Wien (OTS) – Das Theater der Jugend nimmt tief betroffen Abschied von
Professor
Reinhard Urbach, der am 5.9.2025 im Alter von 85 Jahren verstorben
ist. Mit ihm verlieren wir einen außergewöhnlichen
Theaterwissenschaftler, Dramaturgen, ehemaligen Leiter und eine
prägende Persönlichkeit des österreichischen Kulturlebens.
Zwtl.: Ein Leben für Literatur und Theater
Am 12. November 1939 in Weimar geboren, kam Reinhard Urbach 1964
nach Wien. Sein wissenschaftliches Wirken war von Anfang an eng mit
dem Werk Arthur Schnitzlers verbunden. Mit seiner 1968 erschienenen
Monografie über den Dichter eröffnete er eine Renaissance des Autors
in der Nachkriegszeit. Sein Name blieb zeitlebens untrennbar mit der
Erforschung und Vermittlung Schnitzlers verbunden.
Nach seiner Tätigkeit in der Österreichischen Gesellschaft für
Literatur (1968–1975) prägte er als Literaturreferent des Wiener
Kulturamts die literarische Landschaft der Stadt. In dieser Zeit
gründete und leitete er das Literarische Quartier in der Alten
Schmiede. 1977 wechselte er an das Burgtheater, wo er als Dramaturg
wirkte und ab 1979 bis 1986 die Leitung der Dramaturgie innehatte.
Dort initiierte er die legendäre Veranstaltungsreihe Literatur im
März und setzte neue kulturpolitische Impulse.
Zwtl.: Direktor des Theaters der Jugend
Von 1988 bis 2002 leitete Reinhard Urbach das Theater der Jugend.
Mit großem Engagement gelang es ihm, das Haus künstlerisch neu
auszurichten und zugleich der größten Kinder- und Jugendbühne Europas
neue Strahlkraft zu verleihen. Die von ihm verantworteten
Publikationsreihen und seine programmatische Theaterarbeit verbanden
Forschung, Literatur und Bühne in einzigartiger Weise.
Zwtl.: Lehrer, Forscher, Vermittler
Neben seiner Tätigkeit an den Theatern inspirierte Urbach
Generationen junger Menschen als Lehrer und Gastprofessor: an der
Washington University in St. Louis, am Institut für Germanistik und
dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der
Universität Wien sowie am Max Reinhardt Seminar. Sein publizistisches
Werk umfasst grundlegende Studien zur österreichischen Literatur- und
Theatergeschichte, von Raimund und Nestroy bis Jandl, Freud und
Soyka.
Zwtl.: Auszeichnungen und Würdigungen
Für seine kulturpolitische Arbeit wurde Urbach vielfach geehrt:
mit dem Belgischen Kronenorden (1988), dem Goldenen Ehrenzeichen für
Verdienste um das Land Wien (2000), dem Berufstitel Professor (2003),
der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold (2004) sowie dem
STELLA-Sonderpreis für herausragende kulturpolitische Impulse (2008).
Noch im November 2024 hat er mit seiner Schenkung an das Arthur-
Schnitzler-Archiv in Freiburg im Breisgau ein Vermächtnis
hinterlassen, das Generationen von Forscherinnen und Forschern
zugutekommen wird.
Zwtl.: Abschied
Mit Reinhard Urbach verlieren wir nicht nur einen brillanten
Intellektuellen und unermüdlichen Kulturvermittler, sondern auch
einen langjährigen Weggefährten, der mit Leidenschaft, kritischem
Geist und Humor das kulturelle Leben Wiens und Österreichs prägte.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere seiner
Frau und seinem Sohn.
Das Theater der Jugend verneigt sich in Dankbarkeit vor dem
Lebenswerk Reinhard Urbachs.