noch keinen einzigen
altersgerechten Arbeitsplatz. Wenn ältere Menschen keine
Beschäftigung finden, bedeutet später in Pension zu gehen vor allem
eines: längere Arbeitslosigkeit statt längerer Beschäftigung“, so
Schuberth.

Auch eine Schwächung der gesetzlichen Pension zugunsten
kapitalgedeckter Modelle lehnt der ÖGB ab. Damit würden Risiken der
Alterssicherung stärker von der Solidargemeinschaft auf die einzelnen
Beschäftigten verlagert.

Der ÖGB fordert:

– Faire Kollektivvertragsabschlüsse , die Kaufkraft sichern und
Beschäftigte angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung
beteiligen.

– Wirksame Maßnahmen gegen überhöhte Spritpreise und Margen , statt
die Belastungen einseitig auf Arbeitnehmer:innen abzuwälzen.

– Gute und altersgerechte Arbeitsplätze statt höherem
Pensionsantrittsalter , damit Menschen gesund bis zur Pension
arbeiten können.

Über uns:

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
www.oegb.at