Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am
19. Oktober
2026 befasst sich u. a. mit dem neu erschienenen Fotoband „The Third
Eye“, der den ehemaligen „Beatle“ George Harrison als Fotokünstler
zeigt: In seinen Jahren mit der Kultband dokumentierte dieser den Weg
der „Fab 4“ von den Anfängen bis zu den größten Erfolgen sowie auch
in stillen Momenten. Weiters widmet sich die Sendung den
bevorstehenden „Midterms“, den Zwischenwahlen in den USA, aus
kulturhistorischen Blickwinkeln und lässt dazu auch den ehemaligen
österreichischen Botschafter in den Vereinigten Staaten Martin Weiss
live im Studio zu Wort kommen. Außerdem Thema: Ulrike Ottingers neuer
Kinofilm „Die Blutgräfin“ mit Schauspielstar Isabelle Huppert in der
Titelrolle.
Anschließend an das Magazin steht in der neuen, bereits 20.
Ausgabe des intimen Konzert-Talkformats „Wechselspiele“ (23.25 Uhr)
mit Teresa Vogl „Der Nino aus Wien“ im Mittelpunkt.
Von Liverpool bis Tahiti – George Harrison als Fotograf
Er gilt als der Stillste der Beatles. Lange Zeit stand George
Harrison im Schatten von John Lennon und Paul McCartney – und doch
hatte er als Leadgitarrist und Sänger der Kultband Einfluss auf die
Musik- und Popgeschichte. Der im November vor 25 Jahren verstorbene
Musiker, den Freunde und Weggefährten als nahezu schüchtern und
bescheiden beschreiben, hat mit seinem charakteristischen
Gitarrenspiel und seiner sanften Stimme zum typischen Beatles-Sound
beigetragen. Als Komponist wurde Harrison von den anderen Beatles,
aber auch von der Öffentlichkeit unterschätzt. Aus seiner Feder
stammten aber zahlreiche Klassiker vor allem der späteren Periode,
etwa „While My Guitar Gently Weeps“, „Taxman“, „Here Comes The Sun“
oder der von Frank Sinatra als einer der schönsten Liebessongs
bezeichnete Titel „Something“, den dieser irrtümlicherweise
Lennon/McCartney zuschrieb. Harrison hat die Beatles durch seine
spirituelle Reise in die indische Mythologie beeinflusst und war
dabei auch einer der Wortführer der 1968er Bewegung. Bei den Touren
der „Fab 4“ um die Welt hatte er seine Pentax-Fotokamera immer dabei
und dokumentierte von Anbeginn den Weg seiner Band von Liverpool bis
Tahiti, in TV-Studios ebenso wie in stillen Momenten abseits des
Rampenlichts. Jetzt hat seine Witwe Olivia Harrison persönliche
Fotografien und 8-mm-Filmstills in dem Buch „The Third Eye“
herausgebraucht. Darin wird der Aufstieg der Band bis zur weltweiten
Beatlemania dokumentiert. Die Fotografien zeigen die Gruppe auf ihrer
ersten Reise in die USA, im australischen Outback und auf Pariser
Shoppingtouren. George Harrisons spontane, ehrliche Aufnahmen –
geprägt von Witz, Intelligenz und Experimentierfreude – eröffnen
einen exklusiven und sehr persönlichen Blick auf die Menschen hinter
der Legende.
Halbzeit – Die Zwischenwahlen in den USA
Die „Midterms“ genannten Zwischenwahlen am 3. November könnten
die Machtverhältnisse in den USA verschieben. Sowohl im
Repräsentantenhaus als auch im Senat könnten sich neue Mehrheiten
ergeben. Während Demokraten auf eine „blaue Welle“ hoffen, versucht
Präsident Donald Trump das Wahlrecht einzuschränken. Historisch
betrachtet lässt sich ein Muster ablesen: Die Partei, die gerade
nicht das Weiße Haus hält, legt bei den Midterms zu. Diesen November
könnten die Demokraten die Kontrolle über beide Häuser des US-
Kongresses zurückerobern – es werden das Repräsentantenhaus mit 435
Abgeordneten und ein Drittel des Senats, der insgesamt 100 Sitze hat,
neu gewählt. Trumps immer schwächere Umfragewerte unterstreichen
diese geschichtsbasierte Annahme. Umfragen belegen, dass derzeit
gerade einmal ein Drittel der amerikanischen Wählerinnen und Wähler
noch hinter dem Präsidenten steht. Historisch hat der US-
amerikanische Schriftsteller Richard Ford die Zwischenwahlen immer
wieder als Seismografen für den Zustand der amerikanischen Seele
genutzt. Der 82-Jährige, dessen Romane immer das Politische im
Privaten spiegeln, zeigte sich nach Trumps erneutem Wahlsieg
erschüttert. Trotz seiner Frustration und der tiefen
gesellschaftlichen Spaltung im Vorfeld der Kongresswahlen 2026 lehnt
Ford Resignation ab. Sein Credo für liberale Amerikaner lautet:
„Bleiben und sich der Lage stellen“ – also durch demokratische
Teilhabe und Bürgersinn gegenzusteuern, statt das Land abzuschreiben.
