Brüssel (OTS) – Die Europäische Kommission hat heute ihr
Pensionspaket sowie die
Reform der Nachhaltigkeitsregeln für Finanzprodukte (SFDR –
Sustainable Finance Disclosure Regulation) vorgestellt. Für die
Europaabgeordnete Angelika Winzig, Wirtschaftssprecherin der ÖVP im
Europaparlament, sind beide Themen eng miteinander verbunden: Die EU
müsse Vorsorge stärken, Investitionen mobilisieren und gleichzeitig
nationale Systeme respektieren.
„Wir unterstützen im Grundsatz das Ziel der Kommission, die
enormen Spareinlagen der Europäerinnen und Europäer stärker für
Investitionen zu nutzen. Gleichzeitig ist klar: Die demografische
Entwicklung stellt unsere Pensionssysteme vor große
Herausforderungen. Betriebliche und private Vorsorge werden daher
immer wichtiger. Wenn wir diese beiden Dinge miteinander verbinden
wollen, müssen wir sehr sorgfältig vorgehen – ohne Überregulierung
und mit Rücksicht auf die Besonderheiten der nationalen
Pensionssysteme“, sagt Winzig.
Die Kommission setzt im neuen Paket auf digitale
Pensionsübersichten und mehr Transparenz. Für Winzig ist das ein
richtiger Schritt, solange die nationale Gestaltungshoheit gewahrt
bleibt. „Die Kompetenzen für Pensionen liegen bei den
Mitgliedstaaten. Die Kommission kann wertvolle Impulse geben, aber
eine EU-Einheitslösung darf es nicht geben“, betont sie.
Zugleich sieht Winzig im Finanzmarkt wichtige Hebel für Wachstum
und Transformation – vor allem in einem Industrieland wie Österreich.
Die Reform der SFDR soll nachhaltige Finanzprodukte verständlicher
machen und Greenwashing verhindern. „Wir brauchen klare, einfache
Regeln, damit Menschen und Unternehmen erkennen können, worauf sie
sich verlassen können. Nachhaltigkeit darf kein Bürokratiemonster
werden – sie muss praktikabel sein und auch die Transformation
energieintensiver Branchen unterstützen“, erklärt sie.
Mit Blick auf die Pensionsfonds zeigt sich Winzig offen für neue
Wege, um langfristiges Kapital in die europäische Wirtschaft zu
lenken. „Es ist durchaus vorstellbar, dass Pensionsfonds künftig
stärker am Kapitalmarkt investieren und damit Unternehmen bei
dringend benötigten Finanzierungen unterstützen. Gerade in der
derzeit schwierigen Wirtschaftslage kann das ein wichtiger Beitrag
zum Aufschwung sein. Aber auch hier gilt: Keine zentralistische EU-
Lösung, sondern sorgfältig abgestimmte nationale Rahmenbedingungen“,
sagt Winzig.
Dringenden Handlungsbedarf sieht sie bei der Reform des Pan-
European Personal Pension Product (PEPP). „Die Überarbeitung des PEPP
ist überfällig. Dieses Produkt kann nur dann funktionieren, wenn die
Mitgliedstaaten steuerliche Anreize schaffen. Ohne attraktive
Bedingungen wird das PEPP weiter ein Schattendasein führen“, stellt
Winzig klar. (Schluss)