St. Pölten (OTS) – Bei einer heutigen Pressekonferenz zum Thema
„Künstliche Intelligenz
in der Landwirtschaft“ in der HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg,
informierten LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf,
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Heinrich Prankl, Leiter
Forschung und Innovation am Francisco Josephinum sowie
Geschäftsführer von Josephinum Research, über aktuelle Entwicklungen
und neue Forschungsschwerpunkte. Im Mittelpunkt standen die Forschung
zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft
sowie die neue Stiftungsprofessur „Datenzentrierte KI in der
Landwirtschaft“. Bei der Konferenz „AI meets Agriculture“ kamen
Forschung, Unternehmen, Verwaltung und landwirtschaftliche Praxis
zusammen, um neueste Entwicklungen in die Anwendung zu bringen. Im
Mittelpunkt stand die Frage, wie KI vom Konzept auf das Feld und in
die landwirtschaftlichen Betriebe kommt.
„Die Landwirtschaft war immer schon ein Pionier, wenn es darum
geht, mit neuen Technologien Arbeit zu erleichtern und Erträge zu
verbessern“, sagte Pernkopf, der auch betonte: „Heute geht es darum,
Forschung und Entwicklung so einzusetzen, dass wir mehr produzieren
können und gleichzeitig Betriebsmittel und Ressourcen schonen.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen dafür neue
Chancen, und Niederösterreich will bei diesem Innovationssprung vorne
dabei sein und ihn nicht allein anderen Weltregionen überlasse, denn
das ist auch eine Frage der Sicherheit. Entscheidend ist für mich
aber: Die Technik muss den Bäuerinnen und Bauern dienen, sie muss
eine Hilfe und keine zusätzliche Hürde sein. Genau deshalb stärken
wir die Forschung in Wieselburg und investieren in konkrete Lösungen,
die im täglichen Betrieb ankommen und damit auch die
Versorgungssicherheit stärken“. Wieselburg sei ein idealer Standort,
um diese Entwicklungen zusammenzuführen, weil hier Forschung,
Ausbildung und praktische Erprobung unmittelbar miteinander verbunden
sind, sprach der LH-Stellvertreter einen weiteren Aspekt an. „Wir
wollen die besten Köpfe und die besten Ideen zusammenbringen und
daraus Lösungen entwickeln, die auf den Höfen tatsächlich
funktionieren. So stärken wir nicht nur den Forschungsstandort
Niederösterreich, sondern leisten auch einen Beitrag dazu, dass
unsere Landwirtschaft international wettbewerbsfähig bleibt. Wo, wenn
nicht in Wieselburg, soll das Silicon Valley der modernen
Landwirtschaft entstehen?“, so Pernkopf, der auch für die
Wissenschaft in Niederösterreich zuständig ist.
Bundesminister Totschnig führte aus: „Heute stehen die Bäuerinnen
und Bauern mit der Künstlichen Intelligenz vor einem großen
Fortschritt und das in einer Zeit, wo die österreichische
Landwirtschaft vor vielen Herausforderungen steht:
Versorgungssicherheit, Klimawandel, steigende Anforderungen an
Ressourceneffizienz und gleichzeitig der zunehmende Bedarf an
Arbeitskräften verlangen nach neuen Lösungen. Künstliche Intelligenz
und Digitalisierung können dabei enorme Chancen bringen,
Arbeitsabläufe erleichtern und helfen, Ressourcen gezielter
einzusetzen. Diese neuen Möglichkeiten sollen allen
landwirtschaftlichen Betrieben offenstehen. Wir wollen deshalb
Forschung und Innovation nicht nur fördern, sondern auch dafür
sorgen, dass neue Technologien unter realen Bedingungen getestet und
für die Praxis nutzbar gemacht werden. Wir als
Landwirtschaftsministerium schaffen die Voraussetzungen dafür, dass
Unternehmen, Forschungseinrichtungen und landwirtschaftliche Betriebe
gemeinsam an diesen Lösungen arbeiten können. Unser Ziel ist eine
moderne, wettbewerbsfähige und nachhaltige Landwirtschaft, in der
Digitalisierung einen konkreten Mehrwert für die Betriebe bringt“.
