Schönheit

Moststraße unterstreicht Rolle als Wissenszentrum für Obstsortenkunde

St. Pölten (OTS) – Drei Tage lang wurde das Mostviertel zum
Treffpunkt der
internationalen Obstsortenkunde (Pomologie): Fachleute und
Streuobstexpertinnen und Streuobstexperten aus mehreren europäischen
Ländern kamen von 11. bis 13. September zum Internationalen
Pomologentreffen, ausgerichtet von der LEADER-Region und dem
Tourismusverband Moststraße, nach Amstetten. Den öffentlichen Auftakt
bildete die Präsentation des neuen Sortenbuchs mit Landesrat Anton
Kasser sowie den Autorinnen Martina Schmidthaler und Gerlinde
Handlechner bzw. dem Autor Mathias Weis.

Das neue Sortenbuch macht eindrucksvoll sichtbar, welches Wissen
in der Region in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. 336 Sorten,
darunter 138 Birnen- und 198 Apfelsorten, sind darin dokumentiert.
Und dennoch ist die Sortenvielfalt des Mostviertels noch längst nicht
vollständig erfasst. Rund 5.000 Obstproben aus der Bevölkerung,
gesammelt bei den jährlichen Sortenbestimmungstagen der Moststraße,
bildeten eine wesentliche Grundlage der jahrelangen Forschungsarbeit.
Damit ist das Buch auch ein Gemeinschaftswerk der Region. Neu ist
insbesondere die Verbindung von traditioneller Pomologie mit moderner
Wissenschaft. Neben der klassischen Sortenbestimmung wurden
genetische Untersuchungen herangezogen und Ergebnisse mit nationalen
und internationalen Daten verglichen. Dass dabei auch heute noch neue
Erkenntnisse entstehen, zeigte sich bei mehreren Sorten, deren
bisherige Zuordnung durch die wissenschaftliche Arbeit neu bewertet
werden konnte.

Wie wertvoll diese Arbeit ist, zeigt auch die Gefährdung
einzelner Sorten: Von der Theilersbirne und vom Wieshaider Apfel aus
Seitenstetten sind derzeit überhaupt nur jeweils ein einziger Baum
bekannt. Mit dem Verlust solcher Bäume drohen nicht nur einzelne
Sorten, sondern auch genetische Vielfalt und über Generationen
gewachsenes Wissen zu verschwinden. Sortenvielfalt bedeutet in der
Tat weit mehr als unterschiedliche Namen: Alte Äpfel und Birnen
unterscheiden sich erheblich in Geschmack, Nutzung, Zucker-, Säure-
und Gerbstoffgehalt sowie genetischen Eigenschaften. Neue
Forschungsansätze – etwa rund um das Mikrobiom – eröffnen darüber
hinaus zusätzliche Perspektiven für die Zukunft.

Landesrat Anton Kasser, selbst in der Landwirtschaft verankert,
unterstrich bei der Präsentation die Bedeutung dieser Vielfalt:
„Unsere alten Apfel- und Birnensorten sind ein großer Schatz für die
Region. Diese Vielfalt ist nicht nur Teil unserer bäuerlichen
Tradition, sondern auch mit Blick auf Biodiversität, veränderte
klimatische Bedingungen und zukünftige Produkte von großer Bedeutung.
Das neue Sortenbuch hilft dabei, dieses Wissen zu sichern, Sorten
wiederzufinden und an kommende Generationen weiterzugeben.“

Die Neuauflage des Sortenbuchs entstand im Rahmen des LEADER-
Projekts „Bewusstseinsbildung an der Moststraße“. Die Präsentation
war zugleich Teil der niederösterreichweiten LEADER-wirkt-Tour 2026.
Im Rahmen dieser Tour werden in allen 19 LEADER-Regionen
Niederösterreichs konkrete Projekte vor den Vorhang geholt. Ziel ist
es, sichtbar zu machen, was durch regionale Initiative,
Zusammenarbeit vor Ort und die Unterstützung von der Europäischen
Union, Bund und Land Niederösterreich entstehen kann. Das Sortenbuch
ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel: Jahrelang aufgebautes
Wissen wird gesichert, wissenschaftlich weiterentwickelt und für
Fachwelt und Bevölkerung zugänglich gemacht. Gleichzeitig zeigt das
Projekt, wie Regionalentwicklung dazu beitragen kann,
Kulturlandschaft, Biodiversität, Bildung und regionale Identität
miteinander zu verbinden. Das neue Sortenbuch „Birnen & Äpfel –
Vielfalt der Streuobstwiesen“ ist ab sofort um 34,90 Euro erhältlich
und kann über den Moststraße-Shop bestellt werden.

Nähere Informationen: Evelyn Gutlederer, Marketing &
Kommunikation bei der Moststraße, Telefon +43 676 360 9296, E-Mail
[email protected] , www.moststrasse.at