Wien (OTS) – Der heute im parlamentarischen Tourismusausschuss
präsentierte
Tourismusbericht, zeigt erneut eine starke Entwicklung, was die
touristischen Erfolge betrifft: Mit 48,2 Mio. Gästeankünften und
157,3 Mio. Nächtigungen wurden 2025 neue Höchstwerte erreicht.
Gegenüber 2024 stiegen die Ankünfte um 3,1 Prozent und die
Nächtigungen um 1,9 Prozent; im Vergleich zu 2019 lagen die Werte
bereits um 4,3 beziehungsweise 3 Prozent höher.
Für Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, stehen
diese Zahlen in deutlichem Widerspruch zur Krisenerzählung der
Branche: „Ein Rekord jagt den nächsten, die Gästezahlen steigen und
Österreich bleibt international gefragt. Gleichzeitig hören wir von
Arbeitgeberseite seit Monaten, wie schlecht es den Betrieben
angeblich geht. Es stellt sich längst die Frage, wie glaubwürdig
diese Märchenerzählung von der Dauerkrise ist.“
Mit dem neuen Kollektivvertrag steigen die Löhne in Hotellerie
und Gastronomie ab Oktober im Durchschnitt um 3,02 Prozent. In der
größten und am niedrigsten entlohnten Lohngruppe beträgt das Plus
3,48 Prozent. Bei einer zugrundeliegenden Inflationsrate von 3,6
Prozent bedeutet das für die Beschäftigten einen realen
Kaufkraftverlust.
„Nicht einmal den Lehrlingen die Teuerung abzugelten und
gleichzeitig über einen Fachkräftemangel zu klagen, ist an
Doppelzüngigkeit nicht zu überbieten. Einmal mehr haben die Menschen
in Küchen, im Service, im Housekeeping, an den Rezeptionen und in
vielen weiteren Bereichen die Erfolge im österreichischen Tourismus
erarbeitet. Die Branchenvertreter sollen endlich aufhören, so zu tun,
als wäre es wirtschaftlich unzumutbar, sie anständig zu bezahlen“, so
Hebenstreit.
Kritisch sieht vida auch die Strategie, einen vermeintlichen
Arbeitskräftemangel über Saisonkontingente und die Rot-Weiß-Rot-Karte
zu lösen. Gerade in Beherbergung und Gastronomie werden unaufhörlich
Arbeitskräfte aus Drittstaaten angeworben. Und dies, obwohl die
Arbeitslosigkeit wieder einmal zugelegt hat. Ende September 2026
waren insgesamt rund 381.000 Menschen beim AMS arbeitslos oder in
Schulung vorgemerkt, um rund 6.000 bzw. 1,6 Prozent mehr als vor
einem Jahr. Während laut AMS die Arbeitslosigkeit bei Ausländern auf
konstantem Niveau blieb, hat auch die Beschäftigungslosigkeit bei
Inländern um 4,3 Prozent zugelegt.
Die Zahl der Schulungsteilnehmer hat abgenommen: „Das bedeutet,
dass die Qualifizierung im Land abnimmt, trotz angeblichem
Fachkräftebedarf. Erneut gesunken ist auch die Gesamtzahl der sofort
verfügbaren offene Stellen. Dazu kommt noch, dass Tausende Lehrlinge
derzeit verzweifelt und chancenlos auf der Suche nach einem
Ausbildungsplatz sind“, zeigt Hebenstreit kein Verständnis für das
Jammern der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung nach
Fachkräften.
In dieses Bild würden auch die Ergebnisse des aktuellen
Tourismusberichts im Parlament passen: 2025 waren rund 228.600
Personen unselbstständig in Beherbergung und Gastronomie beschäftigt.
Gleichzeitig wurden rund 41.100 Arbeitslose beziehungsweise
Teilnehmer:innen an AMS-Schulungen sowie 7.700 offene Stellen
ausgewiesen. Der Anteil ausländischer Beschäftigter stieg auf 60
Prozent, so der vida-Gewerkschafter ergänzend.
„Was machen hingegen die Betriebe in der Tourismusbranche? Sie
klagen über zu wenig Fachkräfte im Inland, sind aber gleichzeitig
nicht bereit, das naheliegendste Mittel dagegen einzusetzen:
Ausbilden, anständige Löhne und attraktivere Arbeitsbedingungen“,
kritisiert Hebenstreit: „Wer Menschen für möglichst wenig Geld
arbeiten lässt, löst keinen Fachkräftemangel – er hält lediglich den
Lohndruck hoch.“
„Keine Frage, die Situation kann in einzelnen Betrieben
unterschiedlich sein. Aber als Begründung dafür, die Löhne einer
ganzen Branche niedrig zu halten, taugt das Märchen von der
Dauerkrise nicht. Ein erfolgreicher Tourismus braucht nicht nur volle
Betten und volle Gaststuben, sondern auch Beschäftigte, die mit
anständigen Löhnen bezahlt werden“, so Hebenstreit abschließend.