Heinrich Prankl, Leiter Forschung und Innovation am Francisco
Josephinum sowie Geschäftsführer von Josephinum Research, meinte:
„Wir haben Möglichkeiten geschaffen, um Unternehmen dabei zu
unterstützen, gute Produkte auf den Markt zu bringen. Dafür testen
wir KI- und Robotiklösungen unter Praxisbedingungen und untersuchen
unter anderem die Effizienz der Roboter. Die Landwirtschaft braucht
geeignete Maschinen und Systeme, die auch leistbar sind. Unser Ziel
ist es, aus Forschungsergebnissen praxistaugliche Anwendungen zu
entwickeln, die eine effizientere, nachhaltigere und zukunftsfähige
Landwirtschaft ermöglichen.“
Franz Sümecz von der TU-Wien sagte: KI ist eine Revolution, wir
haben ganz exzellente Forschungseinrichtungen in Österreich.
Entscheidend ist aber, die KI auch in die Anwendung zu bringen. Der
niederschwellige Technologietransfer ist die große Herausforderung.“
Karl Kugler von der AI Factory Austria hob hervor: „Geopolitische
Herausforderungen zerreißen die Lieferketten, und mittendrin steht
die Landwirtschaft. Starke Grundlagenforschung kann genutzt werden,
um nachhaltigen Nutzen zu schaffen und den Bäuerinnen und Bauern
weiterzuhelfen.
Niederösterreich stellt für die neue Stiftungsprofessur
„Datenzentrierte KI in der Landwirtschaft“ rund 1,5 Millionen Euro
zur Verfügung. Die Professur wird an der FH Wiener Neustadt in
Kooperation mit dem Francisco Josephinum in Wieselburg eingerichtet
und umfasst neben der Professur auch wissenschaftliches Personal und
neue Lehrinhalte. Auf die Ausschreibung hätten sich 15 hochkarätige
Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Zu den zentralen
Forschungsfeldern zählen die Wachstumsmodellierung, nachhaltiger
Pflanzenschutz und Biodiversität sowie die Optimierung von
Entscheidungs-Unterstützungssystemen.
Wie groß das praktische Potenzial von Digitalisierung und KI ist,
zeigen bereits zahlreiche Anwendungen. Mit der WebApp TerraZo von
Josephinum Research kann beispielsweise eine teilflächenspezifische
Düngung unterstützt werden, ohne dass Landwirtinnen und Landwirte
dafür teure zusätzliche Geräte oder Software anschaffen müssen.
Kamerabasierte KI-Systeme können Kulturpflanzen und Unkräuter in
Echtzeit unterscheiden und ermöglichen dadurch eine punktgenaue
Unkrautbekämpfung mit Spritzmitteln oder Lasersystemen. Auch GPS- und
Satellitennavigation, automatisierte Melk- und Fütterungssysteme
sowie weitere digitale Entscheidungshilfen tragen bereits heute dazu
bei, Betriebsmittel effizienter einzusetzen, Arbeitsabläufe zu
erleichtern und Zeit zu sparen.
Die Konferenz „AI meets Agriculture“ zeigt anhand konkreter
Projekte, wie KI-Anwendungen von der Forschung über Testumgebungen
bis in die landwirtschaftliche Praxis gebracht werden können. Am
Nachmittag stehen unter anderem Hackroboter, autonome Drohnen und
Spot-Spraying-Lösungen im Mittelpunkt, die beim „Feld der
Innovationen“ von Josephinum Research praktisch präsentiert werden.
Weitere Informationen: DI Jürgen Maier, Pressesprecher LH-
Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf, Telefon +43 2742 9005-12704,
Mobiltelefon +43 676 812 15283, E-Mail [email protected]