Shanghai (OTS) – Zunächst liegt die Bühne völlig im Dunkeln. Dann
schneiden
dramatische Lichtkegel durch die Arena, Tänzergruppen formieren sich,
frühere Champions tragen die chinesische Flagge herein: Mit einer
bombastischen Show sind die WorldSkills 2026 in Shanghai am Dienstag
eröffnet worden. Zur Nationalhymne erhebt sich das Publikum: Das
offizielle China – vertreten durch den Premierminister – hat den
weltbesten jungen Fachkräften den roten Teppich ausgerollt. Die
Botschaft ist klar: Das Reich der Mitte startet mit höchster
Präzision in die Berufsweltmeisterschaften.
Österreich wird von Wiener Fahnenträger angeführt
Den Mittelpunkt des Abends bilden dann aber die Teams aus den
mehr als 70 teilnehmenden Ländern und Regionen: Von Brunei über
Jamaika bis Uganda ziehen Delegationen ein. Nach Algerien,
Argentinien, Armenien und Australien ist bereits Österreich an der
Reihe: Webentwickler Tarik Begeta trägt die rot-weiß-rote Fahne
voran. (Foto hier )
Hinter ihm marschiert das siebtgrößte Team dieser
Berufsweltmeisterschaft in die Arena: 48 junge Fachkräfte, begleitet
vom tosenden Applaus der mehr als 300 mitgereisten österreichischen
Fans. „Das war eine wahnsinnig coole Erfahrung. Ich habe bei
EuroSkills 2025 in Dänemark schon Bronze gewonnen und kenne solche
Ausnahmesituationen. Aber das hier war noch einmal ein neues Level“,
sagt Begeta. „Jetzt wollen wir diese Energie mitnehmen und in den
kommenden Tagen weiter ausbauen“, sagt der Wiener.
Die Show selbst spannt einen weiten Bogen zwischen Tradition und
Technologie, zwischen jahrtausendealter Kultur und jener
industriellen Zukunft, die China mit aller Kraft vorantreibt. Ihren
dramaturgischen Höhepunkt erreicht sie, als Walzertänzer über die
Bühne gleiten. Erst verzögert wird sichtbar: Hier tanzen Roboter.
Minuten später verlischt das Licht. Die Party ist vorbei. Zumindest
bis Sonntagabend, wenn die Medaillen vergeben werden.
Einzelhandel: Schladmingerin eröffnet Baby-Geschäft
Mittwochmorgen chinesischer Zeit, Schauplatzwechsel in den Westen
von Shanghai. Hier im National Exhibition and Convention Center (NECC
) ist die Euphorie der Eröffnungsnacht längst der Hochkonzentration
gewichen. Seit Mittwochfrüh wird auf einer Fläche von gewaltigen
Dimensionen gesägt, geschweißt, programmiert, gebacken, frisiert,
betoniert und konstruiert. Rund 1.400 junge Fachkräfte aus allen
Teilen der Welt kämpfen in ihren Disziplinen um Gold, Silber und
Bronze.
Unter ihnen ist Anna Tritscher aus Schladming. Die
Einzelhandelskauffrau, die gewöhnlich Ski- und Sportartikel verkauft,
wird im ersten Modul überrascht: Sie muss in Shanghai ein
Babygeschäft eröffnen. Doch einige Produkte fehlen, andere sind
beschädigt, die Kasse funktioniert nicht. Und obwohl das Geschäft
eigentlich noch geschlossen ist, steht plötzlich ein Kunde vor ihr.
Tritscher findet einen pragmatischen Ausweg: Sie nimmt ihn ins
Kundenprogramm auf, erfasst seine Adresse und bietet an, die Ware zu
liefern, sobald die Kasse läuft.
„Es ist von Modul zu Modul ein Sprung ins Ungewisse. Wenn einmal
etwas schiefgeht, muss man darüberstehen, denn bei der nächsten
Aufgabe werden die Karten neu gemischt“, sagt Tritscher. Kraft gebe
ihr dabei der Rückhalt aus der Heimat: „Man merkt, dass diese
Weltmeisterschaft gerade nicht nur für einen selbst der
Lebensmittelpunkt ist. Wenn Familie, Freunde und so viele andere
Menschen mitfiebern, ist das schon etwas Besonderes.“ Ihr Handy gehe
über, lacht die Schladmingerin. ( O-Ton , Foto )
Speditionslogistiker exportiert aus den USA
Einige Hallen weiter hat Paul Zadravec die ersten drei
Wettbewerbsstunden in der Speditionslogistik hinter sich. Der
Südsteirer muss Firmendaten und Dokumente einer internationalen
Sendung prüfen und die Abwicklung vorbereiten. Ein Paket muss über
den Seeweg aus den USA exportiert werden – eine Aufgabe mit reichlich
Fracht an Details.
