Wien (OTS) – Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die
betriebliche
Lehrlingsausbildung ist das Um und Auf aus Sicht von Österreichs
Ausbildungsbetrieben. Eine aktuelle Umfrage im Rahmen des WKÖ-
Fachkräfteradars 2026 zeigt: Knapp die Hälfte der 2.132 befragten
Unternehmen (48 Prozent) spricht sich dafür aus, die
Lehrlingsausbildung attraktiver zu machen. Unter den ausbildenden
Betrieben befürworten das sogar mehr als zwei Drittel (69 Prozent).
Die konkreten Topforderungen der Ausbildungsbetriebe: Auf Platz
eins steht eine Kostenentlastung, abgefragt in Form einer Entlastung
bei den Lohnnebenkosten (68 Prozent) bzw. dem Wunsch nach einer
Erhöhung der Lehrstellenförderung, um Ausbildungskosten besser
abdecken zu können (58,8 Prozent). „Das ist ein deutliches Signal,
dass die Kostenbelastung unserer Ausbildungsbetriebe gedämpft werden
muss. Hier haben wir Handlungsbedarf, wenn wir die Lehre als
Hauptsäule der Fachkräftesicherung stärken wollen“, unterstreicht
Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (
WKÖ).
Ebenfalls auf der Wunschliste der Betriebe: Eine stärkere
Ausrichtung der Berufsorientierung in Pflichtschulen auf die Lehre (
65 Prozent), Öffentlichkeits- und Imagekampagnen für die Lehre (59
Prozent) und – vor dem Hintergrund der aktuellen PISA-Ergebnisse von
besonderer Relevanz: Mehr Unterstützung gegen schulische Defizite –
konkret fehlende Grundkompetenzen – mahnen 56 Prozent der Betriebe
sein. 50 Prozent wünschen sich eine aussagekräftigere
Lehrabschlussprüfung (LAP) . Ebenso viele Unternehmen sehen es als
vorrangig an, neue Zielgruppen , z.B. Maturant:innen oder Erwachsene,
von der Lehre zu überzeugen. Die Förderung von Weiterbildungs- und
Aufstiegsmöglichkeiten nach der Lehre wünschen sich 47 Prozent. Für
45 Prozent ist die Qualitätssicherung der LAP ein wichtiges Anliegen.
Und 42 Prozent der befragten Betriebe sprechen sich für die Stärkung
der Polytechnischen Schulen aus.
Kosten, Karrierechancen, Kompetenzen
„Die Forderungsliste der Ausbildungsbetriebe bestätigt, dass
unsere interessenpolitischen Prioritäten richtig waren. Die
Lohnnebenkostensenkung, die wir ab 2028 erreicht haben, ist ein
erster Schritt zur Entlastung. Da ist aber noch mehr möglich und
nötig“, sagt WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger .
Dass 56 Prozent der Betriebe mangelnde schulische
Grundkompetenzen bemängeln, bestätigt die WKÖ-Forderung nach rascher
Umsetzung der Bildungspflicht, wie sie im Regierungsprogramm
vorgesehen ist: „Die jüngsten PISA-Ergebnisse sind ein Weckruf: In
Österreich muss jeder junge Mensch am Ende der Schulpflicht zumindest
so gut lesen, schreiben, rechnen und Englisch können, dass er für den
Berufseinstieg gerüstet ist. Das ist Aufgabe des Schulsystems, das
kann unmöglich den Betrieben aufgebürdet werden.“
Mehr Kostenwahrheit für Ausbildung
Danninger fordert deshalb auch mehr Kostenwahrheit im
Bildungssystem, wo es in Österreich eine klare Schieflage zugunsten
der Schulen und Hochschulen gibt. „Fakt ist: Die Betriebe tragen mit
rund drei Milliarden Euro den Löwenanteil der dualen Ausbildung.
Obwohl sie unter hohen Kosten leiden, finanzieren sie stark steigende
Lehrlingseinkommen, damit die Lehre attraktiv bleibt. Der Staat
beteiligt sich hingegen immer weniger.“ So wurde den
Ausbildungsbetrieben seit Juli 2026 die Basisförderung ab dem zweiten
Lehrling um ein Viertel gekürzt. Und das, obwohl die betriebliche
Lehre für die öffentliche Hand die mit Abstand günstigste Ausbildung
ist: Ein Schulplatz in einer BMS/BHS kostet den Staat etwa doppelt,
ein Uni-Platz vier bis fünf Mal so viel wie eine betriebliche
Lehrstelle. Und auch die überbetriebliche Lehrlingsausbildung im AMS-
Auftrag ist für die öffentliche Hand vier Mal so teuer.
Maßnahmenpaket liegt am Tisch
Danninger fordert ein klares Bekenntnis zur betrieblichen
Ausbildung: „Wer die Berufsbildung attraktiver machen möchte, muss
dort auch investieren und sie nachhaltig absichern“, so Danninger.
Der WKÖ-Generalsekretär verweist auf das Maßnahmenpaket „Lehre
stärken – Fachkräfte sichern, Ausbildung modernisieren“: Dieses hat
im Juni 2026 im WKÖ-Wirtschaftsparlament die einstimmige (!)
Zustimmung aller politischen Fraktionen gefunden (Link zum Antrag).
Der Antrag enthält konkrete Forderungen, wie die Lehrlingsausbildung
flexibler (z.B. 4-Tage-Lehre), moderner (Lehrabschlussprüfung neu)
sowie attraktiver für zusätzliche Zielgruppen (Erwachsenenlehre,
Imageaufwertung, Karrierechancen) werden kann.
„Die Position der Wirtschaft ist parteienübergreifend klar:
Österreich braucht mehr Lehrlinge, nicht weniger. Arbeiten wir
gemeinsam daran, die betriebliche Lehrlingsausbildung aufzuwerten.
Unsere Hand ist ausgestreckt“, so Danninger in Richtung der anderen
Sozialpartner. (PWK/HSP)
Grafiken zum Download finden Sie hier (Quelle: ibw-
Unternehmensbefragung zu Fachkräftebedarf/-mangel 2026; n=2.132
Unternehmen; Durchführung: April 2026):
https://www.flickr.com/photos/wirtschaftskammer/sets/721777203359381-
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