Wien (OTS) – „Der Industriestandort Europa braucht attraktivere
Rahmenbedingungen“, so Roland Prettner, Obmann des Fachverbandes
Fahrzeugindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Dieses
Resümee zieht er nach einem von Wirtschafts- und Energieminister
Wolfgang Hattmannsdorfer initiierten Treffen führender
österreichischer Industrie-CEOs mit Stéphane Séjourné, dem EU-
Kommissar für Industrie, KMU und Binnenmarkt.
Realistische Übergangsfristen, ökonomisch tragfähige Umsetzung:
Klare Rahmenbedingungen für „Made in EU“
Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen zur Stärkung des
Industriestandorts Österreich und Europa ist der kürzlich
veröffentlichte Industrial Accelerator Act. „Wir stehen zu ‚Made in
EU‘, brauchen aber klare Rahmenbedingungen, also realistische
Übergangsfristen und eine ökonomisch tragfähige Umsetzung, die den
Unternehmen Planungssicherheit gibt“, betont der rot-weiß-rote
Branchensprecher Prettner. Ein wichtiger Punkt ist in diesem
Zusammenhang der vorgeschlagene EU-Wertschöpfungsanteil von 70
Prozent. Dieser ist aus Sicht der Industrie ambitioniert und müsse
vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Realitäten beurteilt werden.
„Dafür ist eine klare Berechnungslogik nötig, die sämtliche EU-
Wertschöpfungen korrekt abbildet und Importabhängigkeiten sowie
bestehende Lieferketten – beispielsweise bei Batterien –
berücksichtigt.“
Österreichs Fahrzeugindustrie fordert neuen EU-Förderrahmen
WKÖ-Fachverbandsobmann Prettner spricht sich vehement für eine
Weiterentwicklung des EU-Förderrahmens aus: „Wenn Europa für die
Industrie attraktiv bleiben will, müssen die Förderregeln so
gestaltet sein, dass sie Standorte sichern und private Investitionen
auslösen. Dafür ist die gezielte Förderung einzelner Technologien und
Branchen entscheidend. Während regionale Förderungen im Zuge der
Osterweiterung sinnvoll waren, braucht es heute sektorale
Instrumente, um die Transformation der Automobilindustrie zu
unterstützen. Um nationale Förderungen für Produktionsstandorte zu
ermöglichen, sind Anpassungen im EU-Beihilferecht notwendig.“ Eine
solche Adaption im Zuge der Überarbeitung der Allgemeinen
Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) wird von der Industrie als
wesentlicher Schritt gesehen. (PWK110/JHR)