WKO-, AK-, ÖGB- und IV-Steiermark machen sich für „Bypassröhre“ als alternativloses Szenario bei Plabutschtunnel-Sanierung stark

Graz (OTS) – Die notwendige Sanierung des Plabutschtunnels droht in
den kommenden
Jahren zur Staufalle und zur Standortbremse zu werden: Die steirische
Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Gewerkschaftsbund und
Industriellenvereinigung setzen sich daher geschlossen für eine
zukunftssichere Lösung bei der Sanierung des Plabutschtunnels ein.

Der Plabutschtunnel muss aufgrund seines Alters bis spätestens
2035 umfassend generalsaniert werden, da sowohl die
elektromaschinelle Sicherheitsausrüstung als auch die IT-
Infrastruktur nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und auch
die Fahrbahn grundlegend erneuert werden muss. Die Bauzeit ist mit
vier bis fünf Jahren veranschlagt. Die derzeit präferierte Lösung
einer jahrelangen Einröhrigkeit würde jedoch täglich rund 20.000
zusätzliche Fahrzeuge in das Grazer Stadtgebiet verlagern. „Ohne
tragfähige Ausweichmöglichkeiten und ohne Sicherheitsreserven bei
Unfällen oder Störungen, drohen der Stadt der absolute Kollaps und
unserer Region harte Jahre in Bezug auf unserer Erreichbarkeit“, sind
sich die Präsidenten Josef Pesserl, Josef Herk, Kurt Maier und der
Landesvorsitzende Horst Schachner einig.

Zwtl.: Transportkollaps nur mit belastbarer Alternative zu verhindern

Der Tunnel ist eine zentrale Lebensader für Beschäftigte und
Betriebe. Er steht für die Versorgung einer ganzen Region und hat
weit über Graz hinaus Bedeutung für den steirischen Zentralraum. Im
Schnitt fahren aktuell täglich knapp 43.000 Fahrzeuge durch den
Plabutschtunnel und zu Stoßzeiten sind es viele mehr. Für 2030 werden
bereits über 45.000 Fahrzeuge erwartet. Eine mehrjährige einseitige
Sperre würde das bestehende ohnehin stark belastete Verkehrssystem an
seine Grenzen bringen und einen Transportkollaps mit massiven Folgen
für rund 600.000 Steirerinnen und Steirer auslösen. Ein „Bypass“,
also der Bau einer Entlastungsröhre, ist für die steirischen
Stakeholder alternativlos. Diese zusätzlich benötigte Röhre wird von
den Sozialpartnern und der IV-Steiermark als „Bypass“ bezeichnet,
weil sie sicherstellt, dass Verkehr, Versorgung und Erreichbarkeit
auch während der Bauphase zuverlässig aufrechterhalten bleiben und
gleichzeitig eine dauerhafte Sicherheits- und Resilienzlösung für die
Zukunft geschaffen wird.

Zwtl.: Auswirkungen reichen von verschlechterter Luftqualität bis zu
Millionenverlusten

Die Auswirkungen der Einröhrigkeit wären massiv und belasten
sowohl den Pendlerverkehr als auch Lieferketten. Aus
Sicherheitsgründen müsste der Verkehr auf etwa 20.000 Fahrzeuge pro
24 Stunden beschränkt werden. Das übrige Aufkommen von rund 23.000
Fahrzeugen würde über das Grazer Stadtgebiet geleitet werden bzw.
über Umgehungswege in den Umlandgemeinden. Die Erreichbarkeit von
Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen wäre ebenso eingeschränkt
und es gäbe wohl auch ein Zurück zur schlechten Luftqualität im
Grazer Becken. Gleichzeitig drohen volkswirtschaftliche Schäden von
rund 140 Millionen Euro jährlich und ein dauerhaft überlastetes
Verkehrssystem im gesamten Raum von Leibnitz über Graz bis nach
Deutschfeistritz sowie Richtung Osten. Gerechnet auf die 5-jährige
Sanierungsphase schlagen die Staukosten mit rund 600 bis 700
Millionen Euro zu Buche. Dieser Betrag wäre in etwa die benötigte
Summe für die Errichtung eines Bypasses, der damit nicht nur
kostenneutral ist, sondern auch eine aktuell noch realisierbare und
dauerhafte Lösung.

Die Vertreter der Sozialpartner und der IV-Steiermark betonen, dass
der Plabutschtunnel mehr als Verkehrsinfrastruktur ist, „er ist
Lebensader einer Region und eine baustellenbedingte Langzeitsperre
ohne „Bypass“ hätte fatale Auswirklungen auf Erreichbarkeit, Umwelt
und die Lebensqualität der Menschen.“

Zwtl.: Statements

Josef Pesserl, Präsident der AK Steiermark: „Für tausende
Pendlerinnen und Pendler ist der Plabutschtunnel Teil ihres täglichen
Lebenswegs. Eine jahrelange Einschränkung bedeutet mehr Zeit im Stau
mehr Unsicherheit und eine spürbare Verschlechterung der
Lebensqualität. Wer gute Arbeitsbedingungen sichern will, muss auch
für funktionierende Wege zur Arbeit sorgen und genau deshalb braucht
es den „Bypass“.“

Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark: „Der Plabutschtunnel
ist eine zentrale Schlagader für die steirische Wirtschaft. Wenn
Lieferketten ins Stocken geraten, Termine nicht gehalten werden
können und die Erreichbarkeit eingeschränkt ist, geraten Betriebe
massiv unter Druck. Wettbewerbsfähigkeit braucht Verlässlichkeit und
diese kann es ohne eine zusätzliche leistungsfähige Infrastruktur
nicht geben.“

Horst Schachner, Landesvorsitzender ÖGB Steiermark: „Ein
Verkehrskollaps trifft die Beschäftigten direkt jeden Tag am Weg zur
Arbeit und wieder nach Hause. Gleichzeitig steigen Belastungen und
Stress, während die Planbarkeit verloren geht. Gute Arbeit braucht
funktionierende Infrastruktur und deshalb ist klar, dass eine Lösung
vor Beginn der Sanierung geschaffen werden muss.“

Kurt Maier, Präsident IV-Steiermark: „Der Großraum Graz ist einer
der bedeutsamsten Industriestandorte Österreichs, der sich täglich im
internationalen Wettbewerb behaupten muss. Eine mehrjährige massive
Einschränkung einer der wichtigsten Verkehrsachsen gefährdet
Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Planungssicherheit
und leistungsfähige Infrastruktur sind entscheidend und genau dafür
steht der „Bypass“.“

Die steirischen Sozialpartner fordern daher gemeinsam mit der IV-
Steiermark eine umgehende politische Koordination und den raschen
Start der Detailplanung mit dem Ziel eines Baubeginns noch bis Ende
der 2020er Jahre. Angesichts der zu erwartenden Staukosten ist die
Umsetzung auch volkswirtschaftlich sinnvoll. „Wer Lebensqualität
sichern, Arbeitsplätze erhalten und den Standort Graz stärken will,
muss jetzt handeln und die Staufalle verhindern“, so der Tenor.