Schönheit

Zeichen gegen das Vergessen eröffnet: „Palmhof – Sei bereit“

Wien (OTS) – Von 1919 bis 1938 florierte in der Mariahilfer Straße
135 das Café
Palmhof, ein kosmopolitisches Zentrum des Wiener Kultur- und
Gesellschaftslebens. 1938 wurden die Betreiber, die Gebrüder Pollak,
aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten
enteignet; ihre Familie wurde vertrieben und größtenteils ermordet.
Am Donnerstagvormittag wurde das Erinnerungszeichen der Künstlerin
Heidi Schatzl an der Fassade des Hauses Palmgasse / Ecke Mariahilfer
Straße feierlich eröffnet.

Die Brüder Otto (1894–1978) und Karl Pollak (1889–1943) machten
das Café in der Zwischenkriegszeit zu einem der populärsten
Treffpunkte Wiens. Abends traten hier Stars der Musikwelt auf, die
Konzerte wurden regelmäßig live im Radio übertragen. Nach der
„Arisierung“ des Kaffeehauses flüchtete die Familie nach Mähren. Von
dort wurden sie 1943 nach Theresienstadt deportiert. 61
Familienmitglieder wurden ermordet, darunter Karl. Otto und seine
Tochter Helga (1930–2020) überlebten.

„Mit dem Erinnerungszeichen holen wir ein fast vergessenes Stück
Wiener Stadtgeschichte zurück ins öffentliche Bewusstsein. Es ist mir
besonders wichtig, sichtbar zu machen, wie sehr jüdisches Leben,
kulturelle Vielfalt und kosmopolitische Treffpunkte unsere Stadt
einst geprägt haben – und wie brutal diese wunderbaren Orte und
Einflüsse durch den Nationalsozialismus zerstört wurden“, so
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Zwtl.: Leuchtturm als Symbol des Überlebenswillens

Künstlerin Heidi Schatzl hat die Geschichte des Ortes und der
Familie zu einem visuellen Zeichen verdichtet: Die Skulptur an der
Fassade zitiert die ehemalige Leuchtreklame des Café Palmhof und
nimmt die Linien des Leuchtturms auf, den die zwölfjährige Helga
Pollak im Lager als „Lebenssymbol“ wählte und in ihr Tagebuch
zeichnete. Der Schriftzug „Buď připraven“ (Sei bereit) zitiert den
Leitgedanken ihres Überlebenswillens.

Hannah Lessing, Vorstand des Nationalfonds der Republik
Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, dazu in ihrer
Grußbotschaft: „Die Worte »Buď připraven« sind gerade heute aktueller
denn je – als weithin sichtbares Zeichen rufen sie alle, die
vorübergehen, zur Wachsamkeit auf.“

Ein QR-Code an der Skulptur führt zu einem digitalen Bildarchiv
mit Aufzeichnungen zur Geschichte des Cafés und seiner Betreiber.
„Heidi Schatzl schafft es immer wieder, die großen Geschichtsstränge
mit den kleinen zu vernetzen und Erinnerungsräume auf mehreren Ebenen
zu öffnen“, erläutert Cornelia Offergeld, Künstlerische Leiterin von
KÖR Wien und Vorsitzende der Wettbewerbsjury.

Das von der Bezirksvertretung Rudolfsheim-Fünfhaus initiierte
Projekt wurde mitermöglicht durch Kunst im öffentlichen Raum Wien,
Zukunftsfonds der Republik Österreich und Nationalfonds der Republik
Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus. Projektorganisation
von coobra in Kooperation mit KÖR Wien.

Ausführliche Informationen und Pressefotos:
https://www.koer.wien/projekte/cafe-palmhof/

Mehr Fotos auf Anfrage.