Nach dem ersten Modul fällt zumindest ein Teil der Anspannung von
ihm ab. „Ich habe es mit gutem Gewissen und einem guten Gefühl
erledigt. Damit ist schon ein Stück von der Angst und der Nervosität
abgefallen, weil man jetzt ungefähr weiß, was auf einen zukommt“,
sagt Zadravec. Besonders emotional ist für ihn, dass seine Mutter in
Shanghai mit dabei ist. Bei EuroSkills 2021 in Graz hatte er ihr als
junger Besucher noch scherzhaft versprochen, sie werde eines Tages
vor seinem eigenen Wettbewerbsstand sitzen. „Jetzt ist es tatsächlich
so gekommen. Wenn ich während des Wettbewerbs zu ihr hinaufschaue,
wird es wahrscheinlich für uns beide schwer. Deshalb schaue ich
lieber auf meine Aufgabe und versuche, konzentriert zu bleiben, sonst
drückt es mir womöglich die Tränen runter“, sagt Zadravec. ( Foto1 ,
Foto2 )
Möbeltischler: Zehntelmillimeter im Blick
Für Elias Stephan entscheidet sich der Wettbewerb in einer
Maßeinheit, die mit freiem Auge kaum zu erkennen ist: dem
Zehntelmillimeter. Der Möbeltischler aus Bad Sauerbrunn führt die
Kappsäge durch das Werkstück, kontrolliert Winkel und Schnitt, setzt
neu an. Gefordert ist ein Möbelstück mit einem Untergestell aus
Massivholz und einer handgezinkten Lade. Was makellos aussieht, kann
unter dem prüfenden Blick der Experten das entscheidende Stück zu
viel oder zu wenig sein. „Hier geht es wirklich um Zehntelmillimeter.
Es wird alles nachgemessen – das ist schon eine ernste Sache. Da muss
man sehr genau arbeiten“, sagt Stephan. Präzision gehört für den
Burgenländer zum Berufsalltag: Bei List General Contractor fertigt er
Möbel für Luxusyachten. In Shanghai arbeitet er zugleich an einem
möglichen Stück burgenländischer Wettbewerbsgeschichte. Eine
WorldSkills-Medaille hat das Bundesland bisher noch nicht gewonnen. (
Foto1 , Foto2 )
Verfahrenstechnik: Premiere für Österreich
Neuland betritt auch Vincent Track . Der Tiroler ist der erste
Österreicher, der bei WorldSkills im Wettbewerb der Verfahrens- und
Prozesstechnik antritt. Historische Erfahrungswerte, an denen er sich
orientieren könnte, gibt es somit keine. Dafür bringt der Novartis-
Mitarbeiter Erfahrung aus einem Bereich mit, in dem Prozesssicherheit
weit mehr als ein Gütesiegel ist: Track arbeitet an Abläufen, die zur
Reinheit von Medikamenten beitragen.
„Mich begeistert, dass ich Prozesse zur Entwicklung und
Herstellung lebensrettender Medikamente nicht nur verstehe, sondern
aktiv verbessern kann“, sagt Track. In Shanghai muss er zeigen, wie
sicher er komplexe industrielle Abläufe beherrscht, Anlagen steuert,
Qualität kontrolliert und auf Abweichungen reagiert. Sein Wettbewerb
ist eine Premiere – für ihn selbst ebenso wie für Österreich. (
Foto1, Foto2 )
Bäckerin muss warten
Noch warten muss Valentina Otzelberger . Während rund um sie
längst um Punkte gearbeitet wird, beginnt der Wettbewerb der
Konditorin erst am dritten und vierten Tag. Das Zuschauen macht die
Sache kaum leichter. Otzelberger unterstützt ihre Teamkollegen,
versucht die Dimensionen des Geländes auszublenden – und würde am
liebsten selbst sofort loslegen. „Eine Grundnervosität ist natürlich
dabei. Ich würde schon gerne anfangen und arbeiten, weil ich mich
beim Zuschauen fast ein bisschen nutzlos fühle. Gleichzeitig
motiviert es mich, die anderen zu sehen“, sagt sie.
