WK Burgenland kritisiert geplante Margenbeschränkung

Eisenstadt (OTS) – Da Pächter eine fixe, vom Konzern festgelegte
Provision pro Liter
erhalten, steigen ihre Einnahmen nicht mit höheren Treibstoffpreisen.
„Pächtertankstellen verdienen lediglich 1 bis 1,5 Cent pro Liter und
sind als Agenturpartner der Mineralölunternehmen keine Preissetzer.
Steigende Preise treffen sie daher doppelt“, erklärt Tanja Stöckl,
Obfrau der Fachgruppe Garagen, Tankstellen und Serviceunternehmen in
der Wirtschaftskammer Burgenland. Die Nettoeinnahmen sinken, weil
insgesamt der Treibstoffverbrauch durch geändertes Fahrverhalten im
privaten Bereich sinkt. Dadurch sind die Betreiber dreifach gestraft.
Einerseits geringere Margen, gestiegene Kosten und reeller
Umsatzrückgang.

Gleichzeitig steigen die umsatzabhängigen Kosten – etwa für
Kartenzahlungen, Versicherungen und betriebliche Abgaben – stark an.
„Die finanzielle Belastung nimmt massiv zu, während die Einnahmen
gleichbleiben. Eine Margenbeschränkung würde die ohnehin prekäre
Situation weiter verschärfen“, so Stöckl. Zudem können
Pächtertankstellen ihre Preise nicht selbst festlegen und haben
keinen Spielraum, wirtschaftliche Schwankungen abzufedern.

Zwtl.: Forderung: Steuern und Abgaben senken

Auch Eigentümertankstellen geraten zunehmend unter Druck. Dabei
handelt es sich meist um kleine, regional verankerte Unternehmen ohne
Konzernrückhalt. Sie müssen Lieferverträge erfüllen und gleichzeitig
steigende Personal-, Energie- und Betriebskosten tragen. Trotz
eigener Preisgestaltung bleibt ihr Spielraum begrenzt, da
Preisanpassungen am Markt oft schwer durchsetzbar sind. Die Situation
wird damit zunehmend existenzbedrohend.

Stöckl bezeichnet die Maßnahme als weder zielgenau noch wirksam:
„Die einzige nachhaltige Stellschraube ist die Senkung von Steuern,
Abgaben und CO₂-Kosten.“ Als kurzfristige Lösung nennt sie eine
temporäre Senkung der CO₂- bzw. Mineralölsteuer.

Zwtl.: Versorgungssicherheit in Gefahr

Bettina Mayer-Toifl, Sprecherin des Landesgremiums Energiehandel,
betont: „Die Versorgungssicherheit hat oberste Priorität – eine
Margenbeschränkung würde diese gefährden. Die Versorgung des Marktes
mit Treibstoff in Österreich wird maßgeblich auch von
mittelständischen Unternehmen gewährleistet und nicht nur von der OMV
oder anderen internationalen Unternehmen. Ein Eingriff in die Margen
der Lieferkette bringt Unsicherheit in der Planung, wodurch stabile
Versorgungsstrukturen nachhaltig beeinträchtigt werden können und die
Unternehmen überfordert – auch finanziell.“

WK-Präsident Andreas Wirth warnt vor weiteren Eingriffen in den
freien Markt: „Wenn man beginnt, Preise oder Margen zu regulieren,
stellt sich die Frage: Wer ist der Nächste? Heute die
Treibstoffpreise, morgen vielleicht Semmeln, Kaffee oder Blumenerde?“

Zudem verweist Wirth auf die wirtschaftlichen Folgen:
„Zusätzliche Kosten werden entlang der Wertschöpfungskette
weitergegeben – am Ende trifft es immer die gesamte Bevölkerung.“
Kritisch sieht er auch die fehlende Einbindung der Praxis: „Die
Unternehmer haben die Expertise – man muss nur mit uns reden.“

Abschließend ruft Wirth zu geschlossenem Auftreten auf: „Wenn wir
uns alles gefallen lassen, werden die Eingriffe weitergehen. Es
braucht eine starke Stimme für unsere Betriebe – und dafür werden wir
weiter aufstehen.“