Sein 56-jähriger Kollege Dave Eggers ist deutlicher. Er
prognostiziert einen massiven Einbruch der Republikaner und geht von
einem regelrechten Erdrutschsieg der Demokraten aus. Live im Studio
begrüßt Clarissa Stadler Martin Weiss, den ehemaligen
österreichischen Botschafter in den Vereinigten Staaten.
Blutgeleckt – „Die Blutgräfin“ auf der Viennale
Als untote Aristokratin reiste Elisabeth Báthory im 17.
Jahrhundert durch die österreichische Hauptstadt und erledigte mit
einem Biss ihre Opfer. Diese historische Figur hat die deutsche
Regisseurin Ulrike Ottinger als Vorlage zu ihrer schwarzhumorigen
Gesellschaftssatire „Die Blutgräfin“ inspiriert. Báthory, die als die
Urmutter der Vampire gilt, wird von der französischen Schauspiel-
Ikone Isabelle Huppert gespielt. Sie wird als Mörderin verurteilt und
taucht Jahrzehnte nach ihrem mysteriösen Verschwinden im heutigen
Wien wieder auf. Gemeinsam mit ihrer treuen Kammerzofe Hermine,
dargestellt von Birgit Minichmayr, versucht sie ein gefährliches Buch
aufzuspüren, das die Macht besitzt, alles Böse zu vernichten –
einschließlich Vampiren. Das Duo begibt sich auf eine Schnitzeljagd
entlang der prächtigen historischen Orte der Stadt und rekrutiert den
melancholischen Neffen der Gräfin, einen Vegetarier-Vampir, sowie
dessen Psychotherapeuten, um ihre Suche bis nach Böhmen auszuweiten.
Wien bietet sich als perfekter Schauplatz für Ottingers barocke,
rauschhafte Kostümgroteske an: Gegenwart und Vergangenheit fließen
ineinander, und die unterirdischen Gänge der U2 lassen sich mühelos
mit der Habsburger Herzerlgruft, dem Café Hawelka, der Pestsäule oder
dem Riesenrad verbinden. Im Februar feierte die opulente
Abenteuergeschichte auf der Berlinale Premiere. Bevor der Film, bei
dem Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek am Drehbuch mitgewirkt hat,
regulär Ende Oktober in den österreichischen Kinos anläuft, zeigt
Festivalleiterin Eva Sangiorgi ihn auf der diesjährigen Viennale.
„Wechselspiele – Der Nino aus Wien“ (23.25 Uhr)
Das intime ORF-Konzert-Talk-Format „Wechselspiele“ feiert ein
Jubiläum: In der mittlerweile 20. Ausgabe begrüßt Moderatorin Teresa
Vogl den österreichischen Singer-Songwriter Der Nino aus Wien zu
einer exklusiven musikalischen Begegnung in St. Corona am Wechsel. Im
Gespräch erzählt er über seinen künstlerischen Werdegang, seine
Inspirationen, und stellt Songs aus seinem neuesten Album vor. Bei
der TV-Aufzeichnung führte Alex Wieser Regie. Gemeinsam mit dem
Pianisten Milan Begović spielt der „Bob Dylan vom Praterstern“ – wie
Nino Mandl alias Der Nino von Wien von der Wochenzeitung „Falter“
einst genannt wurde – Klassiker und Neues aus seinem reichhaltigen
Repertoire.
Wenn man seinen Songs lauscht, sieht man sie plastisch vor sich:
die Wiener Charaktere wie die Trafikantinnen und Trafikanten,
Taxler:innen sowie Kiffer:innen und Trankler:innen, mit denen der
Musiker in seinen Songs konferiert und sympathisiert. In seiner
unverwechselbaren Mischung aus Alltagsbeobachtung und tragikomischem
Dramulett lässt er als Chronist seiner Stadt und ihrer diversen
Szenen in seinen Songs (Unter-)Welten entstehen.
In St. Corona interpretieren die beiden Künstler Nino-Songs im
neuen musikalischen Gewand und präsentieren Lieder des aktuellen
Albums „Neubau alone“. Im Gespräch mit Kulturmoderatorin Teresa Vogl
gehen sie dem Sound der Stadt Wien auf den Grund und philosophieren
über Rhythmus, Reim und Randfiguren.