WKÖ-Danninger: „Der richtige Weg: Lehre aufwerten – nicht schlechtreden“

Wien (OTS) – „Unsere Ausbildungsbetriebe ermöglichen zehntausenden
Lehrlingen Jahr
für Jahr eine umfassende Berufsausbildung und sichere Jobs. Sie
übernehmen große Verantwortung für diese jungen Menschen. Das
bedeutet einen hohen personellen wie finanziellen Einsatz und
verdient Respekt, Wertschätzung und Unterstützung“, betont Jochen
Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ):
„Dafür kann man nicht oft genug ‚Danke‘ sagen. Österreich wird nicht
von ungefähr weltweit um seine Lehrlingsausbildung beneidet. Nur im
eigenen Land werden die Betriebe von den Gewerkschaften ständig
angepatzt. Das Maß ist voll, wir lassen uns die Lehre nicht
schlechtreden.“

Bildungspolitischer Meilenstein

Mehr als die Hälfte der Betriebe in Österreich (53 Prozent) würde
gerne mehr Lehrlinge ausbilden, findet aber keine geeigneten
Jugendlichen. Bei den Betrieben, die bereits ausbilden, wären sogar
70 Prozent gewillt aufzustocken.

„Fakt ist: Wir haben heute rund 50.000 weniger junge Menschen in
Österreich als vor 20 Jahren. Wenn wir also mehr Lehrlinge wollen,
müssen wir neue Zielgruppen für die duale Ausbildung gewinnen. Und
wir müssen die Betriebe entlasten, um sie für die Ausbildung
freizuspielen“, betont Danninger. „Deshalb ein klares ‚Nein‘ zu
Strafsteuern, wie sie die Gewerkschaft zum wiederholten Mal
vorschlägt. Das würde uns keinen einzigen Lehrling zusätzlich
bringen. Wir wollen die duale Ausbildung nicht schlechtreden, sondern
aufwerten.“

Er weist auf neue Karrierechancen hin, die sich für Fachkräfte in
Österreich, dank jahrzehntelanger Beharrlichkeit der
Wirtschaftskammern, künftig eröffnen. Durch die Höhere Berufliche
Bildung (HBB) können Personen, die mit beiden Beinen im Berufsleben
stehen, ihre bereits erworbenen oder neu gewonnenen Fertigkeiten
offiziell ausweisen – mit staatlich anerkannten Abschlüssen, die
gleichwertig neben akademisch-universitären Abschlüssen stehen und
durch Anbindung an den Europäischen Qualifikationsrahmen auch
international vergleichbar sind.

Ab Jänner 2027 kommt die HBB in Österreich richtig ins Rollen.
Dann können drei maßgeschneiderte Qualifikationen für rund 30.000
angehende Führungskräfte im Handel erworben werden.

– Die Höhere Berufsqualifikation (HBQ) „ Sales Expert in Retail“
zielt auf Abteilungs- oder Teamleiter:innen ab. Sie ist vorgesehen
auf Stufe 5 des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR).

– Das Fachdiplom (FD) „ Sales Professional in Retail “ legt stärkeren
Fokus auf Managementkompetenzen und bietet sich für
Filialleiter:innen an. Das Kompetenzniveau zielt auf NQR-Stufe 6 ab.
Das entspricht in der akademischen Welt einem Bachelor.

– Das Höhere Fachdiplom (HFD) „ Sales Manager in Retail“ ist für die
Leitung großer Standorte mit umfassender Managementverantwortung
gedacht und soll NQR-Level 7 entsprechen – gleichwertig zu einem
Master-Abschluss in der akademischen Welt.

Anerkennung für im Job erworbene praktische Kompetenzen

HBB-Qualifikationen werden von den Branchen überall dort
angestoßen, wo sie einen konkreten Bedarf sehen: Damit können
Unternehmen ihre Fach- und Führungskräfte im eigenen Betrieb
weiterentwickeln. Die Beschäftigten wiederum rüsten sich so für neue
Herausforderungen wie Klimaeffizienz, Digitalisierung und
Nachhaltigkeit.

„Wissen ist gut, Können noch besser. Die neuen Qualifikationen
sind ein zusätzlicher Ansporn für junge Menschen, sich für eine Lehre
zu entscheiden und werten die berufliche Bildung insgesamt auf.
Ambitionierte junge Fachkräfte verbessern ihre Karrierechancen, ohne
für einen höheren Abschluss an eine Uni oder Hochschule wechseln zu
müssen. Berufliche Sackgassen gehören damit endgültig der
Vergangenheit an“, so Danninger abschließend. (PWK395/HSP)

Details zur Höheren Beruflichen Bildung

Österreichs erste HBB-Qualifikation war die Höhere
Berufsqualifikation (HBQ) Technische Beratung für Energieeffizienz
für Fachkräfte im Bereich Gebäudetechnik, die seit September 2025
angestrebt werden kann. Weitere Informationen gibt es bei der
Bundessparte Handel in der WKÖ Höhere berufliche Qualifikationen im
Handel – WKO , beim Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und
Tourismus (BMWET) https://www.bmwet.gv.at/Themen/Lehre-und-
Berufsausbildung/HBB-Gesetz.html und beim WIFI Höhere Berufliche
Bildung | WIFI Österreich