Wien (OTS) – „Das erweiterte Untersuchungsprogramm im
Eltern-Kind-Pass ist
inhaltlich ein wichtiger und richtiger Schritt. Mehr Beratung, ein
zusätzlicher Ultraschall, ein stärkerer Blick auf psychische, soziale
und gesundheitliche Belastungen: Genau diese Weiterentwicklung wurde
in der letzten Regierungsperiode auf den Weg gebracht, weil Vorsorge
für Schwangere, Babys und Familien besser werden muss“, sagt Ralph
Schallmeiner, Gesundheitssprecher der Grünen, zur Erweiterung des
Eltern-Kind-Passes ab 1. Oktober.
„Aber ein gutes Programm auf dem Papier hilft wenig, wenn nicht
sichergestellt ist, dass es überall in Österreich gleichermaßen
funktioniert. Die letzten Tage haben deutlich gezeigt: Es gibt offene
Fragen bei Zusatzheften, Abrechnung, Ordinationssoftware und
Zuständigkeiten. Wenn wenige Tage vor dem Start Ärzt:innen, Länder
und Ministerium öffentlich darüber streiten, wer was wann bekommen
hat, dann ist das kein professioneller Roll-out, sondern ein
Alarmsignal“, kritisiert Schallmeiner.
Schallmeiner nimmt dabei Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike
Königsberger-Ludwig deutlich in die Pflicht: „Königsberger-Ludwig
kann sich nicht hinter Zuständigkeiten verstecken. Wenn der Bund ein
Programm startet, muss das Ministerium dafür sorgen, dass alle
offenen Fragen rechtzeitig geklärt sind, mit den Ländern, mit der
Sozialversicherung, mit den Ärzt:innen, Hebammen und Spitälern.
Familien dürfen nicht erst in der Ordination erfahren, dass die
Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.“
Auch die Länder seien in der Verantwortung, so Schallmeiner: „Die
Verschiebung des elektronischen Eltern-Kind-Passes um zumindest ein
Jahr ist auch deshalb bitter, weil Länder seit Monaten auf Bremse und
Pilotbetrieb gedrängt haben. Natürlich braucht es Sicherheit und
funktionierende Schnittstellen, aber genau dafür gibt es
Projektmanagement, Testphasen und klare Verantwortlichkeiten. Dass
Österreich am Ende wieder beim Zusatzheft landet, ist für ein
modernes Gesundheitssystem ein Armutszeugnis.“
„Der Eltern-Kind-Pass ist eine der wichtigsten Vorsorgeleistungen
unseres Landes. Er darf nicht davon abhängen, in welchem Bundesland
eine Familie lebt, welche Ordination schon vorbereitet ist oder ob
ein Heft rechtzeitig angekommen ist. Königsberger-Ludwig muss jetzt
umgehend transparent machen, was geklärt ist, was noch offen ist und
wie ein österreichweit einheitlicher Start der neuen Leistungen
sichergestellt wird. Schöne Programme zu präsentieren ist zu wenig,
sie müssen auch bei den Familien ankommen“, meint Schallmeiner.