Zeckenstiche müssen fast nie im Spital behandelt werden

Wien (OTS) – Rund um Zecken gibt es jede Menge Mythen. Es beginnt
schon mit dem
Namen: langläufig ist von einem „Zeckenbiss“ die Rede, allerdings
sind Zecken Spinnentiere und haben daher keine Beißwerkzeuge. Marton
Széll ist Leiter der Infektionsambulanz der Klinik Donaustadt. Der
Infektiologe kennt daher die Erkrankungen, die durch einen
Zeckenstich auftreten können. Er klärt über die häufigsten Mythen
rund um Zecken auf.

Zwtl.: Mythos 1: Zecken fallen von Bäumen

Falsch! Man begegnet Zecken vor allem im hohen Gras und im
Gebüsch. Beim Vorbeigehen oder Liegen streift man sie ganz einfach
ab. Besonders betroffen sind Menschen, die sich viel im Grünen
aufhalten, z.B. Menschen mit Hunden, Jogger*innen, Jäger*innen, etc.
Lange Hosen können daher schützen. Tipp vom Infektiologen aus der
Klinik Donaustadt: „Zeckenabwehrsprays bieten einen zusätzlichen
Schutz und funktionieren tatsächlich.“

Zwtl.: Mythos 2: Zecken kann man von Haustieren (z.B. Hund, Katze)
bekommen

Eher nicht. Die häufigste Zeckenart in Europa, der gemeine
Holzbock, bevorzugt Menschen. Hunde können zwar im hohen Gras jede
Menge Zecken abstreifen, diese werden jedoch bei Kuscheleinheiten
eher nicht auf den Menschen übergehen.

Zwtl.: Mythos 3: Eine Zecke muss so schnell wie möglich entfernt
werden

Richtig! Trägt eine Zecke das FSME (Frühsommer-
Meningoenzephalitis) -Virus in sich, werden diese Viren sofort
übertragen. Borreliose-Bakterien werden erst nach einer Saugzeit von
12 bis 24 Stunden übertragen. „Ich habe gute Chancen, einer möglichen
Borreliose-Infektion zu entkommen, wenn ich am Abend nach einem Tag
im Grünen meinen Körper absuche und die Zecke rausziehe“, sagt Marton
Széll. Aber Achtung: Die Spinnentiere können sehr schwer zu finden
sein. „Die Zecke hat 3 Stadien der Entwicklung: Larven, Nymphen und
Erwachsene. Als Larven und Nymphen haben sie einen Durchmesser von 1
bis 2 Millimeter, da muss man sehr genau schauen.“ Besonders beliebt
sind warme Körperstellen, an denen die Haut dünner und weicher ist –
und wo Zecken ihre Ruhe haben, z.B.: auf der Kopfhaut, in den
Pofalten und Kniekehlen sowie unter der Achsel.

Zwtl.: Mythos 4: Alle Teile der Zecke müssen entfernt werden, am
besten im Spital

Falsch! Ein Großteil der Zeckenstiche führt zu keiner Infektion
und muss daher nicht behandelt werden. Die Zecken können zu Hause mit
einer Zeckenpinzette herausgezogen werden. Weder das Drehen noch Öl
ist dabei hilfreich. Sollte beispielsweise der Kopf dabei abgetrennt
werden, kann dieser im Körper bleiben. Diverse Versuche ihn zu
entfernen, mit Nadeln o.ä. können zu einem Rotlauf (bakterielle
Infektion) führen. Im Körper verbliebene Teile des Zeckens kapseln
sich ab oder eitern heraus. „Eine Rötung am nächsten Tag ist eine
normale lokale Irritation durch den Speichel der Zecke. Eine
Borreliose würde sich üblicherweise erst ab der 2. Woche zeigen. Ein
Tipp: Die rote Stelle mit einem Kugelschreiber einkreisen, so kann
man den Verlauf im Blick behalten und bei Bedarf zur*zum
Allgemeinmediziner*in im niedergelassenen Bereich gehen“, sagt Marton
Széll. Erst wenn man 1 bis 2 Wochen nach der Entfernung Fieber und
Kopfweh bekommt, sollte man in einer Klinik FSME ausschließen lassen.

Zwtl.: Mythos 5: Entfernte Zecken müssen im Labor untersucht werden,
um Hinweise auf eine Infektion zu bekommen

Falsch! Das funktioniert nicht, obwohl bis zu 30 % der Zecken
Borrelien haben, kommt es nur selten zu einer Übertragung. Die
Ergebnisse wären also nicht aussagekräftig im Hinblick auf eine
Borreliose-Infektion beim Menschen.

Zwtl.: Mythos 6: Man kann sich gegen Krankheiten, die Zecken
übertragen, impfen lassen

Teilweise richtig. Gegen FSME hilft die Schutzimpfung. Die
Auffrischungsimpfung wird für Erwachsene unter 60 Jahren alle 5 Jahre
empfohlen. „Auch um diese Jahreszeit macht eine Auffrischung noch
Sinn und sorgt für einen beinahe 100% igen Schutz. Denn Zecken gibt
es mittlerweile schon das ganze Jahr über“, so Marton Széll. Ein Tipp
vom Infektiologen der Klinik Donaustadt: „Wenn das Enkerl die
Grundimmunisierung bei der Kinderärztin bekommt, kann sich der Opa
dort gleich eine Auffrischung holen, da die Fächereinschränkung
aufgehoben wurde“. Bei Borrelien handelt es sich um Bakterien, daher
ist hier Antibiotikum das Mittel der Wahl. „Aktuell wird an einer
Impfung gegen Borreliose geforscht, sie ist gerade in den letzten
Stadien der Entwicklung und in 2 bis 3 Jahren erwarten wir die
Zulassung.“ Bis dahin gilt: Sich gar nicht erst zu infizieren und
deshalb wie oben erwähnt Zecken so schnell wie möglich zu entfernen.