„Wir sind die digitale Generation“: Jugendliche fordern Mitsprache bei Entscheidungen über ihre digitale Zukunft

wien (OTS) – Bei der 2. Österreichischen Kinderrechte-Konferenz am
16. Juni 2026
im Europahaus in Wien diskutierten über 100 Fachpersonen aus
Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam mit
Jugendlichen über Kinderrechte im digitalen Raum. Im Mittelpunkt
stand die Forderung junger Menschen, bei Entscheidungen über digitale
Räume stärker eingebunden zu werden.

„Wir sind die digitale Generation – deshalb müssen wir mitreden
können.“ Mit dieser Botschaft wandten sich 15 Jugendliche aus
mehreren Bundesländern bei der 2. Österreichischen Kinderrechte-
Konferenz des Netzwerks Kinderrechte Österreich an die anwesenden
Fachpersonen aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Sie
brachten ihre Erfahrungen, Perspektiven und Forderungen zu
Kinderrechten im digitalen Raum ein und machten deutlich: Digitale
Technologien, soziale Medien und Online-Plattformen prägen ihren
Alltag von klein auf. Dennoch werden junge Menschen bei
Entscheidungen über die Gestaltung digitaler Räume oft zu wenig
einbezogen. Die Jugendlichen forderten daher, als Expert*innen ihrer
eigenen digitalen Lebenswelt ernst genommen und aktiv an der
Entwicklung politischer Maßnahmen beteiligt zu werden.

Zwtl.: Mehr als Schutz: Kinderrechte im digitalen Raum bedeuten auch
Teilhabe

Die Forderung der Jugendlichen nach mehr Mitsprache zog sich als
roter Faden durch die Konferenz. Dabei wurde deutlich, dass
Kinderrechte im digitalen Raum weit über Fragen von Schutz und
Sicherheit hinausgehen. Junge Menschen wollen digitale Räume vor
allem aktiv mitgestalten, denn diese sind Orte für Information,
Bildung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe.

Auch die deutsche Medienethikerin Ingrid Stapf (Universität
Tübingen) plädierte in ihrer Keynote für einen differenzierten Blick
auf die digitale Lebenswelt junger Menschen. „Die Antwort auf
digitale Herausforderungen kann nicht allein in Verboten und
Einschränkungen liegen“, betonte Stapf. Kinder und Jugendliche haben
Anspruch auf Schutz ihrer Rechte, auf Privatsphäre und Datenschutz
ebenso wie auf Bildung und Teilhabe und Schutz vor Gewalt und
Ausbeutung – dazu müssten sie zunächst als Expert*innen ihrer eigenen
digitalen Lebenswelt ernst genommen werden. Wer digitale Räume
gestalten wolle, müsse daher jene einbeziehen, die sich täglich darin
bewegen. Digitale Räume seien heute ein selbstverständlicher Teil des
Aufwachsens und eröffneten Kindern und Jugendlichen vielfältige
Möglichkeiten zur Information, Orientierung, Vernetzung und
gesellschaftlichen Beteiligung. Stapf beschrieb junge Menschen dabei
auch als „Pionier*innen im technischen Wandel“, die neue digitale
Entwicklungen oft früh aufgreifen und deren Chancen und
Herausforderungen unmittelbar erleben. Kinderrechte im digitalen Raum
umfassen daher nicht nur Schutz, sondern ebenso Teilhabe, Befähigung
und die Möglichkeit, digitale Räume aktiv mitzugestalten.

Zwtl.: Digitale Räume kinderrechtskonform gestalten

Die Aussagen der Jugendlichen unterstrichen diesen Ansatz
eindrucksvoll. Sie forderten nicht nur mehr Mitsprache für sich
selbst, sondern auch bessere Rahmenbedingungen für nachfolgende
Generationen. Ihr Anliegen: Digitale Räume so zu gestalten, dass
Kinder und Jugendliche sich darin sicher bewegen, selbstbestimmt
entwickeln und orientieren können. Die Konferenz machte damit
deutlich, dass eine kinderrechtsbasierte Digitalpolitik Schutz,
Befähigung und Beteiligung junger Menschen gleichermaßen in den Blick
nehmen muss wie die Verantwortlichkeit von Eltern, Staat und
Unternehmen, einschließlich Online-Plattformen. Entscheidend ist
dabei nicht nur die Schaffung neuer Regelungen, sondern auch die
wirksame Umsetzung und Durchsetzung bestehender Rechte und
Schutzstandards im digitalen Raum.

„Wir wollen mitreden, damit es die nächsten Generationen leichter
haben, sich in digitalen Räumen zu orientieren, zu schützen und
selbstbestimmt zu bewegen“, brachte eine Jugendliche die gemeinsame
Haltung vieler Teilnehmer*innen auf den Punkt.

Für das Netzwerk Kinderrechte Österreich zeigte die Konferenz
einmal mehr, dass Kinder und Jugendliche nicht nur Adressat*innen
digitalpolitischer Entscheidungen sind, sondern unverzichtbare
Partner*innen bei der Gestaltung ihrer digitalen Lebenswelt.