Wien (OTS) – Am Mittwochabend wurde im Kreisky-Forum in Wien der
Bruno-Kreisky-
Preis für das politische Buch vergeben. Der Preisträger ist der an
der Uni Wien lehrende Professor für Geschichte Südosteuropas Oliver
Jens Schmitt. Er bekommt die Auszeichnung für sein Buch „Moskaus
westliche Rivalen. Eine europäische Geschichte vom Nordkap bis zum
Schwarzen Meer“ (Klett-Cotta, 2025). Oliver Jens Schmitt sagte:
„Geschichte ist wieder wichtig geworden, und zwar als politische
Ressource.“ ****
Der Vorsitzende der Jury Hannes Swoboda sagte: „Es braucht ein
sorgfältiges Studium der Geschichte, so wie es Martin Prinz und
Oliver Jens Schmitt gemacht haben. Und zwar immer aus der jeweiligen
Position der Opfer von Gewaltherrschaft. Allzu oft wurde Geschichte
von der Seite der Machthaber gesehen und nicht von der Seite der
Opfer.“ Swoboda glaubt nicht an die Meinung, man könne aus der
Geschichte nichts lernen. Er sagte: “Man kann und man sollte aus der
Geschichte lernen. Man muss nur die richtigen Bücher lesen. Ein
solches wollen wir mit dem Bruno-Kreisky-Preis heute auszeichnen.”
Zwtl.: “Politische Relevanz von Geschichte war ein Schock für die
Historiker”
Oliver Jens Schmitt erinnerte daran, dass die wesentlichen Reden
des russischen Präsidenten Putin vor der Invasion in der Ukraine
„historisch argumentiert haben“. Wenn er mit westlichen Journalisten
geredet habe, habe er mit dem 9. Jahrhundert angefangen. Putin
schaffe „eine Diskrepanz dessen, was als relevant betrachtet wird,
zwischen der Welt, in der er agiert, und den politischen Kulturen,
die wir gewohnt sind. Für die Historiker war diese neue politische
Relevanz von Geschichte ein Schock“.
Die Dritte Nationalratspräsidentin und Präsidentin des Karl-
Renner-Instituts Doris Bures hat die Veranstaltung eröffnet. Sie
sagte: „Politische Literatur verändert zwar keine Machtverhältnisse,
aber sie kann Durchblick schaffen und damit Denkprozesse in Gang
setzen. Und die sind heute dringend nötig.“ Oliver Jens Schmitt
leiste mit seinem Werk „einen wichtigen und erhellenden Beitrag in
düsteren Zeiten der politischen und ethischen Verunsicherung“.
Zwtl.: „Die Dinge und die Welt beim Wort nehmen“
Der niederösterreichische Autor Martin Prinz hat mit „Die letzten
Tage“ einen Tatsachenroman geschrieben über die letzten Tage des Nazi
-Regimes in der niederösterreichischen Gemeinde Schwarzau im Gebirge.
Dort hat der NS-Kreisleiter von Neunkirchen, Johannes Braun, auf der
Flucht vor der vorrückenden sowjetischen Armee sein persönliches
Mordregime errichtet.
Finanzminister Markus Marterbauer bekannte in seiner Laudatio,
das Buch zu lesen, sei am Anfang „thematisch und emotional
Schwerarbeit. Aber trotz oder gerade wegen des schwierigen Einstiegs
zieht einen dieser Text nach und nach in seinen Bann und er lässt
einen auch nicht mehr los. ‚Die letzten Tage‘ ist ein grandioses
Werk, das niemanden loslässt, der sich darauf einlässt“.
Der Autor Martin Prinz sagte: “Die Literatur hat antibiotischen
Charakter in meinen Augen, und gleichzeitig hat sie die
Notwendigkeit, die Dinge beim Wort zu nehmen und die Welt beim Wort
zu nehmen.”
Zwtl.: “Wir suchen einfach die Leserinnen und Leser für unsere Bücher
und sind überzeugt, dass es sie gibt”
Martin Prinz‘ Verlag Jung und Jung wurde schließlich auch selbst
ausgezeichnet, und zwar mit dem Preis für besondere verlegerische
Leistungen. Der Verlag widmet sich der deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur — mit einem Schwerpunkt auf österreichische und
junge Autor:innen.
Die Generalsekretärin des Kreisky-Forums, Sabine Kroissenbrunner,
würdigte den Verlag für seine „Ästhetik des Eigensinnigen für eine
polyphone Gegenwartsliteratur“. Den Jung-und-Jung-Verlag zeichne „die
Autonomie und Tradition des Literarischen im Zeitalter der
Berechenbarkeit und der Beliebigkeit“ aus.
Verlagsleiter Günther Eisenhuber sagte im Gespräch mit Sonja
Kato, der Verlag habe den Anspruch, zeitgenössische Literatur zu
machen. Dieser Anspruch, in die Breite zu gehen, ohne Qualität zu
verlieren, sei keineswegs Luxus, sondern die Kernkompetenz des
Verlags. „Wir suchen einfach die Leserinnen und Leser für unsere
Bücher und sind überzeugt, dass es die gibt.“ Eisenhuber sprach auch
die Verlagsförderung an. Aus der ergebe sich „die Verpflichtung,
Literatur zu machen, die es sonst nicht gäbe“.
Der traditionsreiche Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch
wird vom Karl-Renner-Institut in Zusammenarbeit mit dem SPÖ-
Parlamentsklub und der SPÖ-Bildung verliehen.
SERVICE: Hier geht’s zu den Fotos der Preisverleihung:
https://www.flickr.com/photos/sozialdemokratie/albums/72177720334488-
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(Schluss) wf/bj