WKÖ-Landrichtinger: Banken sind Stabilisatoren des Wirtschaftskreislaufes

Wien (OTS) – Zum heute veröffentlichten „Financial Stability Report“
der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hält die Geschäftsführerin der
Bundessparte Bank und Versicherung in der WKÖ, Eva Landrichtinger,
zur Gewinnentwicklung österreichischer Banken fest: „Die aktuellen
Ergebnisse spiegeln vor allem die Normalisierung der Zinslandschaft
wider. Sie sind auch das Resultat von Effizienzsteigerungen durch
Digitalisierung. Ein großer Teil der soliden Gewinne – nämlich 40% –
der österreichischen Banken stammt außerdem nicht aus Österreich,
sondern aus der CEE-Region (Zentral- und Osteuropa). Zwischen 2012
und 2021 sind die Zinsmargen massiv gesunken, während Risikovorsorge
und Regulierungskosten deutlich gestiegen sind.“ Landrichtinger weist
daher die Kritik einiger Akteure an sogenannten „Übergewinnen“
stellvertretend für die Branche zurück: „Österreichs Banken haben
während der vergangenen Krisenjahre eine wichtige Rolle als
Stabilisator des Wirtschaftskreislaufes erfüllt . Weder während der
Pandemie noch in der Hochinflationsphase wurden Finanzierungen im
großen Stil eingeschränkt. Im Gegenteil: Durch Stundungen, Garantien
und Liquiditätsmaßnahmen haben Banken Unternehmen und Haushalte aktiv
unterstützt. Sie waren für ihre Kundinnen und Kunden da – und werden
das auch künftig sein, wenn es politisch gewünscht ist.“

Die OeNB hat heute bestätigt, dass für die nachhaltige
Profitabilität des Bankensektors weiterhin Kostendisziplin sowie
Investitionen in Digitalisierung und Cybersicherheit erforderlich
sind. Dies ist angesichts der aktuellen Kostendynamik besonders
relevant: Die betrieblichen Aufwendungen der Banken sind im
vergangenen Jahr deutlich gestiegen, getrieben durch höhere Personal-
und IT-Kosten sowie gestiegene Steuerbelastungen. Erschwerend kommt
hinzu, dass das Betriebsergebnis der Banken 2025 rückläufig ist.

Wettbewerbsnachteil für den österreichischen Wirtschaftsstandort

Den Forderungen nach weiteren Belastungen für die Branche erteilt
die Bundesspartengeschäftsführerin eine deutliche Absage und warnt
vor Wettbewerbsnachteilen: „Österreichs Banken zahlen seit 15 Jahren
eine ursprünglich temporär angekündigte Abgabe in Höhe von 5,8 Mrd.
Euro (2011-2025). Rund 3 Mrd. Euro werden jährlich zusätzlich an
Steuern, Abgaben und Sozialbeiträgen geleistet. In diesem Betrag sind
jedoch die enormen regulatorischen Kosten, die in den letzten Jahren
explodiert sind, noch gar nicht berücksichtigt. Während andere
europäische Länder den Finanzsektor entlasten, wurde in Österreich im
Jahr 2025 eine weitere Erhöhung beschlossen“, so Landrichtinger und
weiter: „Österreichs Banken sind gegenüber europäischen Mitbewerbern
und vor allem gegenüber digitalen Anbietern klar benachteiligt. Das
ist ein großer Nachteil für den Standort Österreich und dem
Wirtschaftsmotor wird notwendige Liquidität für wichtige
Investitionen entzogen.“

Studien zeigen Negativeffekte von Bankenabgaben

Internationale Studien belegen, dass Banken- und
Stabilitätsabgaben das Kreditvolumen reduzieren. „Mit der notwendigen
Budgetsanierung sinkt der staatliche Spielraum – umso wichtiger sind
Banken als verlässlicher Anker, vor allem für die Herausforderungen
der Zukunft, wie etwa auch Energie- und Infrastrukturfinanzierungen.
Die Bankenabgabe – insbesondere ihre jüngste Erhöhung im Jahr 2025 –
entzieht genau dieses Kapital und schwächt die Resilienz des
Finanzsystems.“ Die Debatte über Gewinne der Vergangenheit greife zu
kurz so Landrichtinger abschließend: „Eine losgelöste Betrachtung
einzelner Jahre hilft nicht bei den aktuellen und kommenden
Herausforderungen für Unternehmen und Kundinnen und Kunden.“ (
PWK171/JHR)