Wien (OTS) – Anlässlich des Weltbildungstages der UNESCO am 8.
September
unterstreicht die SPÖ-Bildung die zentrale gesellschaftliche und
demokratiepolitische Bedeutung von Bildung. Bildung ist weit mehr als
Schule, Ausbildung oder die Vermittlung beruflich verwertbaren
Wissens. Sie berührt nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens und
entscheidet wesentlich darüber, ob Menschen die Möglichkeit haben,
selbstbestimmt zu leben, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und an
gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen
teilzunehmen. „Bildung ist ein universeller Begriff. Sie bedeutet
nicht nur, Wissen und Fähigkeiten zu erwerben, sondern die Welt zu
verstehen, Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Standpunkte zu
beurteilen und auf dieser Grundlage selbstbestimmte Entscheidungen
treffen zu können. Deshalb ist politische Bildung eine der großen
Aufgaben unserer Demokratie. Demokratie braucht Menschen, die sich
informieren, kritisch hinterfragen, miteinander diskutieren und
bereit sind, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen“,
erklärt SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Prof. Dr. Gerhard Schmid. ****
Der Weltbildungstag erinnert daran, dass Bildung eine wesentliche
Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, soziale Gerechtigkeit,
Frieden und demokratische Entwicklung ist. Für die Sozialdemokratie
ist damit seit ihren Anfängen auch der Anspruch verbunden, Bildung
unabhängig von Herkunft und finanziellen Möglichkeiten zugänglich zu
machen. Bildung darf nicht das Privileg einiger weniger sein.
Zwtl.: Bildung war über Jahrhunderte ein Privileg
Der heute selbstverständliche Anspruch auf Bildung ist historisch
hart erkämpft worden. Über Jahrhunderte waren große Teile der
Bevölkerung von umfassender Bildung ausgeschlossen. Wissen und höhere
Bildung waren gesellschaftlichen Eliten vorbehalten. Arbeiterinnen
und Arbeiter, Knechte, Mägde und große Teile der ländlichen
Bevölkerung sollten vielfach gerade so viel lernen, wie für die ihnen
zugedachten Tätigkeiten erforderlich war.
Bildung und Erziehung dienten dabei keineswegs immer der
individuellen Entfaltung. Sie wurden auch als Instrumente verstanden,
um Menschen für militärische Zwecke wehrtüchtig zu machen oder sie
auf einfache und schlecht bezahlte Tätigkeiten in Fabriken,
Landwirtschaft und anderen Bereichen vorzubereiten. Der Gedanke, dass
jeder Mensch unabhängig von seiner gesellschaftlichen Stellung ein
Recht darauf hat, Wissen zu erwerben, kritisch zu denken und seine
Fähigkeiten frei zu entfalten, musste politisch erst durchgesetzt
werden.
Die Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung stellte diesem
Verständnis einen grundlegend anderen Bildungsbegriff entgegen:
Bildung sollte nicht Unterordnung ermöglichen, sondern Emanzipation.
Menschen sollten lesen, schreiben, diskutieren und gesellschaftliche
Zusammenhänge verstehen können, um ihre Lebens- und
Arbeitsbedingungen selbst zu verändern.
Zwtl.: Arbeiterbildungsvereine als Ausgangspunkt der Sozialdemokratie
Nicht zufällig standen deshalb Bildungsvereine – gemeinsam mit
den später entstehenden Kultur-, Gesangs-, Turn- und Sportvereinen –
am Beginn der organisierten Arbeiterbewegung. Sie waren Orte der
Wissensvermittlung, aber zugleich Orte der Begegnung, Solidarität,
politischen Diskussion und gesellschaftlichen Selbstorganisation.
Eine besondere historische Bedeutung kommt dabei dem Dezember
1867 zu. Für den 8. Dezember 1867 war die Gründungsversammlung des
ersten Arbeiter-Bildungs-Vereins im Wiener Hotel „Zum blauen Bock“
vorgesehen. Der Andrang der Arbeiter übertraf jedoch alle
Erwartungen. Die vorgesehenen Räumlichkeiten waren für die große Zahl
der Interessierten zu klein, sodass die Versammlung aus Platzgründen
vertagt werden musste. Eine Woche später, am 15. Dezember 1867,
konnte die Gründungsversammlung schließlich im wesentlich größeren
Schwenders Kolosseum stattfinden. Dieses Datum gilt bis heute als
historische Geburtsstunde der sozialdemokratischen
Bildungsorganisation in Österreich.
Damit stand Bildung nicht erst irgendwann im Laufe der Geschichte
der österreichischen Sozialdemokratie auf der politischen
Tagesordnung. Bildung stand an ihrem Anfang. Noch bevor die
Sozialdemokratie zu jener politischen Organisation wurde, die wir
heute kennen, organisierten sich Arbeiter, um gemeinsam zu lernen,
Wissen auszutauschen, ihre gesellschaftliche Situation zu verstehen
und daraus politische Handlungsfähigkeit zu entwickeln.
