WIFO-Studie zu Lebensmittelpreisen: Nur 4 von 100 Euro landen beim Bauern

Wien (OTS) – Nur vier von 100 Euro, die Konsumenten für Lebensmittel
ausgeben,
kommen bei den heimischen bäuerlichen Familienbetrieben an. Das zeigt
eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zur
Entwicklung der Lebensmittelpreise und der Wertschöpfung entlang der
Kette. Die Analyse belegt, dass die Landwirtschaft am wenigsten von
teuren Lebensmitteln profitiert und selbst zu den Leidtragenden der
Teuerung zählt.

Bauernbund-Präsident Abg.z.NR DI Georg Strasser betont: „Auf der
Basis der WIFO-Studie ist klar, dass unsere Bäuerinnen und Bauern
keinesfalls die Preistreiber, sondern selbst Leidtragende der
Teuerung sind. Was wir brauchen, sind faire Rahmenbedingungen,
Transparenz entlang der Wertschöpfungskette und eine ehrliche
Diskussion darüber, was unsere Lebensmittel wirklich wert sind. Denn
sonst riskieren wir in Zukunft die Versorgung mit hochwertigen
Lebensmitteln aus Österreich, die unsere Bäuerinnen und Bauern
tagtäglich produzieren.“

Die WIFO-Analyse zeigt, dass der Einfluss der Agrarrohstoffpreise
auf die Lebensmittelpreise insgesamt abnimmt, während andere
Kostenblöcke wie Energie, Löhne, Transport und Handel an Gewicht
gewinnen. Der Index der Agrarrohstoffpreise liegt bereits wieder
unter dem Niveau des Jahres 2022, der Verbraucherpreisindex für
Lebensmittel bleibt aber deutlich höher.

Mehl als Beispiel: Rohstoffanteil sinkt deutlich

Besonders anschaulich wird die Entwicklung am Beispiel
Weizenmehl. Laut WIFO sank der Anteil des Rohstoffs Mahlweizen am
Endverbraucherpreis von knapp 30 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt
deutlich unter 20 Prozent. Den Großteil des Preises machen Mühlen,
Handel, Energie, andere Produktionsfaktoren und die Mehrwertsteuer
aus.

Gleichzeitig tragen vorwiegend aus heimischen Rohstoffen erzeugte
Produkte wie Mehl und Brot derzeit kaum zum Preisauftrieb bei. Die
aktuelle Teuerung bei Lebensmitteln wird laut WIFO vor allem durch
Importe, wie etwa von Kakao, Kaffee und Südfrüchten angetrieben, die
sich seit 2024 stark verteuert haben.

Einkommen am Hof stagniert

Beim Einkommen am Hof ist das Bild ebenfalls angespannt. Das
reale Faktoreinkommen je Jahresarbeitseinheit erreichte 2024
lediglich wieder das Niveau, das bereits vor rund zwanzig Jahren
bestanden hat. Die leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr
beruht vor allem auf höheren Ausgleichszahlungen, nicht auf höheren
Marktpreisen.

Bauernbund-Direktorin Mag. Corinna Weisl unterstreicht: „Die
aktuellen Zahlen aus der WIFO-Studie holen die Preisdebatte zurück
auf den Boden der Realität. Wenn nur ein winzig kleiner Anteil des
Verbraucherpreises bei den Bäuerinnen und Bauern ankommt, während
Verarbeitung, Handel, Importe und Steuern den Großteil ausmachen,
dann ist es schlicht falsch, die Verantwortung bei der Landwirtschaft
zu suchen. Wir müssen den Mut haben, offen über Herkunft,
Wertschöpfung und faire Preise zu reden, damit unsere Bäuerinnen und
Bauern auch morgen noch das produzieren können, was für uns alle
unverzichtbar ist: hochwertige Lebensmittel aus Österreich.“

Faire Abgeltung bäuerlicher Leistungen

Aus Sicht des Bauernbundes stützt die WIFO-Studie die Pläne für
mehr Preistransparenz entlang der Lebensmittelkette. „Nur wenn die
Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe fair abgegolten werden,
kann Österreich auch in Zukunft mit hochwertigen Lebensmitteln aus
dem eigenen Land versorgt werden“ so Strasser abschließend.