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Gerstorfer zu Pensionsdebatte: „Nicht neue Hürden erfinden – Arbeit ermöglichen und Finanzierung breiter aufstellen“

Wien (OTS) – Zur Forderung von Seniorenbund-Präsidentin Ingrid
Korosec, künftig 40
Beitragsjahre zur Voraussetzung für eine volle Pension zu machen,
hält PVÖ-Präsidentin und Seniorenrats-Präsidentin Birgit Gerstorfer
fest: „Ich schätze die konstruktive Zusammenarbeit mit Ingrid Korosec
im Österreichischen Seniorenrat sehr. Dieser konkrete Vorschlag ist
allerdings nicht im Seniorenrat abgestimmt. Der Pensionistenverband
vertritt hier aus guten Gründen eine andere Position.“ ****

Schon heute berücksichtigt das Pensionskonto Dauer und Höhe der
Beitragsleistung. Für jedes Versicherungsjahr werden 1,78 Prozent der
Beitragsgrundlage gutgeschrieben. Wer länger arbeitet und mehr
einzahlt, erwirbt damit grundsätzlich auch eine höhere Pension.

Frauen dürfen nicht zwischen späterer Pension und
Arbeitslosigkeit aufgerieben werden

Eine starre Vorgabe von 40 Beitragsjahren würde insbesondere
Frauen treffen. Ihre Erwerbsbiografien sind häufiger durch
Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Teilzeit geprägt.
Gleichzeitig wird das Frauenpensionsalter bereits schrittweise auf 65
Jahre angehoben. „Wir sehen schon jetzt, was längeres Arbeiten
bedeutet, wenn der Arbeitsmarkt nicht mitzieht“, warnt Gerstorfer.
Die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-jährigen Frauen stieg 2025 auf
7,2 Prozent – ein Plus von 1,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Das AMS führt diesen besonders starken Anstieg unter anderem auf die
Anhebung des Frauenpensionsalters zurück. Generell lag die
Arbeitslosenquote der 60- bis 64-Jährigen 2025 bei 10,5 Prozent.
Gleichzeitig beschäftigten nur rund 19 Prozent der österreichischen
Betriebe überhaupt zumindest eine Person ab 60 Jahren. „Wer längeres
Arbeiten fordert, muss zuerst dafür sorgen, dass ältere Menschen auch
tatsächlich Arbeit finden und behalten können. Sonst verschiebt man
Menschen nicht in Beschäftigung, sondern in die Arbeitslosigkeit“, so
Gerstorfer.

40 Beitragsjahre werden unterschiedlichen Lebenswegen nicht
gerecht

Problematisch wäre eine starre Grenze auch für Menschen mit
langen Ausbildungswegen. Das Medianalter beim Abschluss eines
Masterstudiums liegt bei 27,4 Jahren, bei einem Doktorat bei 32,1
Jahren. Würden 40 Beitragsjahre erst danach beginnen, wären diese
rechnerisch erst mit rund 67 beziehungsweise 72 Jahren erreicht.

„Unser Land braucht die Facharbeiterin und den Handwerker genauso
wie die Ärztin, den Techniker oder die Wissenschaftlerin“, betont
Gerstorfer. „Wer mit 15 oder 16 Jahren zu arbeiten beginnt, hat eine
andere Erwerbsbiografie als jemand nach einem langen Medizin-,
Technik- oder Forschungsstudium. Ein faires Pensionssystem muss
beiden gerecht werden.“

Gerade angesichts des internationalen Wettbewerbs um Ärztinnen
und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und andere
hochqualifizierte Fachkräfte müsse Österreich zudem darauf achten,
keine zusätzlichen Standortnachteile zu schaffen.

Österreich ist bereits mitten in einer Pensionsreform

Gerstorfer erinnert daran, dass seit 1. Jänner 2026 bereits die
neue Teilpension gilt. Gleichzeitig wird die Korridorpension
verschärft: Das frühestmögliche Antrittsalter steigt schrittweise von
62 auf 63 Jahre, die erforderliche Versicherungsdauer von 40 auf 42
Jahre. Auch das Frauenpensionsalter wird laufend angehoben. „Bevor
bereits die nächste grundlegende Reform gefordert wird, sollten wir
zunächst seriös beobachten, was die beschlossenen Maßnahmen
bewirken“, fordert Gerstorfer.

Gemeinsamer Fokus: bessere Chancen für Frauen 50+ und
Verantwortung der Betriebe

Erst vor wenigen Tagen haben Gerstorfer, Korosec und die
Vorsitzende der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber,
gemeinsam mehr Jobs, mehr Chancen und bessere Rahmenbedingungen für
Frauen 50+ gefordert. Gleichzeitig beabsichtigen die drei Frauen ein
Modell für ein Bonus-Malus-System auszuarbeiten: Unternehmen, die
ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen und halten,
sollen einen Vorteil haben, Betriebe mit besonders niedriger
Älterenbeschäftigung stärker in die Verantwortung genommen werden.

„Wer möchte, dass Menschen länger arbeiten, muss auch dafür
sorgen, dass sie tatsächlich einen Arbeitsplatz haben“, so
Gerstorfer.

Pensionsdebatte darf nicht immer nur bei den Beschäftigten
beginnen

Der PVÖ verschließe sich keiner sachlichen Diskussion über die
langfristige Finanzierung des Pensionssystems. „Aber diese Debatte
darf nicht ausschließlich bei zusätzlichen Arbeitsjahren der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beginnen und enden.“

Wer über weitere Reformen rede, müsse auch über eine breitere
Finanzierung sprechen – etwa über hohe Vermögen, große Erbschaften
und andere vermögensbezogene Beiträge. Österreich erzielt aus
vermögensbezogenen Steuern im internationalen Vergleich geringe
Einnahmen.

„Wenn wir über zusätzliche Beiträge und Arbeitsjahre der
Beschäftigten reden, müssen wir genauso darüber reden, welchen
Beitrag sehr große Vermögen zur langfristigen Absicherung unseres
Sozialstaates leisten können“, so Gerstorfer.

„Wir müssen über das ganze Bild reden: über Arbeitsplätze für
Ältere, die besondere Situation von Frauen, gute und altersgerechte
Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Produktivität und eine gerechtere
Finanzierung. Nur immer neue Jahre bei den Beschäftigten
einzufordern, ist uns zu wenig.“

Abschließend unterstreicht Gerstorfer: „Ingrid Korosec und ich
haben im Seniorenrat in zentralen Fragen immer wieder gemeinsame
Positionen vertreten. Das soll auch so bleiben. Dieser konkrete
Vorschlag wurde nicht im Seniorenrat akkordiert. Wir vertreten hier
aus guten Gründen eine andere Auffassung.“ (Schluss)