Auf ihrem Programm werden ein Schokoladen- und ein
Zuckerschaustück sowie zwei Torten stehen. Dazu kommen unbekannte
Aufgaben. „Die Mystery-Aufgaben gehören dazu. Aber wir Österreicher
sind recht spontan, deshalb mache ich mir darüber nicht allzu viele
Sorgen. Ich bin gut vorbereitet und werde es genauso angehen, wie ich
es trainiert habe“, sagt die Medaillenhoffnung aus Niederösterreich,
die in Wien arbeitet. ( O-Ton , Foto )
Videomaterial
– Hier finden Sie die Opening Ceremony mit dem Einzug Österreichs (
hier zum Download )
– Video-Interviews mit ( zum Download ):
– Angelina Rainer , Friseurin aus Osttirol
– Bernhard Moser , Land- und Baumaschinentechniker aus Salzburg
– Elena Mathis , Hotel-Rezeptionistin aus Vorarlberg
– Noah Trettenbrein , Hochbauer aus Kärnten
– Luca Reitböck , Zimmerer aus Oberösterreich
Fotos ( © SkillsAustria/Wieser/Slovencik/Lehner)
– Hier alle aktuellen Fotos, hier nach Tagen sortiert, hier die
Opening Ceremony.
– Imposante Eröffnungsshow in der Mercedes Benz-Halle in Shanghai:
Nationen aus allen Teilen der Welt sind bei der Flaggenparade
eingezogen – darunter auch Österreich mit Fahnenträger Tarik Begeta
aus Wien ( hier )
– Starkes Spektakel zum Start: In der Mercedes Benz-Arena in Shanghai
wurden die 48. WorldSkills eröffnet ( hier )
– Eröffnet bei WorldSkills ein Babygeschäft: Anna Tritscher ,
Einzelhandelskauffrau aus Schladming ( hier )
– Der südsteirische Speditionslogistiker Paul Zadravec : prüft
Firmendaten und Transportdokumente für eine Seefracht aus den USA (
hier , hier )
– Zehntelmillimeter im Blick: Möbeltischler Elias Stephan aus dem
Burgenland ( hier , hier )
– Tritt als erster Österreicher in der Verfahrens- und Prozesstechnik
bei WorldSkills an: Vincent Track ( hier )
– Noch in der Vorbereitungsphase: Für Valentina Otzelberger aus
Niederösterreich geht es an Wettkampftag drei los ( hier )
OT-Material (Audio)
– Einzelhandelskauffrau Anna Tritscher aus der Steiermark : „Von
Modul zu Modul heißt es: einfach drauflos. Wenn etwas schiefgeht,
muss man darüberstehen – beim nächsten Anlauf werden die Karten neu
gemischt.“ ( hier zum gesamten O-Ton )
– Friseurin Angelina Rainer aus Tirol : „Damit man sich nicht
ablenken lässt, bleibt man besser bei sich.“ ( hier zum gesamten O-
Ton )
– Konditorin Valentina Otzelberger aus Niederösterreich : „Das Beste
ist, ruhig zu bleiben und dem Zeitplan so gut wie möglich zu folgen.“
( hier zum gesamten O-Ton )
– Hochbauer Noah Trettenbrein aus Kärnten : „Jeder Millimeter zählt.
Wer am genauesten ist, gewinnt.“ ( hier zum gesamten O-Ton )
– Experte Wolfgang Fank aus der Steiermark , Trainer von
Möbeltischler Elias Stephan: „Wer die WorldSkills nicht kennt, kann
sie sich am ehesten wie Olympische Spiele vorstellen – nur treten wir
in den verschiedensten Berufen an.“ ( hier zum gesamten O-Ton )
– SkillsAustria-Präsident Josef Herk : „Wir können nur mächtig stolz
sein.“ ( hier zum gesamten O-Ton )
– Hier finden Sie alle vorhandenen O-Töne. (PWK466/HSP)