Wien (OTS) – Aus Erdaushub entsteht ein neuer Baustoff: Im Rahmen der
Biofabrique
Vienna, einem Projekt der Wirtschaftsagentur Wien, wurde gemeinsam
mit Expert*innen aus Design, Materialentwicklung und Forschung sowie
den Wiener Linien die Wiener Fliese entwickelt. Der Ausgangsstoff
stammt aus dem U-Bahn-Ausbau der U2xU5. Das Baustoffunternehmen
wienerberger testet nun, ob sich die Materialrezeptur industriell und
in größerem Maßstab verarbeiten lässt. Bewährt sich die Wiener Fliese
im Testbetrieb, könnte sie künftig etwa bei der Auskleidung
verschiedenster Räume zum Einsatz kommen. Vizebürgermeisterin Barbara
Novak besuchte die Biofabrique Vienna gestern gemeinsam mit Gudrun
Senk, technische Geschäftsführerin der Wiener Linien, und Johann
Marchner, Geschäftsführer von wienerberger. Im Mittelpunkt standen
die Wiener Fliese und ihr Anwendungspotenzial.
„Mit der Biofabrique Vienna schaffen wir den Rahmen dafür, aus
bislang wenig genutzten lokalen Ressourcen Wiens neue Materialien und
wirtschaftliche Anwendungen zu machen. Damit das gelingt, bringt die
Wirtschaftsagentur Wien die notwendigen Menschen, Kompetenzen und
Strukturen aus Stadt, Forschung und Industrie zusammen. Eine
besondere Rolle spielt dabei die Kreativwirtschaft: Designer*innen
bringen neue Perspektiven ein und machen aus Forschung konkrete
Anwendungen. Dass nun erstmals ein technisch geeigneter Baustoff aus
der Biofabrique Vienna in den Industrietest geht, ist ein Durchbruch
für die Kreislaufwirtschaft und den Innovationsstandort Wien. Die
Biofabrique Vienna zeigt damit, welches Potenzial innerhalb der Stadt
entsteht, wenn wir Infrastrukturentwicklung und Kreislaufwirtschaft
zusammendenken“, sagt Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin
Barbara Novak.
Zwtl.: Vom Aushub der Wiener Linien zum neuen Baustoff – wienerberger
startet Testbetrieb
Die Biofabrique Vienna entwickelt neue Anwendungen für bislang
wenig genutzte lokale Ressourcen in Wien wie Aushubmaterialien,
Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion und pflanzliche
Reststoffe. Ziel ist es, diese Ressourcen systematisch
weiterzuverwenden, länger im Kreislauf zu halten und dadurch
Transportwege sowie Emissionen zu reduzieren. Besonders im Bausektor
ist der sparsame Umgang mit Rohstoffen ein wichtiger Hebel für den
Klimaschutz.
„Die Biofabrique Vienna zeigt, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur
ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv ist. Aus
lokalen Reststoffen sollen neue Produkte und Geschäftsmodelle
entstehen, die sich auch unter realen Marktbedingungen bewähren
können. An der Wiener Fliese zeigt sich, wie aus einem bislang wenig
genutzten Rohstoff ein Produkt für die industrielle Anwendung
entstehen kann. Solche neuen Anwendungen eröffnen Marktchancen,
stärken die Wettbewerbsfähigkeit und schaffen zusätzliche
Wertschöpfung. Genau diese Verbindung von Kreativität, Forschung und
wirtschaftlicher Anwendung fördern wir mit dem Projekt“, betont
Dominic Weiss, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien.
Der Erdaushub aus dem U-Bahn-Ausbau U2xU5 wurde von den Wiener
Linien bereitgestellt. „Die Wiener Linien wollen dort, wo es möglich
ist, noch nachhaltiger werden. Die Wiener Fliese zeigt, wie das
gelingt: Gemeinsam mit der Biofabrique Vienna und wienerberger machen
wir aus U2xU5-Aushub einen hochwertigen Baustoff und führen wertvolle
Ressourcen zurück in den Kreislauf“, sagt Gudrun Senk, technische
Geschäftsführerin der Wiener Linien.
Für die Wiener Fliese wurden in einem mehrstufigen
Entwicklungsprozess verschiedene Materialmischungen und
Zuschlagstoffe auf Stabilität, Belastbarkeit und Wasserbeständigkeit
getestet. Die Wiener Fliese wurde bereits von der MA 39 technisch
geprüft. Nun folgt der letzte Schritt auf dem Weg zum fertigen
Produkt: wienerberger erprobt die Eignung für die industrielle
Produktion. „Im Testbetrieb prüfen wir, wie sich die
Materialrezepturen in bestehende Produktionsprozesse überführen
lassen und welches Potenzial sie für künftige Anwendungen haben.
Danach werden die Ergebnisse ausgewertet und die nächsten
Entwicklungsschritte gemeinsam mit den Partnern festgelegt“, sagt
Johann Marchner, Country Managing Director von wienerberger
Österreich.
Zwtl.: Kreativwirtschaft prägt die Materialentwicklung der
Biofabrique Vienna
Die Kreativwirtschaft spielt eine zentrale Rolle in der
Biofabrique Vienna. Designer*innen werden früh in die
Materialentwicklung eingebunden und verbinden gestalterische
Perspektiven mit Materialwissen, Forschung und den Anforderungen der
industriellen Praxis. Die Wirtschaftsagentur Wien versteht sich dabei
als Vernetzerin und Wegbereiterin: Sie bringt die relevanten Akteur*
innen und Kompetenzen zusammen und schafft die Voraussetzungen dafür,
dass aus Forschung und Gestaltung neue wirtschaftliche Anwendungen
und damit auch neue Geschäftsmodelle entstehen. Auch die Wiener
Fliese wurde in diesem Zusammenspiel entwickelt.
Für die Entwicklung arbeiteten die Kreativwirtschaftsexpertinnen
der Wirtschaftsagentur Wien, die Künstlerinnen Anna Riess und Marie
Janssen sowie Expert*innen aus Materialforschung, Architektur,
Industrie und der Stadt zusammen. Der Entwicklungsprozess orientiert
sich am bioregionalen Designansatz. Neben Baustoffen arbeitet die
Biofabrique Vienna auch an weiteren Materialien aus lokalen
Reststoffen: etwa an Wiener Farben aus Nebenprodukten der
Lebensmittelproduktion, die gemeinsam mit der TU Wien erforscht
werden.
Erste Ergebnisse werden im Rahmen der Vienna Design Week ab
Freitag vorgestellt. Mehr Infos unter: wirtschaftsagentur.at