younion-Sportgewerkschaft fordert verbindliche Lösungen vom ÖEHV

Wien (OTS) – Drei Tage nach der öffentlichen Eskalation des Konflikts
zwischen
Österreichs Nationalspielerinnen und dem Österreichischen
Eishockeyverband (ÖEHV) warten die Athletinnen weiterhin auf eine
schriftliche Reaktion auf ihre Forderungen. Das am Montag gestartete
Trainingslager des Frauen-A-Nationalteams findet unterdessen mit
einem unvollständigen Kader statt. Mit Theresa Schafzahl, Anna
Meixner, Selma Luggin, Antonia Matzka, Charlotte Wittich, Annika
Fazokas, Anja Trummer, Emma Pfeffer und Emma Mörtl fehlen mehrere
Leistungsträgerinnen des Nationalteams. Weitere Spielerinnen haben in
den vergangenen Tagen Konsequenzen gezogen und ihre Teilnahme
abgesagt. Damit umfasst der Ausfall bereits elf Spielerinnen aus dem
Stammkader.

Die younion-Sportgewerkschaft, die die Spielerinnen in den
Gesprächen mit dem Verband vertritt, hat bis heute weder konkrete
schriftliche Lösungsvorschläge noch eine schriftliche Zusage zu den
bereits vor Monaten eingebrachten Verbesserungen erhalten. Sascha
Tomanek von der Eishockeyspieler:innen UNION in der younion _ Die
Daseinsgewerkschaft kritisiert die fehlende Verbindlichkeit: „Es gab
wieder zahlreiche Gespräche, Rechtfertigungen und
Überzeugungsversuche. Auf konkrete schriftliche Zusagen oder
Vorschläge warten die Spielerinnen aber weiterhin. Was bei der
Verlässlichkeit, die Geschäftsführer Helwig, Vizepräsidentin Stepina
und Generalmanager Kogler in den letzten Monaten gezeigt haben, nun
auch keine Überraschung mehr ist. Selbst der mediale Aufschrei ist
ihnen egal.“

Weitere Spielerinnen verzichten auf Teilnahme

Schon vor Beginn des Trainingslagers war klar, dass mehrere
Führungsspielerinnen fehlen würden. In den vergangenen Tagen
entschieden sich weitere Athletinnen gegen eine Teilnahme, weshalb
das Camp mit einem unvollständigen Kader startete. Für Tomanek ist
das ein Alarmzeichen: „Ein unvollständiger Kader bei einem A-
Nationalteam-Trainingslager muss doch ein Zeichen für die
Verantwortlichen sein. Es gibt mit Martin Kogler einen General
Manager Frauen- & Para Eishockey, der davon lebt, dass Frauen
Eishockey spielen. Seine Aufgabe ist es, dass diese Spielerinnen
beste Bedingungen haben. Und das schafft er halt leider nicht. Oder
warum sind die Spielerinnen auch jetzt wieder auf zwei Hotels
aufgeteilt? Was hätten sie gemacht, wenn der komplette Kader gekommen
wäre. Hätten sie dann ein drittes Hotel gebucht?“

Aus Sicht der Sportgewerkschaft zeigt die Entwicklung, wie tief
der Vertrauensverlust zwischen vielen Nationalteamspielerinnen und
den Verantwortlichen des ÖEHV mittlerweile ist. Seit Monaten fordern
die Athletinnen bessere sportliche und organisatorische
Rahmenbedingungen, einen respektvollen Umgang sowie faire finanzielle
Bedingungen.

Luggin: Nicht einberufen trotz Aufstiegserfolg

Wie problematisch die Situation inzwischen ist, zeigt das
Beispiel von Nationalteamtorfrau Selma Luggin. Die beste Torfrau des
erfolgreichen Aufstiegsturniers und eine Schlüsselfigur beim
historischen Aufstieg Österreichs in die Top Division wurde für das
aktuelle Camp nicht einberufen, obwohl sie alle Voraussetzungen
erfüllt hatte.

Luggin schildert: „Nachdem ich Cheftrainer Bröms tagelang nicht
erreicht habe, um zu fragen, warum ich nicht einberufen wurde, wurde
meinen Kolleginnen am Wochenende erklärt, dass man meine Qualitäten
ohnehin kennt und daher andere Torfrauen mal die Chance geben will.
Drei Monate von der A-WM, bei einem Camp mit neuem Goaliecoach und
nachdem Joey Vollmer zuvor ohne Begründung gehen musste.“

Wenige Monate vor der ersten A-Weltmeisterschaft in der
Geschichte des österreichischen Frauen-Nationalteams wurde also
bewusst gegen eine gemeinsame Vorbereitung der stärksten verfügbaren
Spielerinnen unter einem neuen Betreuerstab entschieden.

Unterstützung aus ganz Eishockey-Österreich

Während vom Verband weiterhin keine verbindlichen Vorschläge
vorliegen, erfahren die Nationalspielerinnen breite Unterstützung aus
der österreichischen Eishockey-Community. Zahlreiche Fans haben sich
in den vergangenen Tagen öffentlich solidarisch mit den Spielerinnen
gezeigt. Auch aus dem Männer-Eishockey kommt Rückhalt. Unter anderem
stellte sich NHL-Star Marco Rossi hinter die Spielerinnen: „Wer unser
Land vertritt und alles für diesen Sport gibt, verdient Respekt,
Wertschätzung und die bestmögliche Unterstützung – unabhängig davon,
ob bei den Frauen, Männern oder im Nachwuchs. Gerade für die nächste
Generation müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass sich das
österreichische Eishockey in die richtige Richtung entwickelt. Ihr
habt meine volle Unterstützung!“

Für die younion-Sportgewerkschaft ist diese Solidarität ein
wichtiges Signal. Die Spielerinnen haben wiederholt das Gespräch
gesucht und konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt. Jetzt braucht
es verbindliche schriftliche Lösungen statt weiterer Gespräche ohne
Ergebnis.