Zwtl.: Markytan: „Bildung bedeutet Emanzipation“
„Die Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung zeigt
uns, dass Bildung niemals nur die Vorbereitung auf einen Beruf sein
darf. Bildung bedeutet Emanzipation. Wer lesen, verstehen,
argumentieren und gesellschaftliche Zusammenhänge erkennen kann, kann
seine Interessen vertreten und sich gegen Bevormundung zur Wehr
setzen. Dass am Beginn unserer Bewegung ein Arbeiterbildungsverein
stand, ist deshalb kein historischer Zufall, sondern Ausdruck unseres
politischen Selbstverständnisses. Der Kampf um Bildung war immer auch
ein Kampf um politische Rechte, soziale Gerechtigkeit und Demokratie.
Diesen emanzipatorischen Anspruch müssen wir gerade heute wieder
stärker in den Mittelpunkt stellen“, betont SPÖ-
Bundesbildungsgeschäftsführer und Mitglied des Bundesrates Wolfgang
Markytan, MA.
Zwtl.: Bildung, Gemeinschaft und gesellschaftliche Teilhabe
Die frühen Arbeiterbildungsvereine beschränkten sich nicht auf
klassische Wissensvermittlung. Bildung, Kultur, Gemeinschaft,
gegenseitige Unterstützung und später auch Sport waren eng
miteinander verbunden. Bildungs- und Sportvereine eröffneten Menschen
Räume, die ihnen die bestehende Gesellschaft vielfach nicht zur
Verfügung stellte. Dort konnten sie lernen, diskutieren, sich
organisieren und Gemeinschaft erfahren.
Diese historische Verbindung besitzt bis heute Aktualität.
Bildung findet nicht ausschließlich in Schulen, Universitäten oder
anderen formalen Bildungseinrichtungen statt. Sie findet ebenso in
der Erwachsenenbildung, in Vereinen, in Kultur und Sport, in
politischen Organisationen, am Arbeitsplatz und im gesellschaftlichen
Austausch statt. Lebensbegleitendes Lernen ist deshalb ebenso wichtig
wie eine starke öffentliche Schule und der chancengerechte Zugang zu
Hochschulen und beruflicher Ausbildung.
Zwtl.: Politische Bildung ist Demokratiebildung
Besondere Bedeutung misst die SPÖ-Bildung der politischen Bildung
bei. Demokratie kann langfristig nur bestehen, wenn Menschen ihre
Rechte kennen, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge
verstehen und lernen, Informationen kritisch zu beurteilen. Das gilt
angesichts von Desinformation, gesellschaftlicher Polarisierung und
den grundlegenden Veränderungen der Informations- und Wissenswelt
durch soziale Medien und Künstliche Intelligenz in besonderem Maße.
Politische Bildung darf daher nicht erst im Erwachsenenalter
beginnen. Sie muss Menschen von jungen Jahren an begleiten und
gleichzeitig als lebensbegleitende Aufgabe verstanden werden.
Demokratie erschöpft sich nicht in der Abgabe einer Stimme bei
Wahlen. Sie lebt von Beteiligung, Diskussion, Widerspruch,
Kompromissfähigkeit und dem Bewusstsein, dass politische und soziale
Rechte immer wieder verteidigt und weiterentwickelt werden müssen.
„Von den Arbeiterbildungsvereinen des 19. Jahrhunderts bis zu den
Herausforderungen einer von Digitalisierung und Künstlicher
Intelligenz geprägten Wissensgesellschaft zieht sich eine zentrale
Frage: Wer hat Zugang zu Wissen und wer kann dieses Wissen für ein
selbstbestimmtes Leben nutzen? Die Geschichte lehrt uns, dass der
Zugang zu Bildung und der Zugang zu Demokratie eng miteinander
verbunden sind. Wer Bildung demokratisiert, erweitert auch die
Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe. Unser Anspruch muss daher
sein, jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu bilden,
weiterzuentwickeln und an unserer Demokratie aktiv mitzuwirken“, so
Schmid und Markytan.
Für die SPÖ-Bildung ist der Weltbildungstag damit nicht nur
Anlass für ein Bekenntnis zu Bildung als universelles Recht. Er
erinnert auch an einen zentralen Grundsatz der sozialdemokratischen
Bewegung: Wissen darf kein Privileg sein. Bildung muss Menschen
unabhängig von Einkommen, Herkunft, Geschlecht oder Alter
offenstehen, soziale Schranken überwinden und dazu befähigen, das
eigene Leben und die Gesellschaft demokratisch mitzugestalten. (
Schluss) bj