Wien (OTS) – Vor dem morgigen „Tag zur Beseitigung von Armut“ schlägt
die
Volkshilfe noch einmal Alarm und warnt vor einer Sozialhilfereform,
die Armutslagen verschärft und Kinder schlechter stellt.
Statt Armut zu bekämpfen, drohen mit dem aktuellen Sozialhilfe-
Entwurf vor allem Kürzungen bei Kindern. In Salzburg etwa könnte eine
Familie mit drei Kindern im Monat 369 Euro verlieren, wenn sich das
Bundesland an den geplanten, degressiven Vorgaben des Bundes
orientiert. Die Volkshilfe fordert daher von den Verhandler*innen,
sich nicht an Negativbeispielen wie der Steiermark, Ober- und
Niederösterreich zu orientieren, wo die Unterstützung schon jetzt bei
Weitem nicht die realen Kinderkosten deckt.
“ In den aktuellen Diskussionen hören wir vor allem, es gehe
darum, Menschen in Arbeit zu bringen. Dieses Ziel begrüßen wir, nur
die Maßnahmen dazu fehlen. In der Frage, ob arbeitsfähige Menschen
durch Sanktionen schneller in Arbeit gelangen, fordern wir eine
ehrliche Diskussion. Was stattdessen passiert, ist das Ausspielen von
Geringverdiener*innen gegen Menschen, die aus unterschiedlichen
Gründen entweder gar nicht arbeiten können oder nicht schneller in
Arbeit kommen können”, warnt Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger
anlässlich des internationalen Tages zur Beseitigung von Armut.
“Dabei existiert die große Neiddebatte vor allem in den Medien.
Im Gegensatz dazu, was medial gerne behauptet wird, wissen wir aus
repräsentativen Umfragen, dass eine Mehrheit der Menschen in
Österreich eine Sozialhilfe befürwortet, die Armut und soziale
Ausgrenzung verhindert”, so Fenninger.
Neun von zehn Befragten hielten bei einer österreichweiten
Befragung 2025 soziale Absicherung in Form einer Sozialhilfe für eine
wichtige staatliche Aufgabe (Volkshilfe Sozialbarometer 2025, Studie
Foresight).
“Für Erwachsene braucht es eine Sozialhilfe, die existenzsichernd
ist. Für Kinder fordern wir nach wie vor: Kinder raus aus der
Sozialhilfe, rein in eine Kindergrundsicherung. Damit würden wir alle
Kinder in Österreich absichern, auch jene benachteiligten Kinder, die
bisher keine ausreichende Unterstützung bekommen, wie beispielsweise
Kinder in Working Poor Familien”, so Fenninger weiter.
Das sieht auch die Mehrheit der Menschen in Österreich so: Vor
dem Hintergrund, dass viele Menschen, die Anspruch auf Sozialhilfe
haben, diese aus Angst oder Scham nicht abholen, stimmen drei Viertel
der Befragten im aktuellen Sozialbarometer der Absicherung aller
Kinder durch eine Kindergrundsicherung zu (Volkshilfe Sozialbarometer
2026, Studie Foresight).
“Der derzeitige Vorschlag zur Sozialhilfereform leistet keine
effektive Armutsbekämpfung. Im Gegenteil: Besonders für Kinder mit
mehreren Geschwistern drohen deutliche Verschlechterungen. Dabei gibt
es gar keine eindeutige wissenschaftliche Evidenz, dass
Mehrkindfamilien wesentliche Einsparungspotenziale haben. Wer
Familien mit mehr Kindern durch stark reduzierte Sätze sanktioniert,
bestraft in erster Linie die Kinder selbst. Da sollte man sich in
einem reichen Land wie Österreich fragen, ob wir das wollen” , so
Fenninger abschließend.