Wien (OTS) – Das Bildungskonzept des Globalen Lernens (auch: Global
Citizenship
Education) findet im neuen Lehrplanentwurf 2026 für Allgemeinbildende
höhere Schulen (AHS) keine Erwähnung mehr. Scharfe Kritik daran kommt
von Südwind und Welthaus Graz als Mitglieder der Strategiegruppe
Globales Lernen zusammen mit der AG Globale Verantwortung , dem
Dachverband für Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam warnen die
Organisationen vor einem Rückschritt, der Österreich im
internationalen Vergleich zurückwirft und fordern von
Bildungsminister Christoph Wiederkehr eine umgehende Korrektur ein.
Konkret müsse das Konzept des Globalen Lernens wie schon im Lehrplan
2023 in den Allgemeinen Bildungszielen verankert werden sowie
zusätzlich beim neuen Thema Politische Bildung und Demokratiebildung
.
„Globales Lernen stärkt kritisches Denken, Empathie und
Handlungsfähigkeit – allesamt Fähigkeiten, die in einer von multiplen
Krisen geprägten Welt dringend gebraucht werden. Die unbegründete
Streichung aus dem AHS-Lehrplan ist unverständlich und ganz klar ein
Schritt in die falsche Richtung“, sagt Konrad Rehling,
Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Südwind. „Gerade jetzt
brauchen wir Bildungskonzepte, die junge Menschen befähigen, globale
Herausforderungen zu verstehen und aktiv mitzugestalten. Österreich
darf hier nicht den Anschluss verlieren.“
„Globales Lernen/Global Citizenship Education ist in Österreich
längst gelebte Praxis. Angesichts von Klimakrise, Kriegen und
globaler Ungleichheit muss es aber mehr sein als eine Praxis, die vom
besonderen Engagement einzelner Schulen und Lehrkräfte abhängt. Wenn
der neue Lehrplan Kompetenzorientierung, fächerübergreifendes Lernen
und die Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen ernst
nimmt, muss er Globales Lernen in den Allgemeinen Bildungszielen
ausdrücklich verankern“, sagt Markus Meister, Geschäftsführer vom
Welthaus Graz .
„Wir alle spüren tagtäglich, dass weltweite Herausforderungen
nicht an Grenzen Halt machen. Wofür sollte dann eine Bildung gut
sein, die das Weltgeschehen außer Acht lässt? Globales Lernen ist
kein Nischenthema, sondern ein zentraler Baustein einer zeitgemäßen
Bildung. Angesichts der geopolitischen Lage braucht es junge
Menschen, die globale Zusammenhänge verstehen und mitgestalten
können. Die vorgeschlagene Lehrplanreform ist ein Rückschritt”,
betont Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung und
verweist darauf, dass Österreich maßgeblich an der Verabschiedung der
internationalen European Declaration on Global Education to 2050
beteiligt war und sich darin dazu verpflichtet, Globales Lernen in
Lehrplänen zu verankern.
Zwtl.: Bildungskonzept mit starkem Fundament
Globales Lernen ist seit 30 Jahren in Österreich etabliert –
unter anderem über den international ausgezeichneten
Universitätslehrgang Global Citizenship Education , den UNESCO-Chair
für Global Citizenship Education – Culture of Diversity and Peace an
der Universität Klagenfurt, die seit 2003 etablierte Strategiegruppe
Globales Lernen und zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteur:innen
und Initiativen, die Materialien, Fortbildungen und Bildungsprojekte
anbieten. In diesem Zusammenhang hat Österreich sich auch aktiv an
der Überarbeitung der UNESCO-Empfehlung für Bildung für Frieden,
Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung (2023) eingebracht.