Maria Enzersdorf (OTS) – Die Verteilernetze müssen flexibler werden,
um die wachsende Menge an
erneuerbarem Strom aufnehmen zu können. Die digitalen Technologien
für diese Aufgabe bringen auch Innovations-Impulse für den
Wirtschaftsstandort. Zu diesem Ergebnis kam eine hochkarätige
Teilnehmer-Runde beim Netz Talk des Forums Versorgungssicherheit am
6. Oktober 2026. Der Sprecher des Forums Versorgungssicherheit,
Florian Pilz, verwies darauf, dass sich mit der Energiewende auch die
Rolle der Verteilernetze verändert: „Wir wandeln uns vom
Leitungsbauer zum Datenmanager.“
Als Gastgeber der Veranstaltung zeichnete Netz-Niederösterreich-
Geschäftsführer Werner Hengst ein klares Bild vom künftigen
Selbstverständnis der Netzbetreiber: „Die Energiezukunft ist bereits
Gegenwart. Wir müssen Energieflüsse intelligent steuern und immer
größere Datenmengen beherrschen. Dafür brauchen wir neben neuen
Technologien vor allem verlässliche gesetzliche und regulatorische
Rahmenbedingungen.“
Zwtl.: Effizienz als wichtiges Ziel
Wie groß die Herausforderung ist, zeigte Univ.-Prof. Sonja
Wogrin, Leiterin des Instituts für Elektrizitätswirtschaft und
Energieinnovation an der TU Graz, in ihrem Impulsvortrag.
Untersuchungen ihres Instituts haben gezeigt, dass sich die Effizienz
der Netze enorm steigern lässt, wenn die Einspeisung von theoretisch
möglichen Erzeugungsspitzen begrenzt wird: „Wenn durch Spitzenkappung
1,8 Prozent der möglichen Jahresleistung abgeregelt werden,
ermöglicht das die Aufnahme von zusätzlichen 32 Prozent an PV- oder
Wind-Produktion. Ein geringer Preis für einen hohen
volkswirtschaftlichen Gewinn.“
Eine zunehmend wichtige Rolle werden Speicher spielen.
Allerdings, so Wogrin, hängt es stark von Standort und Betriebsweise
ab, ob Speicher die Netze flexibler machen. Ein Speicher, der
ausschließlich auf Marktpreise reagiert, kann eine lokale
Netzbelastung im ungünstigen Fall sogar verschärfen. Netzdienlich
gesteuerte Speicher können hingegen gezielt Einspeisespitzen
reduzieren und Spannungen stabilisieren.
Zwtl.: Treiber der Innovation
Brigitte Bach, Sprecherin der Geschäftsführung des AIT Austrian
Institute of Technology, weitete in ihrem Impulsvortrag den Blick auf
die technologische und wirtschaftspolitische Dimension. Der Standort
Österreich braucht angewandte Forschung als Brücke zwischen
Wissenschaft, Wirtschaft und konkreter Umsetzung, betonte Bach: „Die
Stromnetze können hier zu Treibern der Innovation werden. Die
steigende Komplexität des Stromsystems macht eine kontinuierliche
Weiterentwicklung der eingesetzten Technologien nötig, hier bietet
sich eine Partnerschaft zwischen Netzbetreibern und
Forschungseinrichtungen an.“
In der anschließenden, vom Politikberater Thomas Hofer
moderierten Diskussion kam die politische Dimension der
Herausforderungen zur Sprache. Laurenz Pöttinger (Energiesprecher der
ÖVP), Paul Hammerl (Energiesprecher der FPÖ), Ines Holzegger (
Digitalisierungssprecherin der NEOS) sowie Franz Angerer (Leiter der
Energieagentur) beleuchteten unterschiedliche Probleme bei der
Umsetzung der Ziele in der Praxis. Einig war sich die Runde darüber,
dass Energiepolitik auf politischer Ebene möglichst ideologiefrei
diskutiert werden sollte und dass Expertenwissen bei allen
Entscheidungen eine zentrale Rolle spielen müsse.
Brigitte Bach regte schließlich an, eine dauerhafte Expertenrunde
zur Beratung der Energiepolitik zu schaffen. Die Anregung wurde von
Seiten der Politik zustimmend aufgenommen.
Die Diskussion machte deutlich: Das Stromnetz der Zukunft ist
keine passive Infrastruktur mehr. Es wird zur Plattform eines
zunehmend dezentralen und flexiblen Energiesystems. Ob Österreich die
Energiewende kosteneffizient bewältigt und zugleich seine
industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärkt, wird daher wesentlich davon
abhängen, wie rasch Politik und Regulierung diese neue Rolle der
Netze ermöglichen.
Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von
fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich,
Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.
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